Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Pergamon/ Pergamum (Mysia)
a0784 - Caracalla
ΑΥΤ•ΚΡΑΤ•Κ•Μ•Α - ΥΡ•ΑΝΤΩΝЄΙΝΟϹ
Büste belorbeert rechts
(ЄΠ - Ι) ϹΤΡ - (Μ) - ΚΑΙΡЄΛ ΠЄΡΓΑΜΗΝΩΝ, ΑΤΤΑ - ΛΟ - Υ/ ΠΡΩΤΩΝ Γ ΝЄ - ΩΚΟΡΩΝ
Tempel, 6-s., Asklepios; Opferzeremonie
AE | 43 mm | 47.62 g | 12 h vFritze XIII.9 = SMB 18203328 = Nomisma 2 (Tf.III.16), BN onl 41744444 = SNG France 2250, (BMC 325)
Wohl 213/4 n.Chr. unter dem Strategen M.Caerelius Attalus.

6-säuliger korinthischer Tempel im linken oberen Münzviertel; Akrotere, im Giebelfeld Scheibe, im Tempelinnern Statue des Asklepios auf eigener Basis. Eine Bodenlinie trennt das Münzbild vom Abschnitt, der ungefähr das untere Viertel der Münze einnimmt. Auf der Bodenlinie stehen ein Buckelrind (unterhalb des Tempels nach rechts gewendet) und der Kaiser in Priesterkleidung (nach links gerichtet) einander gegenüber; die überproportionale Abbildung des Kaisers füllt die rechte Hälfte des Münzbildes aus. Zwischen Kaiser und Opfertier ist schemenhaft eine Figur zu erkennen, die größenmäßig zur Tierdarstellung paßt und dem Opferhelfer (-priester) entspricht; dieser ist im Begriff, wie es deutlich auf besser erhaltenen Münzen zu sehen ist, den Stier mit dem Hieb einer Doppelaxt zu töten.

Bds. stempelgleich: Aukt. Rauch 73.450 = Aukt. Peus 386.798 und #k0114, #k0675.
Rs. stempelgleich: Aukt. Rauch 75.183, Aukt. ACR 5.613 = #k7118.

Andere Rs. unter Caracalla (zB SNG France 2247, #k0239) mit Opferszene und Tempel zeigen im Innern eine Sitzstatue des Asklepios (von Burrell, S.31, nur diese Rs. als Typ 24 berücksichtigt) in einer 4-säuligen (anstatt 6-säuligen) korinthischen Tempelfront auf der rechten Seite des Münzbildes (Kaiser steht links). Die Sitzstatue ist anscheinend durchgehend mit einem Tetrastylos (s. ua Nomisma Tf.III.17, 18 u. 21), die aufrechte Statue dagegen mit dem Hexastylos (Nomisma Tf.III.5 u.16) verbunden. Ob dem eine besondere Bedeutung zukommt, ist offen (s.u.).

Nach vFritze, S.51, ist mit der Münzdarstellung der Tempel des Zeus Asklepios auf der Theaterterrasse ins Bild gesetzt - dieser ist jedoch ionischer Ordnung (s.dazu Burrell, S.32).
In einem anderen Zusammenhang meint Pick (S.30), die Säulenanzahl in der Front des ersten Kaisertempels (Augusteum) variiere je nach Zahl der abgebildeten Figuren: der Tempel sei ohne Statue(n) richtig mit sechs Säulen abgebildet, dagegen viersäulig mit einer Figur und zweisäulig mit zwei Figuren. Wenn man diesen Gedanken dahin erweitert und auf die vorliegenden GB anwendet, könnte man annehmen, daß hinsichtlich des Platzbedarfs der stehende Asklepios dem Stempelschneider sechs Säulen erlaubt, die Sitzstatue dagegen nur vier Säulen. Dann wäre die unterschiedliche Säulenzahl für ein und denselben Tempel (wie so oft) nur ein "handwerkliches" oder "zufälliges" Problem, und die völlig unterschiedlichen Statuen hätten keine weitere Bedeutung. Das aber erscheint angesichts der großen Sorgfalt, mit der diese Prunkprägungen komponiert wurden, eher unwahrscheinlich - zumal ja die Götterbilder nach allgemeinem Verständnis dazu dienten, das Bauwerk zu identifizieren, es also diesem oder jenem Gott zuweisen zu können. Warum also zwei unterschiedliche Asklepios-Standbilder in unterschiedlichen Tempeln?
Pick (S.37) will "aus diesen Münzen mit voller Sicherheit" auf zwei Asklepios-Tempel in Pergamon schließen, der eine mit aufrechtem Götterbild (des Phyromachos) außerhalb der Stadt, der andere mit Sitzstatue (Nachbildung des Asklepios von Epidauros) auf dem Burgberg. Dieser ist der dritte Neokorie-Tempel (synnaoi Asklepios und Caracalla), wie er konstant (viersäulig und mit Sitzstatue) auf den Münzen mit drei Tempeln (#a0871img bzw. Nomisma Tf.III.18) erscheint.

Im Zusammenhang mit Opfern (mehrere Stücke auch ohne 'Architektur') wird Caracalla auf fast allen pergamenischen Münzen als Priester vorgestellt, mit Phiale in der Rechten und Schriftrolle in der Linken (auf der vorliegenden Münze nur zu erahnen); die Schriftrolle könnte die Neokorie-Verleihung versinnbildlichen. Andere Rs. Themen (Ankunft des Kaisers etc.) zeigen ihn in militärischem Habitus.

Im Unterschied zu den Rs. mit Abbildungen aller drei Neokorie-Tempel, die insbesondere auch dem Ruhm der Stadt als Neokoros dienen, zeigt die vorliegende Rs. den Kaiser eher unmittelbar: der Tempel verdeutlicht lediglich, wem Caracalla zum Dank für seine Heilung opfert, nämlich seinem synnaos Asklepios. Der Kaiser in gleicher Pose: #a0652img, Aigeai/Kil. (Valerian und Asklepios) und #a0604img, Ephesos (Elagabal und Artemis). Zu kaiserlichen Opferszenen s. Notiz zu #a0118img.

Anlaß für die "Prunkprägungen" war der Besuch Caracallas in Pergamon Ende 213 n.Chr.

Literatur:

Fritze, H.von: Die Münzen von Pergamon, Abhandlungen der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1910, Anhang S. 1-108
Fritze, H.von: Asklepiosstatuen in Pergamon, Nomisma Heft 2, Berlin 1908, S.19-35 u. Tf.III
Nollé, J.: Caracallas Kur in Pergamon - Krankheit und Heilung eines römischen Kaisers im Spiegel der Münzen, Antike welt 34 (2003), S.409-417
Pick, B.: Die Neokorie-Tempel von Pergamon..., in: Festschrift W.Judeich (ed. A.Cartellieri et al.), Weimar 1929, S.28-44 (1 Tf.)

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23