Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Antiochia ad Orontem (Seleukis u. Pieria)
a0763 - Alexander Severus
ΑΥΤ ΚΑΙ ΜΑΥ ϹЄ - ΑΛЄΞΑΝΔΡΟϹ ϹЄ
Büste belorbeert rechts
(...?), Δ - Є / S C
Schrein, Bogen in (transportablem ?) Tempel, 2-s.; Tyche, Flußgott
AE | 24 mm | 8.66 g | 11 h -;
2-säuliger Tempel mit Dreiecksgiebel (? s.u.) auf anscheinend gekehlter Basis. Eckakroteren, der First erreicht den Münzrand. Vom unteren Band der Basis ragen schräg nach links unten vier (Trage-) Balken. Im fast quadratischen Innern des Tempels befindet sich ein 2- säuliger Schrein mit einem Segmentbogen ohne Querbalken, dessen Scheitel an die Unterkante des äußeren Tempels reicht. Im Schrein ist die typische Sitzstatue der Tyche von Antiochia leicht zu erkennen, darunter das Brustbild des nach rechts schwimmenden Orontes.

Dieses Rs.Bild ist äußerst selten. Aus Kremna ist eine ähnliche Darstellung bekannt (vAulock 5106f, Lindgren II.1300): dort erscheint (ohne Tragebalken !) ein kleinerer 2- säuliger Tempel mit Dreiecksgiebel im Innern eines ebensolchen größeren Tempels. Mit Tragebalken, aber ohne Bogen (!) gibt es ebenfalls für Alexander Severus (mit stempelgleicher Vs.) aus Antiochia einen 2- und 4-säuligen Schrein mit fünf nach rechts gerichteten Tragebalken (Mc Alee 851a/b = Butcher 489a/c); diese beide Münzen weisen keinen typischen Dreiecksgiebel mit abgesetzten Schrägen auf, sondern stattdessen ein ungegliedertes Dreieck, was am ehesten auf eine pyramidenartige Bedachung des Schreines deutet. Nach diesen Ex. wäre für die vorliegende Münze als Rs. Umschrift "ΑΝΤΙΟΧЄΩΝ ΜΗΤΡΟ ΚΟΛ" zu erwarten.

Die Abbildung kann mE nur wie folgt interpretiert werden: angesichts ähnlicher Beispiele handelt es sich unzweifelhaft um einen tragbaren Schrein vgl. ua #a0017img). Es ist auch mE offenbar, daß der Bogen mit der Tychestatue architektonisch nicht zur Tempelfront gehören kann. Demnach befindet sich der Schrein im symbolhaft dargestellten eigentlichen Tempel. Wohin gehören dann die Tragebalken? Wenn man das Bild gewissermaßen 'wörtlich' versteht, wäre der Gesamtkomplex als tragbar anzusehen. Das ist natürlich im Sinne eines Tempelmodells möglich. Einleuchtender erscheint mir jedoch die Vorstellung, daß nur der Schrein mit Kultbild transportabel (ferculum) war; das sachgerecht ins Bild zu setzen, scheint der Stempelschneider jedoch nicht willens oder fähig gewesen zu sein.

Literatur:

Butcher, K.: Coinage in Roman Syria, Northern Syria, RNS 34, London 2004
Meyer, M.: Die Personifikation der Stadt Antiochia, Berlin 2006 (Jb. DAINST 33)

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2017-10-20 22:59:49