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Aigeai (Kilikia)
a0626 - Traianus Decius
(ΑΥΤ ΚΑΙ ΚΥΙ) ΤΡΑΙΑΝΟϹ ΔЄΚΙΟϹ ϹЄΒΑ
Büste belorbeert rechts
(ΑΙΓЄΑΙΩΝ) ΝΑΥΑΡΧΙΔΟϹ , Jahreszahl auf Segel
Leuchtturm, Segelschiff, Boote
AE | 28 mm | 12.28 g | 2 h RPC 1448.1-6, SNG Levante 1784, SNG France 2377 = BN onl 41848422 = RPC..2, Yale 2013.17.401 = RPC..4,
Jahr 296 (249/50 n.Chr.)

Leuchtturm (Hafeneinfahrt) mit Leuchtfeuer und Mauerwerk aus Bossenquadern, dahinter links ein Bug nach links, der Rest des Schiffes/ Bootes ist abgeschnitten. Die rechte Münzhälfte nimmt im Zentrum ein Lastschiff, nach links segelnd ein. Darüber (und hinter dem Segel großteils verborgen) ist ein weiteres Boot mit seinem wiederum nach links gerichteten Bug erkennbar. Unterhalb des Kieles (hier nur noch schemenhaft zu sehen) drei Reihen von Wellen. Der Abschnitt unter dem Turm ist durch eine von Rand zu Rand gehende Linie abgetrennt, die jedoch auf dieser Münze ebenso wie die Legende (incl. Jahreszahl) im Abschnitt nur noch zur Hälfte erhalten ist.

Ref.bds.stempelgleich.
Haymann 219.5 Herkunftsangabe falsch.

Eine spätere Gemme bildet den Leuchtturm in typischer (dh alexandrinischer) dreistöckiger Gestalt ab (Abb. bei Giardina, Tf.III.12B). Die beiden Darstellungen trennt eine erhebliche Zeitspanne; insofern könnte ein Neubau den Unterschied am ehesten erklären.

Die Szene auf der Rs. wurde und wird als Reminiszenz an eine Getreidespende angesehen, im Anklang an eine auffällig ähnliche Darstellung aus Laodikea ad mare (s.Notiz zu #a0654img). Dazu knapp Ziegler (S.64), der diese Analogie ablehnt und die Prägung nur als Hinweis auf die besondere Bedeutung des Hafens als Nachschubbasis interpretiert. Unter Decius erscheint das Rs.Motiv zum dritten (und letzten Mal); zuvor wurde die Hafenszene unter Macrinus (zB SNG France 1746, Aukt. Hirsch 256.576) und Philippus I. (zB SNG France 1748, Aukt. CNG 69.1068) geprägt. In allen Fällen waren zeitgleich größere Kriegshandlungen im Osten im Gange. Man kann annehmen, daß die Stadt damit ihre Bedeutung als Marinestützpunkt und Nachschubhafen in unruhigen Zeiten - und insofern ihre besondere Wichtigkeit - hervorheben wollte.

Zu Leuchttürmen s. Notiz zu (#a0570img), zur Hafenszene vgl. (#a0654img, Laodikea)

Im Lauf der Jahre nahm die Stadt, wie andere Orte auch (vgl. #a0700img), sehr häufig mit einem neuen Imperator auch einen neuen (entsprechenden) Stadtnamen an: Hadriana, Commodiana, Severiana, Antoneinoupolis, Macrinoupolis, Alexandroupolis.

"Nauarchis" (s. Gebhardt, S.175ff) ist Titel für Marinebasen mit Admiralität, außer Aigeai: Dora, Elaioussa-Sebaste, Korykos, Nikopolis/Epirus, Side und Tripolis/Phoenicia - alle für die Seeräuberbekämpfung und später für den Nachschub bzgl. der Operationen im Osten von Bedeutung.
Aigeai war Stützpunkt der Classis Syriaca (später: Seleucena), im Bestand waren weit überwiegend Triremen und Liburnen (Biremen). Die Marschgeschwindigkeit von größeren Verbänden war unter günstigen Bedingungen selten mehr als 4 Knoten/ Std.!

In den Jahren ab 49 v.Chr. betrieb Rom ein wahrhaft wilhelminisches Flottenprogramm: bei einem Anfangsbestand von ca. 300 größeren Einheiten im Jahre 49 v.Chr. wurden bis Actium 1500 Einheiten aufgelegt, im Krieg gegen Antonius noch zusätzlich 300 Einheiten erbeutet, allerdings gingen auch insgesamt 1000 Schiffe verloren. Der Angriff der Goten ua. Stämme auf das Reich im Jahre 268 n.Chr. (s.Notiz zu #a0077img) erfolgte mit über 2000 großen Schiffen und bis zu 300000 Mann.

Literatur:

Viereck, H.: Die römische Flotte, Herford 1975
Gebhardt, A.: Imperiale Politik und provinziale Entwicklung, Berlin 2002
Ziegler, R.: Münzen Kilikiens als Zeugnis kaiserlicher Getreidespenden, JNG 27 (1977), S.29-67, Tf.3-6
Haymann, F.: Untersuchungen zur Geschichte und Identitäskonstruktion von Aigeai im römischen Kilikien, Gephyra 9, Bonn 2014

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23