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Antiochia ad Orontem (Seleukis u. Pieria)
a0017 - Trebonianus Gallus u. Volusianus
ΑΥΤΟΚ Κ Γ ΟΥΙΒ ΤΡЄΒ ΓΑΛΛΟϹ ΚΑΙ ΟΥΟΛΟΥϹϹΙΑΝΟϹ ϹЄΒ•
Büste belorbeert rechts (Trebon.), Büste mit Krone links (Volusian)
vis a vis
ΑΝΤΙΟΧЄΩΝ - ΜΗΤΡΟ ΚΟΛΩΝ / i.F. Δ - Є, in ex SC
Tempel, 4-s. [tragbarer Schrein],
Tyche, Flußgott, Widder
AE | 30 mm | 17.57 g | 6 h RPC 1818.1-15, McAlee 1184, (Butcher 507b), BMC 656v, SNG Hunter 3123v, SNG Righetti 2058, Lindgren II.2027, McClean 9424
Ein Beispiel für einen tragbaren (Griffe schräg rechts) Schrein in Form eines korinthischen 'Tempels' mit vier Säulen (s.u.).

Variante (#a0467img, Griffe nach links).
Tempel/ Schrein auch ohne Tragegriffe (ua SNG Hunter 3095, 3103).
Vgl.ähnliches Tragegerüst eines Schreins aus Side (Price/Trell 470, s.Notiz zu #a0804img).

Der 'Bau' (mit viereckigem Grundriß) ist derart perspektivisch gezeichnet, daß die beiden äußeren Säulen (rückwärtiges Säulenpaar) in eine Ebene mit den inneren Säulen (frontales Säulenpaar) geklappt sind. Es handelt sich damit wohl um einen Schrein, dessen Vorder- und Rückansicht mit Bögen und dessen Seiten vermutlich mit Architraven versehen sind. Der apex, der jetzt auf dem Bogen aufgesetzt erscheint, befindet sich realiter im Zentrum des Daches (vgl. #a0128img) zwischen den vier Säulen (vgl. Antiochia/ Pis. #a0530img). Die leiterartige Tragekonstruktion ist nicht vor dem Schrein angebracht, sondern darunter. Man müßte sie sich auch um 90° gedreht vorstellen, da ja die Träger vermutlich bds. neben dem Kultbild laufen.
Die Anordnung (ebenso für Trebonianus allein: #k4430) der Tragegriffe ist wohl nicht mit der Vorstellung eines runden Grundrisses (so Drew-Bear, S.49) zu vereinbaren, auch wenn dem einzelne Stücke nicht widersprechen (zB vielleicht Butcher 2004, Tf. 18.502a). Vgl. Notiz zu (#a0763img).

Die oben ausgeführte Deutung (*) nimmt schon Donaldson (S.99) vorweg und sieht den Bau ("cella, or a canopy or baldaquin") im Innern eines großen Tempels. Nicht wenige ähnliche sog. viersäulige Tempel sind ebenso zu verstehen. Allerdings schließt er einen Giebel mit flach gebogenem Architrav (Raum für die Darstellung des Kultbildes! ) nicht aus, zieht aber auch ein Dach in Form eines "depressed dome" in Betracht (**).

Das Kultbild als solches stellt die Stadtgöttin auf einem Felsen (Mons Sulpius) sitzend dar; darunter der schwimmende Orontes.
Eine aus der Zeit der Severer stammende Kopie der Originalkomposition des Eutychides steht im Vatikan.
Im Feld oberhalb des Schreins ein Widder, das Sternzeichen, unter dem die Stadt gegründet wurde (?).
Schon seit Pompeius besteht das Privileg zur Prägung des "SC". Zur bis heute wohl unsicheren Interpretation s. Butcher, S.235f.
'Δ-Є' wird üblicherweise als "ΔΗΜΑΡΧΙΚΗΣ ΕΞΟΥΣΙΑΣ" (= tribun. pot.) entschlüsselt. Es ist auch möglich, daß die beiden Buchstaben auf die vier Eparchien ("Provinzen") in Syrien verweisen (Antiochia, Damaskos, Samosata, Tyros). Dazu s. Meyer (Laodikea, JNG 1987, S.70), McAlee, S.3-6.

(*) Kadman (S.76,4a; s. Notiz zu #a0318img) mißversteht den Bau, indem er darin eine 'Entwicklungsstufe' eines Tetrastylos mit 'syrischem Bogen' sieht; er beachtet die Tragegriffe nicht.
(**) Die Tragegriffe erscheinen ihm als Wellen des Orontes (!).

Literatur:

Butcher, K.: Coinage in Roman Syria, Northern Syria, RNS 34, London 2004
Drew-Bear, T.: Representations of Temples on the Greek Imperial Coinage, Museum Notes 19, New York 1974, S.27-63
Leidig, T.: SC auf kaiserzeitlichen Bronzemünzen, JNG 1981, S.55-76
McAlee, R.: The Coins of Roman Antioch, Lancaster 2007

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Zuletzt geändert am: 2018-12-11 19:08:13