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Hadrianopolis (Thrakia)
a0607 - Caracalla
(Μ)ΑΥΡ Η - ΑΝΤΩΝΙΝΟϹ
Kopf belorbeert rechts
ΑΔΡΙ - ΑΝΟΠΟ - ΛΙΤΩΝ
Nymphaeum m. div.Figuren,
sonstige Monumente
AE | 26 mm | 10.95 g | 1 h -; Jurukova 168 (Sept.Severus)
Anlage eines Nymphaeums (Nach ua Donaldson, S.288, "scenae frons" eines Theaters).
Abgesetzt von einer Bodenlinie, die in diesem Fall auch nur Trennlinie zum Abschnitt sein könnte, ist ein langgestrecktes flaches Rechteck zu erkennen. Die vorliegende Münze zeigt nur noch schemenhaft eine Reihe von darin abgebildeten Kreisen, die deutlich auf Abb.69 (Price/ Trell) sichtbar sind. Dabei handelt es sich um die in anderer Weise auf der Münze (#a0553img) dargestellten Wasserspeier (- hähne) oä. Über einem weiteren flachen Zwischenraum mit einer Reihe von Punkten (Donaldson: "knobs") steht der eigentliche Gebäudekomplex auf eigener Grundlinie. Auf dieser stehen vier ionische Säulen mit je einer nicht zu identifizierenden Figur in den äußeren Interkolumnien. Im zentralen Zwischenraum, der breiter ist als die beiden andern Joche zusammen, lagert ein (Wasser-) Gott, mit der Linken auf eine umgestürzte Vase, aus der ein Wasserstrom fließt, gestützt; die ausgestreckte Rechte hält einen auf beiden Münzen nicht zu definierenden Gegenstand. Den vier Säulen der unteren "Etage" liegt ein Epistyl auf, welches seinerseits 4 ionische Säulen von ungefähr gleicher Höhe, jedoch enger zusammengerückt, zu tragen scheint. Zwischen den Säulen steht wiederum je eine Statue. Auf diesen Säulen lastet ein drittes Stockwerk, dessen Stylobat (= Epistyl des mittleren Abschnitts) bds., technisch unmöglich weit, überkragt und zentral leicht nach unten gewölbt ist. In gleichem Abstand stehen hier sieben ionische Säulen, jeweils dazwischen wiederum (sechs) diverse Statuen. Obenauf imponiert ein sehr starkes , in der Mitte deutlich nach 'unten' gewölbtes Kranzgesims, das durch eine Perlschnurreihe (hier nicht mehr sichtbar) verziert ist. Die Säulen stehen "stockwerksweise" versetzt, sodaß immer eine Statue auf oder unter eine Säule zu stehen kommt.
Etwas höher als die beiden unteren "Geschosse" , jedoch vollständig von diesen isoliert, ragen bds. zwei Reiterstatuen mit ihrem Unterbau. Dieser besteht jeweils aus einer flachen Basis, deutlich oberhalb der o.g. Bodenlinie (s. Price/ Trell, Abb.69), und aus einer zentralen starken sowie zwei schwächeren Säulen zu den Seiten. Den Säulen liegt jeweils eine Platte auf, die ein Pferd von der Seite und in Richtung Münzrand zeigt. Auf dem Rücken der Pferde steht(!), ebenfalls mit Blickrichtung Münzrand, je eine Gestalt.

Stempelgleich (Au Elsen 112.467 = #k5620).
Für Septimius Severus: stempelgl. Rs.: 1.Ex.Jurukova 198 (Berlin) = Varb.engl. 3352 = Liegle, Abb.30a (Rs. ohne Nachweis) = Bernhard, Abb. 217 (Rs. 'Berlin'). 2.Ex.Jurukova S.77, Abb.1 (Rs., Paris) = Donaldson 288 = (Mionnet II.680) = Price/ Trell 69 (Rs.).
Vgl. dagegen (#k2399, Auktion Rauch Jan. 2009, Nr.130): Fassade eines vierstöckigen Gebäudes.

Die vorliegende Münze zeigt eher nicht die Fassade eines einzelnen Gebäudes. Das geht mE daraus hervor, daß die Reiterstatuen keine tragende Funktion haben können (von einigen Interpreten völlig verkannt, zB Liegle S.224; es handelt sich um isoliert vor (!) dem Bau stehende Denkmäler). Wenn man die Statuen entfernt denkt, bliebe ein in der Antike aus statischen Gründen unmöglicher Bau mit T-förmigem Aufriß. Ob diese Tatsache dadurch verdeutlicht ist, daß die Unterkonstruktionen der Reiterstatuen nicht auf der Bodenlinie des Baues, sondern auf eigenen flachen Basen ruhen, ist auf der vorliegenden Münze nicht klar zu sehen; die o.a. Abb.69 (Price/Trell) weist jedoch darauf hin. Dagegen ist es bautechnisch nicht ungewöhnlich, daß die Säulen der jeweils höheren "Etage" in der Jochmitte und nicht über der unteren Säule plaziert sind. Es handelt sich also nicht um die charakteristische geschlossene, in diesem Fall dreistöckige, Fassade eines großen Nymphäums, bei der Tabernakel (mit Dreiecks- oder Rundgiebeln) etagenweise verschränkt errichtet wurden. Das wäre vom Künstler dann auch ebenso wie auf andern Münzen (zB #a0553img) graviert worden.

