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Capitolias (Dekapolis)
a0836 - Commodus
(ΑΥΤ Κ Μ ) - ΑΥΡ ΚΟΜΟΔΟ
Büste belorbeert rechts
↺ ΚΑΠΙΤѠ - ΛΙЄ ΙЄΡ - ΑϹΥ ΑΥΤ, Γ - y
Tempelkomplex, Propylon, [Tempel, 8-s.]
AE | 28 mm | 15.52 g | 12 h Sofaer 6, Spijk. 11, Rosenberger 9, RPC temp 6560.4, BN onl 41761501-3, Aukt. MüMeBa 41.608
Jahr 93 (189/90 n.Chr.).
8-säulige Säulenfront in korinthischer Ordnung auf gekehlter Basis. Mittig auf doppellagigem Architrav ein ebensolcher schmaler und steiler Dreiecksgiebel, dessen Basisbreite exakt der Weite des mittleren Interkolumniums entspricht. Auf seinem First eine waagerechte Plattform, darauf ein Altar (?). Auf den freien Enden des Gebälks bds. ein zinnenbewehrter Turm, im Raum zwischen dem mittleren Säulenpaar eine Sitzstatue des Zeus nach links.

Rs. RPC 6560.4 ist stempelgleich, die Durchmesserangabe von 20mm kann nicht stimmen. Rs. Spijkerman 19.11 von anderem Stempel (Bau deutlich schlanker). Die Beispiele (#k0203, #k3825, #k5869) aus anderem Prägejahr.
Sofaer zeigt wohl unzweifelhaft eine nach rechts stehende Figur mit einem Speer in der Rechten (in der Beschreibung: "Zeus seated right").

