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Antiochia ad Maeandrum (Karia)
a0638 - Gallienus
ΑΥ•Κ•Π•ΓΑ - ΛΛ - ΙΗΝΟϹ
Büste mit Helm links
ΑΝΤΙΟΧЄ / ΩΝ
Brücke, 6-bogig, Mäander
AE | 35 mm | 18.71 g | 6 h BMC 57, SMB 18200458, SNG vAulock 2430v u.8059, Price/Trell 82, BN onl 41778433v, SNG Leypold 797v, Weber 6370v, McClean 8450v, Univ. Köln AM0542
6-bogige Steinbrücke mit den Pfeilern in fließendem Wasser und bds. abgeschrägten Aufwegen. Beide Seitengeländer sind dargestellt, das vordere in doppelter Höhe und ganzer Breite der Brücke; das hintere Geländer steht höher als das vordere und ist deutlich nach rechts versetzt. Am linken Ende der Brücke steht ein frontal gezeichneter Triumphbogen (?), mit seiner ("numismatisch") rechten Seite hinter dem vorderen, jedoch vor dem hinteren Geländer.
Der Bogen besteht aus einem hohen bis zum Hauptgesims reichenden schmaleren Rundbogen und bds. je einem niedrigeren Rundbogen, die bis zu einem Gurtsims reichen. Alle tragenden Strukturen des Bogens (Simse, Lisenen/ Pfeiler, Bögen) sind perlschnurartig. Bögen über den kleineren Seitenbögen sind bei dieser Variante nicht vorhanden. Auf besser erhaltenen Stücken lagert auf dem oberen Geländer der Mäander mit Zweigen und Füllhorn, auf der rechten Kante des Bogens steht ein Storch.
Auf Varianten ist im Mauerwerk des Aufgangs rechts eine Rundbogennische zu sehen, in der vermutlich die Statue einer Gottheit stand (ähnlich dem Christophoros an mittelalterlichen Brücken). Andere Stücke zeigen zusätzlich zum liegenden Flußgott einen Reiter außen rechts auf der Brücke.

Rs.Variante: Traianus Decius (#k3008).
Vgl. die Brücke von Mopsos (#a0636img, #a0648img).

Im übrigen neige ich dazu, die oben als Geländer bezeichneten Bauteile als Mauerwerk anzusehen. Die sorgfältig versetzt dargestellten beiden Reihen der Brückenvorderseite wären als Holzkonstruktionen/- geländer technisch nicht sehr sinnvoll.
Bei dieser Münze erscheint mir interessant, auf welche Weise der Graveur den perspektivischen Eindruck erreicht. Die leichte Aufsichtposition des Betrachters infolge der parallelen Verschiebung des hinteren 'Geländers' nach etwas rechts oben wird dadurch verstärkt, daß der Bogen - inkonsequent - frontalansichtig zwischen die 'Geländer' geschoben wird. Zusätzlich verstärkt die - konsequent dargestellte - Strömungsrichtung den räumlichen Eindruck. Summa summarum ist dieses Stück unter den späten Großbronzen mE bes. erwähnenswert. Es wird meist angenommen, daß die Brücke von Mopsos (s.o.) aus derselben Werkstatt stammt, das ist offenbar nicht möglich.

Unter den zahlreichen Varianten ist eine delikatere Variante (Aukt. Lanz 147.589 = #k4669) erwähnenswert, der Nollè den Abschnitt 8.3 (S.44-47, vergrößerte Abb. S.90) "Die Potenz des Mäanders" widmet. Auch wenn die Folgerungen in sich schlüssig erscheinen, sollte ein bescheidener zweifelnder Einwurf erlaubt sein: das Unikat (soweit bekannt) könnte durchaus auch das Ergebnis einer geschickten schöpferischen Arbeit sein.

Die rampenartigen Auffahrten waren erforderlich, weil echte Keilsteinbogenbrücken kaum mehr als 30 m Spannweite (Ausnahmefälle wie zB Alcantara) ermöglichten; die Regel waren eher Weiten um 15 (bis 20) Meter. Dadurch wurden die Durchlässe bei Hochwasser relativ eng und ggf. zu dammartigen Hindernissen, sodaß die Bögen zum Ausgleich sehr hoch gebaut werden mußten. Diese Rampen fehlen im übrigen bei der trajanischen Brücke (#a0109img).
Der Bau solch massiger Bogen- (und Gewölbe-) konstruktionen war erst mit dem Aufkommen des opus caementicium als Baukern möglich, dem das opus quadratum gewissermaßen als Verkleidung diente.

Brücken/Aquaedukte auf Münzen ua: Aegeae, Alexandria/Troas (#a0666img), Antiochia/Karien (#a0638img), Bithynia (Koinon, RG 236.6), Buthrotum, Constantinopel (#a0517img), Dorylaeum, Hadrianopolis ( #k3905), Mopsos (#a0636img, #a0648img), Rom (#a0109img, #a0630img).

Das römische Straßennetz und damit zusammenhängend natürlich die zugehörigen Brücken sind ja bekanntlich eine wesentliche und für das Imperium unabdingbare Errungenschaft. Um so verwunderlicher erscheint es, davon nur ganz vereinzelte Zeugnisse auf Münzen zu finden. Mit Blick auf die antiken Verkehrswege gehört die Episode um den König von Neapel, der sich noch 1846 mit seinem Troß von mehr als 4000 Personen in der Basilicata auf mehrere Tage verirren konnte, zu den Treppenwitzen der Weltgeschichte.

Literatur:

Nollè, J.: Die Brücke von Antiochia am Mäander, Beiträge zur kleinasiatischen Münzkunde und Geschichte 8, in Gephyra 6 (2009), S.29-47, Tf. S.87-90 (zum Monument von Selge und zur Brücke von Antiochia ad M.)

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23