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Parium/ Parion (Mysia)
a0485 - Gallienus
IMP LIC INN GA
Büste belorbeert rechts
C G I H P
Triumphbogen, 3-bogig (Tor)
AE | 26 mm | 9.25 g | 1 h Yale 2009.110.173, BMC 126v, Price/Trell 213v, BN onl 41767537v = SNG France 1531v
3-bogiger Triumphbogen mit einem schlanken hohen mittleren und zwei niedrigeren seitlichen Durchgängen auf einfacher Bodenlinie. Auf den seitlichen Bögen sitzt je ein weiterer Bogen auf, sodaß die Höhe des Hauptbogens auf beiden Seiten erreicht wird (*). Die Toröffnungen werden durch (vermutlich) Lisenen in ganzer Höhe des Bauwerks getrennt. Das Mauerwerk ist, wenn auch etwas ungerade, gut erkennbar. Das Gesims ist zweigeteilt; obenauf steht ein flacher Sockel, der in der Mitte (hier nur so eben erkennbar) eine männliche Statue zwischen Objekten, welche Elefantenprotomen ähneln, trägt. Andere Prägungen (s.u.) zeigen deutlich Elefantengespanne mit Lenker. Außerdem wird dieser Sockel auf den meisten Darstellungen des Monuments von zwei weiteren Figuren auf Podesten flankiert (s.u., vgl. #a0592img, #a0938img, #a1033img).

Ref. Yale bds. stempelgleich.

Auflösung der Rs.Legende: "Colonia Gemella Iulia Hadriana Pariana". Die sehr alte Stadt mit ihrem Monumentalaltar (solitär: #a0876img) erhielt unter Augustus den Kolonie-Status, der vermutlich unter Hadrian - deshalb die Rs.Umschrift - erneuert wurde (s. Filges, ua S.30f).

Variante (unter Gallienus) von ganz anderem Stil (#a0592img), deutlich kunstvoller ausgeführt; es handelt sich aber unzweifelhaft um denselben Bau. 'Realistischer' sind die Prägungen unter Commodus (#a1033img in mäßiger Erhaltung, s.dort) und Aemilianus (#a0938img). Das unter Philippus geprägte Unikum (? CNG e386.437) ist etwas lädiert, zeigt aber alle wesentlichen Elemente. Das Bauwerk scheint also über viele Jahrzehnte in der Stadt nicht bedeutungslos gewesen zu sein und auch weitgehend unverändert existiert zu haben. Dennoch wurde es jeweils mit nur einem Stempel unter Commodus, Philippus und Aemilianus geprägt, während unter Gallienus ohne unmittelbar erkennbaren Grund eine wundersame Stempelvermehrung zu sehen ist. Die offensichtlich besondere Bedeutung in dieser Zeit spiegelt sich allerdings nicht in der handwerklichen Qualität der Münzen wieder.

Der gerade angesprochene Altar war in einen größeren architektonischen Komplex eingebettet; dessen numismatisches Bild erschien in nur einer Ausgabe (**) unter Commodus (#a1015img) und dann in wiederum einer ganzen Reihe von Stempelvarianten unter Gallienus (detailliert s.Notiz zu #a0988img). Alle diese Stempel zeigen Pferdebigen (bzw. -quadrigen, ein Stempel) als Bekrönung des zweistufigen Altars.

Die Münzbilder 'Triumphbogen' und 'Altarkomplex' werden von einigen (s. Trell/ Tomb, S.165) miteinander dergestalt verknüpft, daß der Corpus des Bogens den Altar weitgehend verdecken soll. Demnach seien die Statuen auf den Säulen, welche den Altar (#a0988img) flankieren (aber hinter dem Bogen verborgen sind), identisch mit denen, die man bds. neben dem Gespann auf dem Bogenbau (zB #a0938img) sieht; in gleicher Weise soll die Gespanngruppe auf der oberen Altaretage den Sims des Bogens überragen. Insofern werde hier das Altarareal im Hintergrund in verkürzter Form angedeutet, unter virtueller Entfernung des Bogenbaus wäre der Blick auf die im Rückraum verborgenen Objekte frei - wie von #a0988img oder #a1015img gezeigt.
Selbstverständlich bleiben solche Ausführungen eigentlich so lange ein Paradebeispiel für eine gewagte Spekulation, solange kein archäologisches Äquivalent am Ort gefunden wird. Dennoch sind sie wohl nicht total abwegig und auch deshalb diskutabel, weil sie den Blick auf eine mögliche Methode der Stempelschneider lenkt, komplexe bauliche Sachverhalte auf vier Quadratzentimetern unterzubringen; man denke zB an das Vorgehen der Künstler zB in Heliopolis oder Capitolias (s. Notizen zu

