Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Rom (Imperium)
a0109 - Traianus
IMP CAES NERVAE TRAIANO AUG GER DAC PMTRP COS V PP
Kopf belorbeert rechts
SPQR OPTIMO PRIN - CIPI - SC
Brücke
Sesterz | 33 mm | 23.84 g | 6 h C 542, RIC 569
Einbogige (Holz-) Brücke mit einem entfernten Brückenturm links und einem vorderen mit rundbogigem Eingang rechts, auf beiden Türmen eine Gruppe von 3 Statuen (zB Trophäe, Hercules, Adler; so Hill, S.86; aber auch andere Identifizierungen). Zum vorderen Turmtor führt eine dreistufige Treppe. Der hintere Turm steht auf einem Pfeiler (Widerlager für den Brückenbogen), auf dem in einer Art perspektivischer Sicht die Unterseite der Brücke gezeigt wird (bes. deutlich ua #k2654). Auf gut erhaltenen Münzen sind die quer zur Brücke liegenden Bohlen leicht erkennbar. Die Brücke selbst besteht aus dem unteren Bogen, der den Gehweg trägt, durch 7 (Dupondius: 5) senkrechte Streben mit der Tragekonstruktion, dem 2. 'Bogen', verbunden. Der 3. 'Bogen', wohl nur scheinbar durch ebensolche Streben mit dem 'mittleren Bogen' verbunden, stellt mE die andere, vom rechten Tor aus gesehen rechte Seite der Brücke dar (so auch zB Belloni, S.37: "si tratta delle due sponde"; Prinzip "above instead of behind", dazu s. Notiz zu #a0104img); er überschneidet fälschlich den hinteren Torturm (vgl. ähnlich ungeschickte Darstellung einer Mauer mit Türmen, Denar Considia, s. Notiz zu #a0994img).
Das Bild wird durch einen spiegelbildlich verlaufenden Bogen von Wellen (Kette oder Tau ??), auf denen ein Nachen dümpelt, abgerundet - eine beeindruckend in das Münzrund eingepaßte (fast idyllische) Szene.

Das Münzbild vereint verschiedene Blickwinkel: der rechte Torturm ist über Eck nach vorn gedreht und wendet dadurch dem Betrachter seine Frontseite zu; gleichzeitig wird die Brücke von unten betrachtet mit Blick auf einen Teil der Unterkonstruktion des Gehwegs; weiters wird, wie häufig, ein rückwärtig gelegener Abschnitt oben aufgesetzt (s.o.); und letztlich wird der Gesamtkomplex auch teilweise aus schräger Vogelperspektive gesehen.

Vgl. Dupondius mit nahezu identischer Darstellung (#a0630img).

Weitere Brücken auf Münzen: zB Ake-Ptolemais (Sofaer 218, Tor?), Alexandria/Troas (#a0666img), Antiochia/Kar. (#a0638img), Buthrotum (Price/Trell Abb.80, Aquaedukt?), Constantinopel (#a0517img), Hadrianopolis/Thrak. (2 Varianten: #k3905, #k9411, #k7013 = CNG e277.105), Dorylaion (vAulock/Phryg. II.241), Mopsos (#a0636img, #a0648img); Rom: ua Septimius Severus, As (#a0911img), diverse Medaillons (s. Notiz zu #a0728img) und die raren Denare unter Augustus ("munitae", zB ).

Insbesondere die oben angedeutete Interpretation des Brückenbogens mag anfechtbar erscheinen; in der Literatur wird dagegen überwiegend von einer 'gedeckten' zweigeschossigen oder doppelstöckigen (ua Küthmann/Overbeck, S.63f bis ins Jahr 2017: Auktion Lanz 164.171) Brücke gesprochen. Was aber bedeutet 'gedeckt' (dh wo ist das Dach?)? Inwiefern und wozu, in der Antike völlig unüblich, sollen zwei Etagen dargestellt sein? Davon abgesehen wäre zu erwarten, daß ein solcher Brückentypus auch andernorts im Bild erscheinen würde, das ist mW nicht der Fall. Andere Brücken auf Münzen (vgl.dazu #a0911img, As für Septimius Severus: Verdeutlichung durch Darstellung von Personen zwischen den Bögen bzw. #a0638img Antiochia: Torbau zwischen den Geländern) sind allesamt mit einfachen Geländern abgebildet. (*)

