Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
# Kgr. (Bosporos)
a0120 - Rheskouporis II
↺ ΤΙΒΕΡΙΟⵎ ΙΟΥ - ΛΙΟⵎ ΒΑⵎΙΛΕѴⵎ - ΡΗⵎΚΟѴΠΟΡΙⵎ
König tritt Gefangenen, Trophäe
Μ Η
Stadtmauer, Stadttor, Reiterstandbild
AE | 26 mm | 13.24 g | 6 h RPC II.474.1, Frolova Tf.III.24, Anochin 381
Teil der Stadtmauer mit Turm (3 Zinnen) und Torbogen, auf dessen Scheitel eine Reiterstatue auf eigener flacher Basis nach links. Am Turmgrund die Buchstaben "MH" (!) (Wertzeichen 48).
Vs. der König mit linkem Fuß auf knieendem Gefangenen, rechts daneben Trophäe. Im Rücken des Königs ein nach links knieender Gefangener mit auf dem Rücken gebunden Händen.

RPC u. Frolova beschreiben im Text "MH", die entsprechenden Abb. weisen jedoch, wie Slg. Niggeler Nr.583, "HM" auf.
Frolova III.21-23 und Zograph Tf.47.3, zeigen Turm rechts und Bogen links, "MH" i.F. links.
Ref.Vs.stempelgleich, alle abgebildeten Rs. von anderen Stempeln (ua. "HM").
(RPC 474.2) = Price, NC 131 (1971), Tf.24.1 = Niggeler 583.

Das Rs.Motiv ist dem des augusteischen Denars (C 543, RIC 362, #k08079) frappierend ähnlich (*). Dementsprechend kann man sich die Reiterstatue wohl, wie bekannt, als vor (oder hinter) dem Tor befindlich vorstellen, jedenfalls ist die Plazierung auf dem Bogenscheitel bautechnisch nicht machbar (gewesen). Der Stempelschneider nutzte die Konvention, andernorts befindliche Bauten über (oder neben) das 'vordergründige' Monument zu setzen. Möglicherweise kam es generell zu diesem 'Kunstgriff' dadurch, daß eine überschneidende Darstellung von hintereinander aufgestellten Ebenen (so der Denar) ungleich schwieriger ist als die Abbildung mehrerer Monumente nebeneinander in einer Ebene (so das vorliegende Stück).
Price (S.122) allerdings hält es für möglich, daß Reitersmann und Bogen Teil einer architektonischen Einheit ("single architectural unit") sind; der Bau sei möglicherweise im Sinne eines Triumphbogens vom König angeordnet, vom Künstler jedoch unglücklich umgesetzt worden ("...the artist was not fully aware of its composition"). Das scheint mir allerdings angesichts der sorgfältigen (zB versetzte Quadern) Arbeit schlecht vorstellbar.

Beide Münzseiten sollen wohl, gewissermaßen mit 'hochpolitischer' Absicht, als Siegesdokumente und sicher auch als Abschreckung gegenüber den Römern zu verstehen sein (so Price, S.121f: "...was no doubt intended to impress the Romans at a time when the annexation of the area was a definite possibility").

(*) Jedoch ist nur das Bild 'kopiert', nicht dagegen die Botschaft: der Denar preist nämlich die (Straßen- und Wege-) Bautätigkeit des Kaisers, während die Bronze eine Unterwerfungsszene zeigt.

Literatur:

Frolova, N.A.: The Coinage of the Kingdom of Bosporus, BAR Int.56, Oxford 1979
Price, M.J.: Greek Imperial Coins, some recent acquisitions by the British Museum, NC 131 (1971), S.122-134, Tf. 24-26
Zograph, A.N.: Ancient Coinage II. The Ancient Coins of the Northern Sea Littoral, BAR Supp. 33(II), Oxford 1977

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2018-01-17 22:50:18