Deshalb halte ich folgende Interpretation für nachvollziehbar: zuunterst, also wie geläufig als vorderstes Gebäudeteil, eine Brunnenanlage mit Wasserspeiern. Auf derselben Ebene dahinter die zwei Reiterstandbilder und wiederum dahinter (oder auch dazwischen) die Säulenhalle mit der liegenden Figur. Der Unterbau der Standbilder sollte ein Rundbau sein, wobei wohl die mittlere "dicke" Säule eine vordere und eine hintere Säule gewissermaßen addiert, also zwei Säulen in einer umfangreicheren repräsentiert; jedenfalls ist die prima vista Ansicht, in den Augen eines Statikers, ohne tieferen Sinn. Außerdem sollte man sich die Reiterstandbilder mit Blick in Richtung Betrachter (nach vorn) vorstellen. Wenn in einem Eingangsbereich einmal Reiter o.ä. von der Seite betrachtet dargestellt werden, dann keinesfalls mit Blickrichtung, die vom Besucher/ Betrachter abgewendet ist (dann fiele der Blick ja aufs Hinterteil der Pferde). Die im Verhältnis zu den andern Statuen übergroße zentrale Figur kann natürlich so ausgesehen haben (so zB in Perge erhalten, s.u.), kann aber auch symbolisch für das zentrale Wasserreservoir (???) gehalten werden. Die mittlere Ebene des Baus harrt der Erklärung. Wenn man dem Gedankengang folgt, stünde das oberste "Stockwerk" auf gleicher Ebene, aber ganz hinten, mit einer halbrunden Exedra.
Natürlich kann man auch an dem Bild von der Fassade eines einzelnen Gebäudes festhalten, was aber noch etwas mehr Spekulation erfordert. Der Graveur hätte dann aber eine Reihe ungewöhnlicher Hilfsgriffe benötigt: zugunsten der Standbilder, die auf andern Münzen fast regelmäßig neben den Bauten stehen, hätte er auf tragende Elemente des Gebäudes verzichtet: die äußeren Säulen der mittleren "Etage", den Teil des untersten Epistyls zwischen den (jetzt) äußeren Säulen und den wuchtigen zentralen Standbildsäulen; außerdem wäre dann das Stilmittel von sich abwechselnden Säulen und Figuren nicht möglich.

Es wurden nur vereinzelt Brunnenanlagen auf Münzen abgebildet, ua in Ake-Ptolemais (Price/Trell 73), Alexandria (Dattari 1101), Anazarbos (Ziegler 546 u.641), Argos (#k3331, CNG 79.576), Hadrianopolis (diese und s.u.), Nikopolis (#a0553img, s.dort), Pella/ Syria (#k3627), Rom, Serdika (#a0723img), Tarsos (SNG vAulock 6016). Aus Hadrianopolis (unter Gordian) stammt eine mit der vorliegenden Münze nicht vergleichbare, viel besser verständliche dreistöckige Darstellung, ebenfalls mit Pferdestatuen an beiden Seiten (Weber 2756). Münzen mit Wasserspeiern/ Fontänen in verschiedener Form sind bekannt aus Argos (#a0705img), Korinth, Nikopolis/ Epiros, Nikopolis/ Moesia (#a0232img), Patras, Pherae, Rom, Serdika (#a0723img), Troizen (Imhoof/ Gardner, Tf. GG, XV u. M, X).

Ein archäologisch gesichertes Beispiel für ein einstöckiges Nymphäum mit halbrunder (zweigeschossiger) Exedra (Durchmesser knapp 9 m) ist aus Nysa-Skythopolis (Beith Shean) bekannt. Die Front des ebenfalls sehr kleinen Baus in Perge wird von der Marmorstatue eines liegenden Flußgottes geschmückt. Große Nymphäen, meist zweigeschossig wie in Leptis oder Ephesos, selten dreigeschossig wie in Milet, besaßen Prunkfassaden mit zwei bis fünf (Hierapolis) vor die Front tretenden Säulenpaaren pro Stockwerk, die Baldachine (Tabernakel) trugen. Die Zwischenräume waren teils offen, meist jedoch durch Statuen geschmückt. Damit imponierten sie durchaus wie die Proszenien der Theater, wie wir sie noch heute mehr oder weniger gut erhalten (oder wiedererrichtet) bewundern können. So kann es auch nicht erstaunen, daß die Front der Celsus - Bibliothek nach deren Brand praktisch unverändert die Schauwand eines Nymphäums abgeben konnte.

Literatur:

Bernhard, O.: Griechische und römische Münzbilder in ihren Beziehungen zur Geschichte der Medizin, Zürich 1926
Dorl-Klingenschmid,C.: Prunkbrunnen in kleinasiatischen Städten, Studien zur antiken Stadt 7, München 2001
Jurukova, J.: Le monnayage des villes en Mésie...Hadrianopolis, Sofia 1987
Di Vita, A. et al.: Das antike Libyen, vergessene Stätten des römischen Imperiums, Köln 1999
Klementa, S.: Gelagerte Flußgötter, Köln 1993
Nicolet,H.: Une monnaie de bronze frappée à Pella...,in (ed.) L.Casson u. M.Price: Coins, Culture and History in th Ancient World (in honour of Bluma L.Trell), Detroit 1981
Trell, B.L.: Epigraphica Numismatica, Monumental Nymphaea, The Bulletin of the American Soc. of Papyrologists, Studies presented to Naphthali Lewis 15 (1978), S.147-161

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Zuletzt geändert am: 2013-04-08 19:30:49