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Akragas (Sikelia)
a0783 - ANONYM
(ΑΚΡΑΓΑΣ)
Kopf (Flußgott Akragas) links
-
ion.Kapitell (Säule), Adler, Krabbe, Wertpunkte
AE Hemil | 27 mm | 18.31 g | 4 h SNG ANS 1097ff, BMC 124ff, SNG Tübingen 567, SNG München 2156ff, Gabrici I.38, Pozzi 936, Lindgren II.409, Winterthur 594, ua
339-317 (auch 400-380 ua) v.Chr.

Hemilitron mit 6 (hier nur 3 sichtbar) Wertpunkten.

Ionisches Kapitell mit oberer Partie der Säule, von der drei Kanneluren dargestellt sind. Das Kapitell besteht von distal gesehen aus dem Echinus, darüber folgt der Perlstab und weiter der Eierstab (Kymation, hier nur wenig hervorgehoben); der wird von den Voluten des Pulvinar umfaßt. Schließlich folgt der hier gekehlte Abakus, dem im Bauwesen das Gebälk aufliegt; hier trägt er einen Adler mit nach rechts gewendetem Kopf und angelegten Schwingen. Die Fläche vor Adler und Kapitell nimmt eine nach links ausgerichtete Krabbe ein. Über dem Rücken des Adlers sind drei Wertpunkte erkennbar, weitere drei Punkte sind abgegriffen.

Vs. Kopf des Flußgottes Akragas mit Stierhorn nach links.

Anscheinend nur SNG Tübingen 567 (u. #k5870) stempelgleich.
Vgl. (stilisiertes?) ionisches Kapitell aus Teate (#a0675img).
Ähnliche Prägungen: Didrachmon aus Kroton (zB SNG Cop 1775f), Stater aus Elis (SNG Cop 385f).

Es geht hier kaum um die gezielte Abbildung eines architektonischen Bauelements, zumal in der griechischen Münzprägung generell eigentlich kein wesentliches Interesse an Architekturdarstellungen bestand. Insofern liegt es also nahe, das Kapitell als Teil eines Bühnenbildes zu verstehen; der Akteur wäre der Adler, der sich mehr oder weniger zufällig auf der Säule niedergelassen hat. Nicht unsympathisch ist die Erklärung von Liegle (S. 204f): die Säulen gehörten zu einer Kampfbahn, der Adler des Zeus erscheine als gutes Omen. Das architektonische Beiwerk diene nur der "Andeutung der Lokalität eines Vorgangs".
So kann man wohl auch einige der wenigen weiteren 'Architekturdarstellungen' auf griechischen Münzen verstehen, zB die Brunnenszenen auf Tetradrachmen aus Himera und Terina (zB Price/Trell 91f) oder auch die rahmenähnlichen 'Tempel' auf Stateren aus Tarsos und Hierapolis-Bambyke (zB Price/Trell 95f).
Schon Liegle (s.o.) hat einige griechische Prägungen (ua neben Himera auch Sidon und Tarsos, zB #a0961img) in die Architekturdarstellungen auf antiken Münzen eingeordnet. Sein weitgehend 'nur' beschreibender Überblick über knapp 100 Beispiele geht in der Literatur etwas unter, und seine Anregung (S.214: "Die fast unübersehbare Fülle des Materials fordert zu eingehender Behandlung einen größeren Rahmen") wird erst Jahre später umgesetzt. Darüberhinaus hat er sich schon damals dagegen gewandt, antike Bauwerke mittels der Münzbilder rekonstruieren zu wollen (S.202, s. Notiz zu #a0011img).

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Zuletzt geändert am: 2017-10-20 22:59:49