Die Konstruktion ist typisch für eine Holzbrücke, allenfalls mit steinernen Tortürmen und Brückenpfeilern. M.E. kann mit dieser Darstellung nicht, auch nicht symbolhaft (s.u.), die immer wieder bemühte "Donaubrücke" dargestellt sein. Die von Trajan nach 103 n.Chr. über die Donau (bei Drobeta) gebaute Brücke, wie sie auf der Trajanssäule abgebildet ist, zeigt auf 20 Steinpfeilern den Fahrweg - im Münzbild nicht einmal angedeutet - als hölzerne und fast waagerechte Balkenstruktur, die von flachen und eher unscheinbaren Segmentbögen aus Holz 'gestützt' wird.
Andere im Rahmen von schnellen militärischen Aktionen errichtete Übergänge waren natürlich meist Pontonbrücken und werden ganz sachgerecht auch als solche dargestellt (auf Münzen ua KHM Wien 12186; s. Estiot, mehrere Abb.). Ebenso wurden in toto steinerne Brücken selbstverständlich auch als solche ins Bild gesetzt. Die Ansicht, die vom Stempelschneider gewählte Gestalt der Brücke sei für die Darstellung der Donaubrücke schlüssig (**), erscheint mir deshalb angesichts mehrerer 'naturgetreuer' Gegenbeispiele (zB #a0636img, #a0638img, #a0648img, verschiedene Medaillons) nicht schlüssig. Außerdem kann es sich nur um eine 'Fußgängerbrücke' gehandelt haben, ansonsten die bei allen Varianten vorhandenen Treppenstufen unsinnig wären; auch angesichts der insgesamt auffällig realistischen Darstellungen auf anderen trajanischen (***) Architekturmünzen, die im übrigen ausschließlich (!) stadtrömische Bauten wiedergeben, können die Stufen nicht anders gedeutet werden. Dieses wäre ein Argument für die häufige Annahme, daß es sich um eine Reminiszenz an den Pons sublicius (i.e. "Brücke mit (Holz-) Pfählen unter Wasser") handeln könnte, der immer und gänzlich nach einem Orakelspruch aus Holz gebaut werden mußte (und auch immer hölzern war), jedoch nicht ausdrücklich als Fußgängerbrücke überliefert ist.
Nicht zuletzt vermittelt die Bildkomposition einen friedlichen, keineswegs einen imposanten militärischen Eindruck. Selbst das strömende Wasser bleibt unbeachtet (vgl. #a0638img). Wäre die Donau gemeint, nähme sich der Künstler damit selbst die Möglichkeit, mit der Großartigkeit des gefährlichen Brückenschlags auch die Großartigkeit des Kaisers zu zeigen. Da das Münzbild keinerlei Hinweise auf die besondere technische Herausforderung des Brückenschlags über die Donau aufweist, scheint mir auch die Meinung, die Münze feiere den Sieg des Menschen über die Natur (Kleiner, 1991), nicht passend.


Sollte es sich tatsächlich um eine Tiberbrücke in Rom (zZt Trajans wohl insges. 6) handeln, kann sie nur erheblich verkürzt (ein Bogen als pars pro toto) dargestellt sein, weil trotz der geringen Breite des Tibers der Brückenschlag in einem Bogen nicht möglich war (der pons Fabricius hatte zwei Bögen à 24,50 m Spannweite). Angesichts der technischen Möglichkeiten wurden größere Spannweiten nur in exzeptionellen Fällen angestrebt und auch verwirklicht (zB Cendere, Alcantara mit 30 m, die Kuppel des Pantheon als Maximum überspannte ca. 40 m, Holzkonstruktionen kamen sicher auch nicht auf größere Spannweiten). Ich neige zu dieser Ansicht (verkürzt dargestellte Tiberbrücke), weil die Abbildung einer kleineren, eher wenig wichtigen Brücke (****) vermutlich nicht die Aufmerksamkeit, die zu einer Münzprägung führt, geweckt hätte. Einer gelegentlich vertretenen rein symbolischen Interpretation (*****) kann man nicht folgen, da Bilder von Brücken in der Ikonographie der Münzen bis zu Trajan nicht wirklich präsent sind und deshalb wohl eine lesbare Erklärung (zB in der Umschrift) erfordert hätten; außerdem gibt es keinen belegbaren Hinweis auf das, was die Brücke denn symbolisieren sollte (vermutungsweise ua: die allgemeine Bautätigkeit Trajans, so zB Marzano, S.137 m.Lit.).
Literaturzitate zu "Deutungen bztw. Verortungen" : K.Martin, S.153f.

Brücke und Trajanssäule sind die am häufigsten aufgelegten Architekturmotive unter Trajan, sicherlich deshalb auch über Rom hinaus verbreitet. Ua auf die weite Verbreitung der Fundmünzen mit dem Bild 'Brücke' stützt Elkins (2011, S.650) seine Annahme, daß der Prägeanlaß die überregional zu verbreitende Botschaft vom Sieg über die Daker gewesen sei. Es ist aber zu fragen, ob dann nicht eine erklärende Legende zu erwarten wäre und ob der Erfolg im Krieg nicht eher zB durch einen Triumphbogen ins Bild gesetzt worden wäre.

