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Laodikea ad mare/ Laodicea (Seleukis u. Pieria)
a0190 - Elagabalus
(IMP C M AUR) - ANTONINUS
Kopf belorbeert rechts
LADI - (CEON)
Bogen [Tempel, 2-s.],
Tyche Büste
AE | 16 mm | 4.09 g | 12 h (BMC 100v)
2-säuliger Schrein mit korinthischen Kapitellen, gedrehten Säulen, darüber Rundbogen auf einstufigem Fundament, Variante (#a0639img) ohne, (#a0454img) mit zweistufigem Fundament. Darin jeweils Tychebüste, unterschiedlich drapiert, mit verschiedenen Mauerkronen nach rechts.

Das Rs.Bild gehört als kleineres Nominal in eine Gruppe von ähnlichen Prägungen in Laodikea, welche zweisäulige Schreine mit Rundbögen ohne oder mit darüber liegendem Spitzgiebel darstellen, vermutlich ein Satteldach über Tonnengewölbe (zB Commodus: SNG Cop 358, BMC 78); unter Septimius Severus scheint nur die Variante mit Spitzgiebel und mit dem Brustbild der Julia Domna geprägt worden zu sein (Meyer Tf. 7f, BMC 81). Im Innern sind fast ausschließlich Büsten von Tyche, unter Septimius an deren Stelle Julia Domna, andernorts zB auch Athena plaziert (*). Die einzeln abgebildeten und gewissermaßen als Rahmen für das Kultobjekt dienenden distylen Bögen ruhen überall (**) nahezu regelmäßig auf gedrehten Säulenschäften, welche ganz typisch auch für mehrsäulige Tempel mit sog. Syrischen Giebel/ Bogen sind (***).
In der Region sind zweisäulige Bögen (mit Brustbildern) bzw. die Kultbilder selbst manchmal auch mit Tragebarren versehen (allein in der vorliegenden Sammlung zB #a0589img Tripolis, #a0671img Paltos: nur der 'Thron', #a0724img Heliopolis, #a0859img Tyros); viele Prägungen zeigen auch ein zweites Säulenpaar, bleiben aber in der Frontalsicht Distyloi im Wortsinn (s. Notiz zu #a0682img). Daß dieselben tragbaren Schreine durchaus mit und ohne Haltegriffe vorgestellt werden, ist an dem vergleichbaren Tyche-Schrein aus Antiochia - mit Tragegriffen und (selten) ohne (#a0017img und SNG München 775) - zu sehen. Auf das Charakteristikum 'Tragegriffe' kann verzichtet werden, wenn die Darstellung dem potentiellen Betrachter unmittelbar einleuchtend ist; das ist dem Verzicht auf die Attribute von Podiums-Tempeln gleich, wenn eben nur solche, lokal oder regional, bekannt waren.

Elkins (S.164f, S.136 und passim) sieht in den o.a. Prägungen des Commodus bzw. des Septimius Severus die Vorläufer für Miliarenses (zB C 73f, RIC 182), die etwa 150 Jahre später in Antiochia ausgegeben wurden. Sie zeigen den Kaiser Constantius II und Constantius Gallus Caesar in militärischer Kleidung unter einem distylen Bogen mit gedrehten Säulen stehend einander zugewandt. Elkins stützt seine Meinung auf die Ähnlichkeit der Prägungen (S. 164: "Note the exactitude of the architecture") unter mehrfacher Betonung der tordierten Säulen, sowie auf die Nachbarschaft der beiden Münzorte (S.164: "Laodicea's coinage would have been familiar to die-cutters in Antiochia.."). Weitere belastbare Argumente sind wohl nicht vorhanden.
Aber auch in diesem Fall (s. Notizen zu #a1075img, #a0643img, #a0131img) ist die spezifische enge Verbindung der Prägeorte zu hinterfragen. Die beiderseitige Verwendung von gedrehten Säulen ist der Erwähnung nicht wert, unter Bögen wurden ubiquitär fast nur solcherart Säulen abgebildet (s.o.). Wohl aber besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was kultische Brustbilder (auch J.Domna) und dem, was Bilder von lebenden Personen vermitteln sollen. Angesichts einiger Prägungen von tragbaren Schreinen (mit Kultobjekten) kann man sich die Bronzen aus Laodikea leicht derart vorstellen - nicht aber die Stücke aus Antiochia. Gegen die postulierte Vorbildfunktion der Stücke aus Laodikea sprechen darüberhinaus diejenigen Bogendarstellungen, die in engerer zeitlicher und in ähnlicher geographischer Nähe geprägt wurden (****) - alle hätten ebenso mehr oder weniger auf die Münzprägung in Antiochia wirken können.
Davon unabhängig ist Elkins (zB S.140) darin zuzustimmen, daß auch die von ihm hervorgehobenen Münzbilder aus Laodikea und Antiochia 'symbolisch' zu verstehen sind und keinen Bezug zu einem definierten Monument besitzen. Das allerdings ist keine Besonderheit und trifft auf die große Mehrzahl der distylen 'Tempel' zu. Die symbolische Deutung setzt voraus, daß das Münzbild nicht einen tragbaren Schrein meint; es könnte dann tatsächlich einem real existierenden Objekt entsprechen. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, daß in Epiphania neben dem Tyche-Schrein mit vier Säulen #a0875img (im Münzbild ein 'Pseudo-Tetrastylos') auch ein einfacher Bogen mit Tyche (SNG Hunter 2382) produziert wurde, der ein (symbolisierter) Ausschnitt aus der 'Frontseite' des Schreins sein könnte.

(*) Gabala, BMC 10 (auch ohne Bogen:; nur Giebelschrägen ohne Architrav: SNG Hunter 3235).
(**) Von Kassandreia/ Mak. bis Zeugma. In Syrien und angrenzenden Regionen, allein in dieser Sammlung: zB #a0005imgund #a0681img Seleukia, #a0462img Nikopolis, #a0499img Damaskos.
(***) Die Spiralen sind häufig wegen abgegriffener Oberflächen auf Anhieb nicht erkennbar; so schon Donaldson, zu XVII).
(****) Sogar aus Antiochia selbst: zB Aureus des Diokletian. Seleukis und Pieria: zB Nikopolis (#a0462img), Epiphania (s.o.).

Literatur:

Meyer, E.: Die Bronzeprägung von Laodikaia in Syrien 194-217, JNG 37/38 (1987/88), S.57-92, Tf.7-18

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Zuletzt geändert am: 2019-07-11 17:10:37