Das Münzbild ist erklärungsbedürftig. Zum besseren Verständnis sollten zumindest die Rs. Sofaer 1 (! vgl. Seyrig 1950, Tf.12.6) und 6, Spijkerman 2, Meshorer Abb. 230 (ohne Bildnachweis) und Abb. 214 (= ANS 1127, Abila, s.Notiz zu #a0964img) zum Vergleich herangezogen werden.
Nach neueren Beschreibungen bildet die Rs. einen Gebäudekomplex im Sinne zB eines hl. Bezirks ab, es wird also nicht die Front eines einzelnen Baus gezeigt; einige Bauteile werden jedoch durchaus unterschiedlich interpretiert. In meinen Augen ist die Prägung wie folgt zu 'lesen'.
Die Säulen stehen (ähnlich dem Propylon in Heliopolis, vgl. #a0445img und #a0628img) für die Kolonnade eines Portiko mit freiem Blick auf das Kultbild. Dieses ist, wie üblich, aus dem Innern des ('verborgenen') Tempels überproportional groß nach vorn in eine erste Ebene gerückt.
Über dem Epistyl des Vorbaus ist ein weiterer Baukomplex plaziert, vermutlich beabsichtigt von der Säulenreihe durch eine durchlaufende (an den Seiten offene !) Kehle abgesetzt; dadurch entsteht augenscheinlich eine weitere 'Bodenlinie', auf der ein Giebeldreieck mit "Aufbau" (oder überschnittenem Turm) in der Mitte und je ein turmähnlicher Bau zu beiden Seiten plaziert sind; allerdings scheint diese 'Bodenlinie' die genannten Bauteile eher zu überschneiden als zu tragen, sie deutet jedenfalls an, daß dieser Komplex im Hintergrund zu sehen ist.
Der Giebel repräsentiert in diesem Fall den sonst nicht sichtbaren Tempel selbst. Daß es sich um einen Giebel (anders RPC 6560: "above (i.e. behind) large conical altar...") handelt, zeigt unzweifelhaft die Rs.Spijkerman 21. Der Giebel ("restricted", "contracted pediment"; Trell, S.35) erscheint überschnitten (s.o.); das allein könnte als Versuch des Graveurs verstanden werden, auf die rückwärtige Position des Tempels hinzuweisen (Trell, S.33: "as if the die-maker intended to say that there was more behind the gate"). Die Beachtung des schon häufig erwähnten Gestaltungsprinzips "nicht auf, sondern hinter" (dazu s. Notiz zu #a0104img) festigt natürlich diesen Eindruck.
Ohne diese Interpretionshilfe wäre die 'Etage' auf dem First des Giebels (Plattform mit Altar oder rückwärtiger Turm, s.o.), weil realiter unmöglich, nicht erklärbar. Es ist die dritte Ebene des Komplexes und könnte dann einen Altar unter freiem Himmel oder eher einen Turm in der rückwärtigen Umfassung des Tempelbezirks, welcher den Giebel überragt, darstellen. Diese Vorstellung wird von handwerklich besser gearbeiteten Münzen (zB Spijkerman 21 und insbes. Meshorer Abb. 230) gestützt. Knapper, aber dennoch eindeutiger wird die rückwärtige Begrenzung des Temenos durch einen einfachen Querbalken zwischen den Türmen (s.u.) angezeigt (Abila, zB. Spijkermann Tf.8.19ff, ANS 1127; vgl. auch Notiz zu #a0188img, Tripolis).
Die beiden Bauteile zu Seiten des Giebels werden einhellig als zinnenbewehrte Türme angesehen - ganz eindeutig dank detailgetreu (ua versetzte Quaderreihen) geschnittener Bilder auf anderen Ausgaben (zB Sofaer 1, Meshorer Abb.230). Nach der üblichen Deutung stehen die Türme in der Ebene hinter dem Portiko, welcher die unteren Turmabschnitte überdeckt. Das entspricht der o.a. Abb.Meshorer 230; da allerdings überschneidet nicht der Portiko, sondern der Tempel selbst knapp, aber deutlich die beiden Türme. Die o.a. ähnlichen Münzen aus Abila dagegen zeigen, wie die Türme, auf eigener Bodenlinie stehend, vor den Seiten des Tempels stehen. Trell (1970, S.35) hält den Unterschied zwischen der vorliegenden Münze und den Prägungen ohne Portiko (Abila und Capitolias) für so groß, daß sie die zinnenbesetzten Aufbauten nicht als überschnittene Türme (so aber noch Trell/1964, S.351 !), sondern als Altäre oder Schreine versteht; diese seien natürlich nicht auf der Kolonnade, sondern (irgendwo) dahinter plaziert. Zum Vergleich zieht sie Beispiele aus Berytos heran (vgl.zB #a0070img, #a0074img, #a0514img) - dort sind die 'Aufbauten' jedoch nicht schmal und hoch, sondern breit und niedrig. Sollte es sich tatsächlich nicht um (teilverborgene) Türme handeln, wäre eine Plazierung von Altären auf einem (allerdings flachen) Tempeldach zwar denkbar, da Opferhandlungen auf Dächern im Orient wohl nicht ungewöhnlich waren; dann jedoch würde die Säulenfront den Tempel mit Flachdach selbst darstellen.
Wie letztlich die einzelnen Teile des Hl.Bezirks zueinander standen und miteinander verbunden waren, kann eine Münzdarstellung wohl nicht sicher ("elsewhere in the sanctuary", Trell S.35) vermitteln. Daß diese Komplexe in Capitolias und Abila jedoch so oder so ähnlich (wie oben versuchsweise beschrieben) ausgesehen haben, ist ua auch durch die Münzbilder des Propylon in Heliopolis einleuchtend; alle erwähnten Münzen sind in diesen Fällen kleine handfeste Belege für den Versuch, weitgehend 'realistische' Bild-Informationen zu präsentieren.

Der Ausgrabungsbefund des Artemisions in Gerasa könnte einen historischen Beleg abgeben: bds. des mittleren Propylons standen zwei Türme (s. Lichtenberger, S.332); maW: einen ähnlichen Bauplan vorausgesetzt (käme auch für Abila, vgl. #a0964img, in Betracht) könnte die Variante mit überschnittenen Türmen das vordere Propylon, die Variante mit flankierenden Türmen dagegen den mittleren Zugang zeigen.

Die Gründung der Stadt erfolgte im ersten Regierungsjahr Trajans, der sich ja überaus dem Jupiter Capitolinus verbunden fühlte. Ob die Namensgebung damit zusammenhing oder ob der Stadtname die Übertragung des semitischen Flurnamens 'Beth Reisha' ist (so Meshorer, S.86), ist unklar.

Literatur:

Trell, B.L.: A further study in architectura numismatica, in: Essays in memory of Karl Lehmann, New York 1964, S. 344-358
Trell, B.L.: Architectura numismatica orientalis, NC 10 (1970), S.29-50, 115 Abb. auf unpag.Taf.
Lichtenberger, A.: Kulte und Kultur der Dekapolis, Wiesbaden 2003
Meshorer, Y.: City-Coins of Eretz-Israel and the Decapolis in the Roman Period, Jerusalem 1985

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23