Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Odessos (Moesia)
a0667 - Gordianus III
ΑΥΤ•Μ•ΑΝΤ•ΓΟΡΔΙΑΝΟϹ / ΑΥΓ
Büste belorbeert links (Gordian) u. Büste (Serapis) rechts
vis a vis
ΟΔΗ - (ⵎⵎ) - Ε - ΙΤΩΝ / (Ε?)
Tempel, 4-s., Darzalas
AE | 26 mm | 11.39 g | 7 h AMNG 2360 (Rs.), (Varbanov engl. 4540v)
4-säuliger Tempel mit korinthischen gedrehten Säulen auf Bodenlinie. Eine von Wangen gefaßte 4-stufige Treppe führt in nahezu ganzer Breite zum Tempel. Giebel und Architrav sind zweigeteilt, nämlich jeweils in Perlschnüre und einfache Linien. Das Gebälk kragt bds. deutlich über, die Schräggiebel liegen ihm jedoch nicht an den äußeren Enden auf, sondern in Verlängerung der Ecksäulen. Eine Reihe von keulenförmigen Dekor auf beiden Schrägsimen, Eckakrotere (Firstakroter abgeschnitten). Im Giebelfeld eine Quadriga von vorn mit Wagenlenker (Helios). Im nur wenig geweiteten mittleren Säulenzwischenraum Homonoia mit Füllhorn und Schale vor Altar. Im Abschnitt Wertzeichen Epsilon.

Es ist ein typischer römischer Podiumstempel präsentiert. Angesichts der Sorgfalt des Stempelschneiders wäre es verwunderlich, wenn hier keine realitätsnahe Wiedergabe vorläge. Das gilt auch für die Gestaltung des Tympanon. Insofern wird wohl die (nachlässiger) geschnittene Darstellung eines (desselben?) Darzalas -Tempels (vgl. #a0827img für Gordian und Tranquillina) 'idealtypisch' gemeint sein. Sollten beide Münzen denselben Tempel meinen, wäre unzweifelhaft der Podiumstempel die realistische Variante; es hätte sonst überhaupt keinen Sinn, daß der Stempelschneider diverse typische Einzelheiten so detailintensiv vorstellt - nur dank einer lebendigen Phantasie und ohne Bezug auf den wirklichen Bau.
Andererseits sind die beiden Münzen natürlich auch ein Beispiel dafür, wie sogar fundamentale Unterschiede (Podium - umlaufende Stufen) gering geachtet werden konnten. Diese Tatsache führte in der Literatur verständlicherweise häufig dazu, daß die Wirklichkeitstreue der Architekturmünzen insgesamt in gleicher Weise gering geachtet wurde und wird. Wenn dieses Problem nicht differenziert angegangen wird, tut man jedoch denjenigen Stempelschneidern Unrecht, die sich um Wiedererkennbarkeit eines Gebäudes bemühen; es ist unzulässig, die Arbeiten dieser Künstler den Stempeln von Graveuren gleichzusetzen, die (aus welchen Gründen auch immer) weitgehend stereotype Bilder produzierten.

Aus Dionysopolis ist ein Tempel mit Helios u. Quadriga archäologisch nachgewiesen (Calomino S.123).

Auf der Vs. ist hinter der Büste des "Serapis" ein Füllhorn zusehen. Das ist das spezifische Zeichen für die regional-thrakische und weit vorrömische Gottheit "Darzalas", den "Großen Gott" von Odessos. Natürlich wurde dieser dem Serapis-Zeus mehr und mehr angeglichen, blieb aber dennoch "selbständig". Die Münzen aus Odessos stellen beide, Darzalas und Serapis, dar, sodaß durchaus von getrennt gepflegten Kulten auszugehen ist.

Außerdem fällt auf, daß die Gottheit als eigentlich "höhergestellte Person" auf der linken, dh der "schlechten" Seite abgebildet ist. Die dahinterstehende Tradition ist allerdings zu keiner Zeit konsequent beachtet worden, am wenigsten in den Balkan-Provinzen (vgl. Notiz zu #a0984img).

Literatur:

Chantraine, H.: Mehrfache Büsten und Ganzfiguren... - rechts und links als Anordnungsprinzip; in : Die Münze, Festschrift für M.R.-Alföldi, Frankfurt 1991, S.122-146
Calomino, D.: Die-Sharing in Moesia infereior under Gordian III., NC 173 (2013), S.106-126, Tf.26-29

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23