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im Detail
Rom (Imperium)
a0131 - Augustus
Kopf rechts
IMP CAESAR
Curia, (sonstige Monumente)
Denar | 19 mm | 2.97 g | 7 h C 122, RIC 37, BMC 631
Säulenvorhalle (oder -umgang) von 4 ionischen Säulen mit durchgehendem Epistyl auf hohem Sockel. Dahinter (also von dem Portikus überschnitten) ein doppelstöckiger Bau mit zweiflügeliger und beschlagener Eingangstür, über dieser ein durch 2 senkrechte Balken in drei Teile geteiltes Fenster. Ein sehr hoher Hauptsims trägt die Inschrift "IMP CAESAR" (vgl. zu diesem Stilmittel Notiz zu #a0272img), darüber Dreiecksgiebel mit dreigeteilten Schrägen, gekrönt von einer übergroßen Victoria auf Globus. Im Giebelfeld Sitzfigur zwischen Vögeln (Gänse?), anstelle der Eckakrotere jeweils ebenfalls unproportional große Lanzenträger, auf den Giebelschrägen senkrechter Strichdekor.

Daß architektonische Einzelheiten eines Gebäudes (von ca. 18x20 m in der Front) auf einer Münze von 17 mm Durchmesser nur sehr verkürzt dargestellt werden können, ist klar. Umso mehr erstaunen die doch erkennbaren Einzelheiten, ohne daß zB die am heutigen Bau vorhandenen drei Fenster über dem Eingang mit denen der Münze identisch sein müssen, zumal der Bau nach einem Brand unter Diokletian von Grund auf neu errichtet wurde. Der auf der Münze erkennbare Portikus (Hill, S.44: "...verandah...(not a colonnade)...") ist in natura nicht mehr vorhanden.

In der Stadtgeschichte wurde die Curia, als Haus des Senats eines der wichtigsten Gebäude Roms, mehrfach wiedererrichtet oder renoviert. Die von Caesar begonnene Erneuerung wurde durch seinen Tod unterbrochen und erst 29 v.Chr. unter Augustus zum Ende gebracht und in Erinnerung an Caesar und seine Familie "Curia Julia" genannt.
Die Statue der Victoria (auf Globus) mag an den Sieg in Actium erinnern (so Fuchs, S.42f), Augustus hatte sie im Rücken der Konsulnsitze aufstellen lassen. Es ist durchaus denkbar, daß der Stempelschneider die eigentlich im Innern befindliche Figur auf den First gesetzt hat, um sie sichtbar zu machen.

Von Prayon (S.320, s.Notiz zu #a0011img) zu den "projektierten Bauten" gezählt.

Die Rs. ist auf einem Denar unter Juba II wohl als Tempel umgedeutet worden, indem die Aufschrift "IMP CAESAR" durch "AUGUSTI" ersetzt wurde (zB Mazard 144 ua, Alexandropoulos Tf.8, F1). Das Münzbild wird demnach zu Ehren von Augustus geprägt sein, wohl ganz im Gegensatz zu einer Bronze des Rhoemetalkes II (s. Notiz zu #a0120img, Zitat Price).
Elkins (2015, ua S.157 und S.162) stützt auf diese mauretanische Prägung (*) und auf wenige andere Beispiele die Ansicht, daß die provinzielle Münzprägung in erheblichem Umfang auf die stadtrömischen Architektur-Prägungen zurückzuführen sei (s. dagegen Notiz zu #a1075img). Dieses Stück ist zwar offensichtlich bis ins Detail kopiert, bleibt aber ebenso wie die von Elkins beigezogenen Prägungen aus Alexandria und Caralis/ Sardinien, aus welchen Gründen auch immer, ohne jede Breitenwirkung in der jeweiligen Region (**).

Andere nicht dezidiert sakrale Bauten aus Rom haben ebenfalls im ersten Jhdt. eher keine unmittelbare (dh auch keine zeitnahe) Wirkung in der Provinz hinterlassen (***). Weder die frühen noch die etwas späteren stadtrömischen Bauten sind als solche Vorgänger anzusehen, die strukturell oder stilistisch mit ähnlichen Lokalprägungen nahe verwandt sein könnten (****).

(*) Die Frage, warum genau dieses Vorbild gewählt wurde (und damit auch die Frage nach dem spezifischen Zweck dieser Prägung in Nordafrika), wird nicht gestellt.
(**) Aus der Regierungszeit des Augustus: Alexandria (s.Notiz zu #a0170img) und Caralis (RPC I.624). Nur das Monument ist kopiert; die 'Botschaft' des mauretanischen Baus, dessen reale Existenz doch höchst fraglich ist, hat sich klar gewandelt. Ebensowenig hatten auch die tetrastylen Prägungen der judäischen Könige hinsichtlich der Münzprägung irgendeinen bestimmenden Einfluß (s.Notiz zu #a0439img).
(***) zB #a0994img, #a0267img und #a1059img, #a0744img, das castrum praetor., eintorige Triumphbögen.
(****) Panormus #a0710img, Poseidonia/ Paestum #a0180img, Buthrotum RPC I.1381, Nikaia #a0662img bzw. Hafen #a0861img, Macellum #a0276img, Kolosseum bis zur trajanischen Brücke #a0109img, Circus #a0678img, Aqua #a1075img, Säule #a0185img und #a0290img. Entfernt erinnern vielleicht der Denar Aemilia (#a0728img) an Buthrotum, oder auch die Triumphbögen der Straßenbau-Denare des Augustus an die Bögen auf den Brücken von Antiochia und Mopsos; allerdings sprechen die Zeitabstände der Präungen gegen eine direkte Abhängigkeit, zumal Brücken, Aquaedukte und auch Triumphbögen im Prinzip jeweils wesensmäßig gleichartig sind und eben auch im Münzbild ähnlich erscheinen müssen (im Gegensatz zB zu der einzigartigen 'Curia Julia').

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Zuletzt geändert am: 2019-03-20 16:16:35