Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Sebastopolis Herakleia (Pontos)
a0059 - Julia Domna
ΙΟΥΛΙΑ - ΔΟΜΝΑ ΑΥ
Büste rechts
ϹЄΒΑϹΤ / Η⁀ΡΑΚΛЄΟ - ЄΤ ΗϹ
Tempelanlage [Tempel, 4-s. od. 8-s.], Herakles
AE | 27 mm | 13.09 g | 6 h Amandry/Remy 27a-c = RG 9 (Rs), Amandry/Remy 28v = BN onl 41809030v corr
Jahr 208 der Ära, 206/7 n.Chr.

Sog. "Stoa" (?), Sanktuarium mit Herakles-Schrein.

Großer Rundbogen zwischen jeweils 4-säuligem Portiko/Tempel auf einfachem Stand und mit schmucklosen Dreiecksgiebeln, deren Firste durch eine doppelte, dem Scheitel des Bogens aufliegende Linie verbunden sind. Die Stylobaten sind auf beiden Seiten von einer Bodenlinie abgesetzt. Zentral und direkt auf der durchgehenden Bodenlinie ist eine gitterförmige Absperrung angebracht. Der Bogen, darunter eine Statue des Herakles mit Keule und Fell, scheint auf dem Gitter zu stehen; da jedoch die Beine der Statue vom Handlauf des Gitters durchschnitten werden, befindet sich der Bogen hinter der Absperrung; diese könnte aber verkürzt dargestellt sein, nämlich als pars pro toto für die gesamte Umgrenzung des Heiligtums. (*)

Weiteres Ex. (#a0172img, nicht stempelgleich), Caracalla (#a0483img, dreibogig), Geta (#a0391img, #a0484img, #a0488img, wohl alle stempelgleich). Diese Rs. sind äußerst hilfreich bei der anspruchsvollen Interpretation der Prägungen aus Nikopolis (s. Notiz zu #a0430img) und Sebastopolis-Herakleia (nicht in dieser Sammlung, s. Notiz unter #a0607img). (**)

Verschiedene hintereinander befindliche Bauteile sind also auf die Ebene der Münzscheibe projiziert: a) die Absperrung, auf der Münze wohl verkürzt, in vorderster Linie, b) die beiden Säulenfronten etwas nach rückwärts versetzt; sie sind als Stirnseiten von Seitenflügeln, deren seitliche Säulenreihen nicht dargestellt sind, vorzustellen, c) die Flügel sind durch einen Querbau, dessen Dach durch die Waagerechten von First zu First angedeutet ist, miteinander verbunden. Daraus ergibt sich ein Grundriß der satteldachgedeckten Gebäudeteile wie eine querliegende eckige Klammer (besser erkennbar bei Rs.Variante #a0483img). Schließlich d) das Allerheiligste mit der Statue in Form einer Nische, einer Aedikula vor der Rückwand des Querbaus, aber auch eines freistehenden Schreins (s. Notiz zu #a0993img).

In der Stadt wurde nur sporadisch, und das jeweils lediglich über ein Jahr, geprägt: unter Trajan und Gallienus nur wenige Typen, im Vergleich zu diesen unter Septimius Severus und angesichts der kurzen Prägezeit 'massenhaft' und doch abwechslungsreich.

Nach Price/Trell handelt es sich um den Eingang zu einem Sanktuarium mit Durchblick auf die Statue. Andere halten die seitlichen Säulenfronten für Vorder- und Rückansicht desselben Tempels (((zit.?

(*) Das Gitter überschneidet auch den Unterbau der Flügelfronten, die demnach wie der zentrale Bogen, rückwärtig stehen. Die Überschneidung bewirkt den Eindruck von Räumlichkeit (s.Notiz zu #a0021img).
Jägerzaunartige und andere Abgrenzungen, auch als Chiffren für Temene, sind nicht ungewöhnlich; sie dienen ua dazu, den Eindruck von Räumlichkeit zu erwecken, zB #a0214img, #a0520img, #a0610img, #a0647img, #a0753img.
(**) Die von Hefner (mit zusätzlich falscher Tf.angabe) auf S.47 angegebene Ref. RG 18 bezieht sich auf Geta, nicht auf J.Domna; die im Text beschriebene Rs. (für Septimius Severus: #a0993img) gibt es für Domna in RG nicht. Der Zusammenhang mit dem "Tempel des Janus Quadrifrons" (Hefner ebda.: I,2,2,G.a. bzw. ...b.) erschließt sich mir nicht.

Literatur:

Amandry, M. u. Remy, B.: Les Monnaies de l'Atelier de Sebastopolis du Pont, Varia Antolica X, Paris 1998
Dalaison, J./ Remy, B.: Les divinité d'origine indigène et iranienne sur le monnayage des cités du Pont..., Revue numismatique 170 (2013), S.29-60

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2020-03-07 01:23:30