Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Nemausus (Imperium)
a0096 - Gallienus
GALLIENUS PF AUG
Büste mit Krone links
DEO MARTI
Tempel, 4-s., Mars
Antonian | 20 mm | 2.53 g | 6 h C 150, RIC 10
4-säuliger Tempel mit Dreiecksgiebel auf strichförmiger Basis, darin Mars mit Helm, Lanze und Schild.

Nach Hefner (S.43) werden 'reale' Tempel von quadratischem oder rechteckigen Grundriß mit insgesamt vier Säulen (dh mit einem vorderen und einem rückwärtigen Säulenpaar) in der Gestalt von tetrastylen Fronten gezeigt; aus einem in der Frontalansicht strenggenommen 2-säuligen mache der Stempelschneider also einen (sog.) 4-säuligen Bau. Diese Wandlung werde ua dadurch erreicht, daß das hintere Säulenpaar nach vorn in eine Ebene zwischen die frontalen Säulen geschoben ("geklappt" ?) werde; als Folge kämen sehr eng stehende Säulenpaare zustande, deren Basen durch die Enge zu einer gemeinsamen Basis des jeweiligen Säulenpaares verschmölzen.

Macht man sich diese Vorstellung zu eigen, folgt daraus zwingend, daß dann auch das rückwärtige Gebälk nach vorn gebracht werden muß, logischerweise in das vordere Dreieck eingepaßt; entsprechend muß dann das gesamte Gebälk im Münzbild zweilagig sein, indem die äußeren Giebelschrägen mit den äußeren Säulen, die inneren Schrägen mit dem inneren Säulenpaar korrespondieren.
Exakt so verhält es sich tatsächlich bei seinem Beispiel (S.43,"I,2,2T", Valerianus, RIC 5). Eine solche Darstellung ist aber sonst sehr selten, meist sind die Hauptkriterien (s.o.) nur teilweise zu erkennen. Die vorliegende Prägung (*) weist diese Kriterien, ebenso wie eine Reihe weiterer vergleichbarer Münzen (zB #a0100img, #a0140img, #a0165img, #a0906img) nur rudimentär auf, ua sind Giebelschrägen und Architrav nur einlagig, letzterer ist sogar ungewöhnlich schmächtig. Ursache dafür mag mangelndes handwerkliches Geschick (insbesondere im Falle der Prägungen der späteren Zeit) sein, aber auch der abgegriffene Zustand vieler Stücke verführt zu Fehlschlüssen: meist wird die (angebliche) Verschmelzung der Säulenbasen eines Paares zu einem durchgehenden "Wulst" sehr oft durch Abrieb und nicht durch Absicht entstanden sein (**); alle oben angeführten Beispiele aus dieser Sammlung (Neokorie-Tempel in Pergamon) lassen diese 'Verschmelzung' vermissen.

Ergänzend sei angemerkt, daß ein 'falscher' 4-säuliger Tempel mit Dreiecksgiebel (wie hier diskutiert) notwendig ein Satteldach tragen muß; ein Pyramidendach auf vier Säulen (zB #a0583img, #a0917img) kann nicht in dieser Weise dargestellt (und erklärt) werden, ein Tonnendach braucht einen Rundgiebel (zB #a0584img, #a0660img).

Es bleibt die Frage, warum man sich in den alten Zeiten Gedanken darüber gemacht haben sollte, eine für jeden Zeitgenossen sichtbare 2-säulige in eine 4-säulige Front zu verwandeln (ohne beiliegende schriftliche Erklärung wie oben). Warum schneidet der Graveur einen Tetrastylos, wo er doch technisch einfacher und dazu bei leichterer Wiedererkennbarkeit einen Distylos ins Bild setzen konnte ?

Die oben dargelegte Methode wendet Hefner (S.49) auch auf 6-säulige Tempel an (ua zum Denar Augustus RIC 64, nicht in dieser Sammlung): "Die mittleren und hinteren Säulen sind nach vorne geklappt. Ihre Basen sind teilweise miteinander verbunden und geben so die Seiten des Tempels wieder (dazu seine Anm.106: "Richtig müsste es 'dreisäulig' heißen")." Unter ca. 30 mir vorliegenden Abb. sind alle Basen absolut isoliert geschnitten. Was bedeutet hier 'dreisäulig' ? Warum sollte ein als Hexastylos bezeugter Tempel eigentlich, wenn ich alles richtig verstanden habe, ein Distylos (mit je zwei Säulen an den Seiten) sein?


Als Fazit der Diskussion, ausschließlich auf die klassischen Tempelfronten mit vier (und in einigen Fällen mit zwei) Säulen bezogen (***), ist mE festzuhalten:
- Fronten mit paarweise eng zusammenstehenden seitlichen Säulen sollten weiterhin in der Regel traditionell gedeutet werden, nämlich: Raumgewinn für das Kultobjekt (jeglicher Art) im mittleren Interkolumnium. Soweit ich sehe gibt es keine Abbildung eines Tetrastylos ohne Kultobjekt mit nennenswertem Unterschied der Jochbreite.
- 'falsche' Tetrastyloi mit Dreiecksgiebel und mit viereckigem Grundriß können das Bild eines in der Realität frei stehenden Tempels mit Satteldach abgeben; oft perspektivisch gezeichnet (zB Alexandria, #a0884img). Darstellungen von Tetrastyloi mit Bogengiebel (Bogen in ganzer Breite des Epistyls), also mit Tonnendach, sind äußerst selten (zB #a0502img?).
- 'falsche' Tetrastyloi mit viereckigem Grundriß und ohne Giebel, dh mit Pyramiden- oder Zeltdach (gelegentlich auch mit Kuppel oder Kegeldach, zB #a0798img, #a0875img oder #a0591img, #a0661img), sind fast immer durch einen mehr oder weniger gelungenen Versuch einer perspektivischen Darstellung zu erkennen (zB #a0583img
- Zweisäuler mit Satteldach repräsentieren vermutlich meist den Vorbau eines nicht frei stehenden Monuments im Sinne einer Aedikula; einige Distyloi mit Bogengiebel (s.o., nur Bögen mit Architrav) kommen vor (Alexandria, #a0084img, RPC 5460; Augusta Traiana, #a0584img). Bilder von Distyloi mit Pyramiden- oder Kuppeldach wurden - logischerweise - nicht geprägt.



(*) von Hefner dennoch als real 2-säuliger Tempel verstanden, ebenso wie zB #a0165img, #a0672img.
(**) Ähnlich verhält es sich mit kannelierten Säulen, die viel häufiger geschnitten wurden als wir heute infolge des Abriebs sehen.
(***) die Tempelfronten mit 'syrischem Giebel' kennt Hefner offenbar nicht !

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23