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Neapolis (Samaria)
a0306 - Volusianus
ΑΥΤ ΚΑΙϹ Γ ΟΥΙ ΤΡЄΒΟΝ...
Büste belorbeert rechts
ΦΛ•ΝЄΑϹ - ΠΟΛЄѠϹ
Tempelbezirk (Tempel, diagonal links) auf Garizim, [Tempelmodell], Adler
AE | 25 mm | 10.21 g | 6 h RPC temp 2136.1-23, (Mionnet V.511.142), (BMC 160), MFA 1986.237v
Zwei voneinander durch ein Joch (Sattel) getrennte Gipfel des Garizim, dessen felsige Topographie sehr deutlich gemacht wird. Auf dem vorderen und etwas niedrigeren Gipfel steht auf hoher und breiter Plattform in Übereck-Ansicht mit Front nach links ein 4-säuliger Tempel (insges. 7 Säulen unterscheidbar), zu dem eine vielstufige Treppe aufwärts führt. Auf dem rechten etwas höheren und weiter rückwärts gelegenen Gipfel ist eine schmale Plattform mit einem Altar (evtl. mit brennendem Feuer) auszumachen. Auch hierhin führt, vom Sattel aus dem Rücken des vorderen Gipfels kommend, eine leicht nach rechts geneigte Treppe. Am Fuß des Berges eine Kolonnade in ganzer Breite. Dieser Komplex nimmt wenig mehr als die Hälfte der Münzrückseite ein. Er wird an den äußeren unteren Enden von den Spitzen der ausgebreiteten Flügel eines Adlers getragen.

RPC temp 2136.12 Rs. stempelgleich.
Seitenverkehrte Rs. für Philippus I (#k5467).

Eine der ganz wenigen Tempeldarstellungen 'über Eck' im vorderen Orient, weit überwiegend finden sich Tempelfronten.

Auf größeren Münzen (Antoninus Pius #k3207) sind zusätzlich ein Fahrweg (?) zwischen den Gipfeln, ein Tor zur Treppe in der Kolonnade und kleine Tempel (?) neben der Treppe zu sehen. Eine seltene und sehr interessante Variante (#k9521, Rosenberger 31?) bildet ua bei 5 Uhr das Teilstück einer Mauer (Verlauf in Richtung ein Uhr) mit Tor und zwei Türmen im Sinne eines Panoramas ab. Bei diesen mit mehr Einzelheiten versehenen Abbildungen kommt die Deutung im Sinne eines Modells natürlich nicht in Frage (s.u.).

In gleicher Manier (#a0338img), jedoch anstelle des Adlers eine Nike mit ausgebreiteten Armen (#a0342img). Bei der letzteren Variante könnte man sich leicht vorstellen, daß diese Münzen eher ein (tragbares) im Rahmen von Kulthandlungen verwendetes Modell des Heiligtums abbilden - ähnlich den tragbaren Schreinen (vgl. #a0017img, #a0467img). Dieser Eindruck wird von einer singulären Prägung gestützt, welche die Stadttyche mit einem Modell des Garizim in Art der 'tempeltragenden Gottheiten' zeigt (Harl, Abb.67).

Tetrastyler korinthischer Prostylos mit Blick über die Stadt; Heiligtum des Zeus (Adler) Hypsistos (Zeus auf dem Berge), zu dem eine Treppe von 300 (nach andern Quellen bis zu 1500) Stufen führte.
Zweifelsohne ist der historische Komplex, der ja sozusagen dem samaritanischen Hauptheiligtum (Garizim) aufgesetzt worden war, eine politisch-religiöse Manifestation der römischen Überlegenheit. Die Umwidmung an Zeus steht ebenfalls ohne Zweifel im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands. Numismatisch ist auffällig, daß bis zu Trajan lokaltypische Rs.Darstellungen (Weinblatt, Palme, Ähren ua) von der überwiegend jüdischen Bevölkerung bevorzugt wurden; während des Krieges und bis ins Jahr 158/9 wurde in der Stadt überhaupt nicht geprägt. In den ab Antoninus Pius zahlreichen Münz-Varianten des vorliegenden Motivs ist die propagandistische Nebenaufgabe dieser Münzen aus Neapolis augenfällig - noch viel deutlicher als zB die einfache Umbenennung von Jerusalem in Aelia Capitolina oder die von Sepphoris in Diocaesarea.
Neugründung (Neapolis) unter Vespasian.

Literatur:

Harl, K.W.: The Coinage of Neapolis in Samaria, ANSMN 29 (1984), S.61-97, Tf. 6-15

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23