In der Diskussion muß man auch konzidieren, daß die Altarprägung unter Commodus (#a1015img) erst seit kurzer Zeit bekannt ist; diese zeigt zweifelsfrei ein Pferdegespann. Dagegen sind die Altarabbildungen unter Gallienus zT so wild geschnitten und ggf. zusätzlich abgenutzt, daß man auch anderes Getier zu erkennen glauben kann (s.u. und Notiz zu #a0988img, Schlangen). Man könnte also durchaus annehmen, daß im Laufe der Zeiten ein Gespannwechsel von Pferden auf Elefanten stattgefunden haben könnte. Das aber ist mit der nun bekannten Tatsache einer unter Commodus gleichzeitigen Prägung einer Pferdequadriga auf dem einen Bauwerk und der eines Elefantengespanns auf dem anderen Bau auszuschließen.
Man könnte, um die Trell'sche Theorie zu retten auch derart argumentieren, daß die Pferdegespanne des Altarkomplexes dort nur 'symbolisch' gemeint seien, vergleichbar mit Varianten des Altars von Amaseia (oder auch mit den Rogi der stadtrömischen Prägungen). Dann aber wäre letztlich die Diskrepanz zwischen den Statuen auf den Säulen (soweit erkennbar alle im Gestus des Jubelns oder Bekränzens) und den Lanzenträgern der Bogenbauten bis Aemilian nicht erklärbar - und es bliebe nichts mehr, welche Bauelemente des rückwärtig gelegenen Altarkomplexes 'auf' das Gesims des Bogenmonumentes hätte versetzt werden können.
Die vorliegende Münze (und alle Varianten mit Elefanten) zeigt also nichts anderes als den Triumphbogen, die Prägungen mit Pferden zeigen nichts anderes als den Altar. Davon bleibt unbenommen, daß beide Bauten in räumlichem Zusammenhang stehen konnten.

Unklar bleiben die Figuren in der Höhe des Triumphbogens. Zu den außen plazierten Figuren (Lanzenträger, Adoranten, Tanzende) ist in der Literatur anscheinend nichts zu finden. Die zentrale Statue des Bogenmonuuments (Gespannlenker), die mit einer Ausnahme (zB #k11065, #k11765) auf allen Varianten erscheint, ist ohne weitere Informnation überhaupt nicht zu identifizieren. Deshalb zieht Trell (S.165) die Stücke mit der Abb. des Altarkomplexes heran, was aber wohl nicht zulässig ist (s.o.): die Autorin sieht in der Figur den Gründer der Stadt, Parius; der Heros stammt von Schlangen ab und insofern könnten die unklaren Gebilde um seine Statue eben Schlangen sein (Trell, ebda: "He appears in some issues in the very metamorphosis from snake zo human"; s. Notiz zu #a0988img a-d).

Das Bogenmonument als solches wird in der Literatur wohl überwiegend als real existent angesehen. Daß vielleicht darüberhinaus ein Baukomplex in Kombination mit dem Altarheiligtum (s. #a0988img, #a1015img) exixtierte (so zB Price/Trell S.118), ist denkbar, wird aber auch bestritten (***).


(*) Die Darstellung erklärt sich aus mangelnder Kunstfertigkeit, wenn man die varianten Münzbilder (zB #a0592img oder #a0938img) zum Vergleich heranzieht; dort sind die oberen 'Bögen' durchwegs klar als von den unteren Bögen abgesetzte Fenster gezeichnet.
(**) Erst seit 2015 (?) mit zwei Vs.Stempeln (#a1015img und #a1016img) in Auktionen aufgetaucht.
(***) zB Filges, S.256: es sei "nichts zur Existenz des Monumentes gesagt, dass (!) ebenso eine fiktive Zusammenstellung für das Münzbild sein könnte...Es fehlt die ikonographische Evidenz."

Literatur:

Fähndrich, S.: Bogenmonumente in der römischen Kunst. Ausstattung, Funktion und Bedeutung antiker Bogen- und Torbauten. Rahden 2005
Filges, A.: Münzbild und Gemeinschaft. Die Prägungen der römischen Kolonien in Kleinasien (Frankfurter archäologische Schriften Bd 29), Bonn 2015
Trell, B.L.: Tomb, Altar or Shrine? The Numismatic Evidence, in: Actes du 8ème Congrès Internationale de Numimatique 1973, Paris - Bale 1976, S.163-169, Tf.17-19

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23