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Side (Pamphylia)
a0804 - Salonina
ΚΟΡΝΗΛΙΑ - ϹΑΛΩΝΙ(ΝΑ) - ϹЄΒ
Büste rechts,
Gegenstempel Є
ϹΙΔΗ - ΤΩΝ / ΝЄΩΚΟΡΩΝ
Rundtempel [Tempel, 4-s.], Tyche
AE | 31 mm | 17.09 g | 2 h -; McClean 8929v (Tf.318.1), SNG France 933v (online cb417816262), SNG Pfalz 806v (Gallienus),
4-säuliger (wohl korinthischer) Rundtempel/ Schrein auf 2-stufiger Basis. Den paarweise eng zusammengerückten Säulen liegt bds. ein Epistyl auf, verbunden durch einen flachen Bogen über den mittleren Säulen. Die Epistyle zeigen je drei Punkte/ Schilde (?) zwischen zwei schmalen Leisten. Der Bogen überschneidet (?) ein spitzkegeliges Dach, dessen Basis in etwa der Weite des zentralen Interkolumniums entspricht; auf der Dachspitze ein Globus/ Granatapfel (*), getragen von einem Ring aus vier kleinen Kugeln (?). Die Basis besteht aus zwei Lagen, dazwischen eine Reihe von Punkten oder Strichen (hier nur zu erahnen). Im Innern eine Sitzstatue der Tyche nach links (über der Halbfigur des Flußgottes Melas, hier nicht mehr sichtbar infolge der Gegenstempelung).

Gegenstempel "Є" überprägt Wertzeichen "IA" (s. Notiz zu #a0415img).

Bds. stempelgleich: nur Beispiele aus dem Netz (#k5442, #k6016, #k6265).

Variante Rs.: "Α-Є" (ΠΡѠΤΗ-ЄΝΔΟΞΟϹ) i.F; "ΝЄΩΚΟΡΩΝ" erscheint in der Umschrift, nicht im Abschnitt. Alle o.a. Ref., dazu Price/Trell 470 (Wien) und Nollé 49 (Berlin), sind bds. stempelgleich; Rs. auch SNG Pfalz (aber Gallienus auf Vs.).
Eine gewisse Ähnlichkeit weist der Apollo-Tempel in Side (#a0457img) auf, dessen Dachkonstruktion aber kaum verständlich erscheint. Ein Kegeldach (vielleicht auch eine Seite eines Pyramidendaches ?) bietet ein Stück aus Hadrianopolis (s. Notiz zu #a0491img).

Das vorliegende Münzbild zeigt einen Rundtempel, in der Bildsprache durch die spitzkegelartige Ausformung der Bedachung zweifelsfrei (?) belegt. Die Beschreibung als "pagoda-shaped roof" (McClean) ist eigenwillig, diejenige als "pyramidal roof" (Drew-Bear, S.53) ist falsch (**).

Im übrigen überbetont Drew-Bear (ebda.) den Unterschied zwischen Münzbild und dem archäologischen Befund am Ort; der tetrastyle Bau auf der Münze "with arched lintel and pyramidal roof" sei Ergebnis 'künstlerischer Konvention' und nicht mit der Rekonstruktion einer 12-säuligen Tholos mit waagerechtem Epistyl vereinbar. Das vorliegende Beispiel dient dem Autor deshalb als Beleg für Realitätsferne des Münzbildes im Gegensatz zu anderen 'naturalistischen' ("correctly depicted") Wiedergaben (***). Es ist klar, daß ua die im Münzbild verringerte Säulenzahl, aber auch der 'Einbau' eines leicht gebogenen Epistyls, nahezu irrelevant sind; es handelt sich dabei bekanntlich (so auch durchgehend Drew-Bear) um gewöhnliche Stilmittel, das Kultbild buchstäblich in den Vordergrund zu rücken. Aus diesem Grund kann auch die in situ vorhandene Cella des Tempels nicht dargestellt weden. Für die eigentliche Botschaft, Rundtempel der Tyche, kommt es auf die Säulenzahl etc nicht unbedingt an. So ist es zB nicht verwunderlich, daß es, soweit ich weiß, keine Abbildung eines Rundtempels mit mehr als sechs Säulen, dagegen einige mit nur zwei Säulen gibt (****).
Es kann auf jeden Fall keinen Zweifel daran geben, daß der Graveur die sonst relativ selten verwendete Form des Kegeldaches, als Merkmal des Tempels vor seinen Augen, bewußt ebenso dargestellt hat. Das allein muß dem zeitgenössischen Betrachter genügt haben, das Bauwerk als die Tholos auf der Agora in Side zu identifizieren.

Unabhängig davon scheint es jedoch auch durchaus möglich, daß die vorliegende Prägung den (jetzt rekonstruierten) Bau nur indirekt wiedergibt. Die Darstellung des sidetischen Tempels ist nämlich einer Münzabbildung aus Antiochia (s. Notiz zu #a0017img), abgesehen von deren eigenartiger Dachform (*****), auffallend ähnlich. Die Epistyle sind gleichartig, das mittlere Joch ist ebenfalls schwach gebogen, der (unterschiedliche) Apex betont. Ob auch die ungewöhnliche Basis dem leiterähnlichen Tragegerüst des syrischen Tempels entspricht, sei dahingestellt. Wäre es so, müßte man die Darstellung aus Side als Bild eines tragbaren Schreins verstehen (******); wäre dem nicht so, könnte das Münzbild auch das Bild zB eines Tempelmodells sein.

(*) zB auf der Variante McClean gut sichtbar, nicht aber auf der vorliegenden Münze (und den stempelgleichen Stücken aus dem Netz, s.o.).
(**) Die 'Pyramide' erfordert einen eckigen (vgl. #a0583img, Augusta Traiana), der Kegel einen runden (vgl. #a0491img) Grundriss.
(***) Aufgegriffen zB von Nollé s.u. S. S.264, Anm.42 u. Text zu SNG Pf 806.
(****) Rundtempel mit sechs (zB #a0039img, #a0095img), mit vier (zB #a0275img, #a0439img), mit zwei Säulen (zB #a0500img, #a0530img).
(*****) Es gibt auch einige Beispiele mit Bedachung in Form eines (stumpfen) Kegels, zB SNG Hunter 3123.
(******) Drew-Bear (S.50 und Anm.77) hat keine Bedenken, eine einfache Bogenkonstruktion mit vier Säulen (Damaskos, SNG Cop 421) - ohne das einzig sichere Indiz, die Tragegriffe - als tragbaren Schrein ("doubtless portable") zu identifizieren (s.Notiz zu #a0499img).

Lit.:
Nollé, J.: Side. Zur Geschichte einer kleinasiatischen Stadt in der römischen Kaiserzeit im Spiegel ihrer Münzen, Antike Welt 21 (1990), S.244-265, Abb. i.T.

22.05.2011

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Zuletzt geändert am: 2020-03-07 01:23:30