Nicht nur ist die Interpretation insgesamt strittig, auch für die Einzelaspekte (s. beachtenswerte Übersicht von K.Martin, S.150) gibt es teils mehrere Erklärungsversuche. Beispielhaft sei der Wellenbogen (?) unter der Brücke angeführt: dabei könne es sich auch um eine Kette handeln, an der sich der Fährmann mittels des rechts am Boot erkennbaren Hakens entlang hangelt (so Hefner, S.170 Anm.300; sog. Seilfähre ? Warum ein Fährkahn in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Brücke? ******); es könne auch das Ufer (von Pfeiler zu Pfeiler ??) repräsentieren (s. Literaturliste: Schörner, S.112; zuletzt Gazdac, S.102 *******) uam.

Es scheint so, daß die Stempelschneider dieses Motivs gelegentlich in der numismatischen Literatur ungerecht beurteilt werden - die immer wieder vorgebrachte 'Donaubrückentheorie' verkennt angesichts der detailreichen Darstellung die Tatsache, daß die Graveure durchaus in der Lage waren, die Brücke wirklichkeitsnah (s. Trajanssäule!) darzustellen. Dabei steht es weniger zur Debatte, ob die (letztlich wohl nicht sicher zu identifizierende) Brücke realistisch gezeichnet ist oder nicht; dem antiken Zeitgenossen muß angesichts der diversen individuellen Einzelheiten jedenfalls klar gewesen sein, welcher Bau in oder um Rom gemeint war.

Abschließend möchte man sich gern, auch auf andere fragliche Darstellungen bezogen, dem Resumee von Liegle (S.214) anschließen, es sei generell "kein entscheidender Gegengrund" gegen eine Interpretation, wenn man "auf Identifizierung und literarische Bestätigung verzichten muß" (s.Notiz zu #a0011img) - insbesondere deshalb, weil schriftliche Überlieferungen in der Regel nicht kontemporär zustande gekommen sind (s. Kemmers, 2011).

(*) Ganz unzutreffend ist die Deutung als gedeckte Brücke im Falle des As unter Septimius Severus (s.Notiz zu #a0911img).
(**) Eine realitätsnähere Abbildung "would have appeared as an unimpressive thin line across the center of the flan" (Gazdac, S.102) - ein schwaches Argument: dem Stempelschneider des im gleichen Zeitraum geprägten Sesterzen mit dem Bild des Circus Maximus (ca 760 m gegen ca 1050 m der Donaubrücke) gelingt es offenbar, den Bau mit vielen Einzelheiten in toto abzubilden.
(***) im kaiserzeitlichen Rom wurden überhaupt nur stadtrömische (incl. Ostia) Bauwerke auf Münzen wiedergegeben.
(****) "gedeckte Brücke für den Fußverkehr" außerhalb der Stadt (Liegle, S.214).
(*****) zB Tameanko, S.206: "symbol to represent the...bridges built over the Danube river"; so auch zB Bianchi, S.84f und von nicht numismatischer Seite zB Griggs).
(******) Eher verständlich, wenn ein Lastkahn ('Caudicaria') gemeint ist (K.Martin, S.149-151).
(*******) Ebda.: Das Boot verhelfe einem unbedarften Zeitgenossen dazu, das Bauwerk als Brücke zu erkennen ("recognize the structure as a bridge")...

Lit.:
Belloni, G.: Le monete di Traiano. Catalogo del Civico Gabinetto Numismatico, Mailand 1973
Estiot, S.: De l'or pour quels braves? Le type monétaire de la "Traversée de l'empereur" et la logistique fluviale et maritime des campagnes militaires impériales, in (ed.) Reddé, M. et al.: De l'or pour quels braves! Soldes, armées et circulation monétaire dans le monde romain, Actes de la table ronde 2013, Ausonius Scripta Antiqua 69, Bordeaux 2014, S.243-280, Abb. i.T.
Griggs, F.E.: Trajan's Bridge: The World's First Long-Span Wooden Bridge, Civil engineering practice; journal of the Boston Society of Civil Engineers Section, 2007, S. 19-50 (nicht numismatisch, detailreicher Überblick über Rekonstruktionsvorschläge)
Kemmers, F.: Rethinking Numismatics, Archaeological Dialogues 18 (2011), S. 87-108
Serban, M.: Trajan's Bridge over the Danube, The International Journal of Nautical Archaeology 38 (2009), S.331-342 (nicht numismatisch)

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2018-10-08 11:09:41