Start|Kontakt|Suche|Hilfe Deutsch | English
Version 1.1.1Sie sind hier: Startseite>Die Sammlung>im Detail

 Einstellungen

im Detail
Markianopolis/ Marcianopolis (Moesia)
a0842 - Gordianus III
in ex ΑΥΤ•Κ•Μ• / ΑΝΤΩΝΙΟⵎ ΓΟΡΔΙΑΝΟⵎ ΑΥΓ
Büste belorbeert rechts (Gordian), Büste links (Serapis) vis a vis
ΥΠ ΜΗΝΟΦΙΛΟΥ ΜΑΡΚΙΑΝΟΠΟΛΙΤΩΝ - Ε
Stadtmauer
AE | 27 mm | 12.82 g | 1 h AMNG 1167v (Rs.), Hristova/Jekov 46.8v u.9v, Price/Trell 25(Rs.), Varbanov engl. 1970(ff) var
Polygonale Stadtmauer aus schräger Vogelansicht. Von dreizehn Rundtürmen mit Kegeldächern sind im vorderen Abschnitt der Ansicht sechs Türme als solche ausgearbeitet, im rückwärtigen Teil dagegen sind sieben Türme nur schemenhaft abgebildet. Zwischen den Türmen sind die Zinnen jeweils durch einen Punkt angedeutet, zwischen den Tortürmen sind (wohl) vier solcher Zinnen erkennbar. Das Mauerwerk des Tores ist detailliert dargestellt, die vorderen seitlichen Mauerabschnitte sind dagegen nur durch diagonale Striche wiedergegeben. Die Tortürme stehen auf einer Bodenlinie und flankieren ein offenes rundbogiges Tor. Im Tor die Wertmarke "E".
Die Innenseite der rückwärtigen Mauer besteht aus einer dem Münzrund folgenden 10- (oder 11-) bogigen Arkade auf einer durchgehenden Basis. Zentral im Innern steht ein Rundaltar unter freiem Himmel. Dahinter, mit dem First die Basis der Mauer eben überschneidend, ist eine viersäulige Tempelfront mit Dreiecksgiebel, Akroteren und einfachem Fundament zu sehen; im Innern des Tempels steht eine nicht zu identifizierende Kultfigur. Bds. des Tempels scheinen sich gedeckte Kolonnaden anzuschließen; sie sind jedoch eindeutig hinter die Tempelfront plaziert und stellen somit ein eigenständiges Bauwerk dar.

Die Bogenarkaden des rückwärtigen Maueranteils scheinen mir, am ehesten als Unterbau des Wehrgangs, unmittelbar zur Mauer zu gehören; sie können natürlich auch Anbauten an der Innenseite der Stadtmauer entsprechen, so wie sie auch in mittelalterlichen Städten üblich waren. Andere Erklärungen (zB. Schönert-Geiß, S.185: Teil des Forums) sind mE nicht überzeugend. Die schräg verlaufenden Arkaden werden wohl für das Forum stehen, wo auch prominent ein Tempel plaziert ist.

Für die Rs. gab es nur einen Stempel, dagegen wohl drei für die Vs. (mit unterschiedlichen Porträts und Umschriften):
Vs. Typ a) jugendliche Büste des Gordian mit Stempelfehler am Hinterkopf d. Serapis (#k2029, #k4792, #k6476, Hristova/Jekov 46.9, Aukt. Lanz 97.845).
Vs. Typ b) (#k4500, #k4621 = Hristova/Jekov 46.8, #k5908, AMNG 1167, Triton XIV.789, Missere 74).
Vs. Typ c) (diese Münze, #k1476, #k6437, #k9909 = Aukt. Lanz 159.540).

Das erste vollständige Mauerrund zeigt ein republikanischer Aureus (BMCR 4204, Tf.55.14), nachdem ein Mauer-Halbrund schon etwas früher mit Betonung des Bergheiligtums für die Venus Erycina erschienen war (s. Notiz zu #a0994img). Auch die 300 Jahre jüngere Prägung aus Col.Philippensium (#a0625img, s.dort) hebt die Gottheit (nämlich Roma als Sinnbild für den von Rom gewährten Schutz) gewissermaßen aus dem Mauerrund hervor, Tortürme und die rückwärtige Mauer fungieren als Rahmen.
Die einzige, die Stadtmauer Roms selbst betreffende Prägung zeigt (rückwärtig eines Reiterstandbilds) Tor und Mauerteilstück (Augustus: Denar des L.Vinicius C 543, RIC 302, BMCRR 49).
Zu den frühen ähnlichen Münzen gehören die bekannten Stücke aus Emerita unter Augustus und Tiberius (#a0060img, #a0088img, #a0092img, #a0285img), sie betonen das Tor und deuten die Mauer im Hintergrund nur an.
Nichts als das Mauerrund kennzeichnet die Beispiele aus Nikaia (#a0071img, #a0077img, #a0464img, #a0643img); hier scheint es ausschließlich um die Betonung der Wehrhaftigkeit in schlimmen Zeiten zu gehen. Eine besonders eindrucksvolle Prägung, die nicht nur die Stadtmauer, sondern die Stadt selbst innerhalb der Mauern darstellt, kommt unter Philipp I aus Bizye (Price/Trell 24, SMB 18200684); viele Einzelheiten (inklusive eines im Verhältnis unscheinbaren Tempels) sind überaus detailliert vorgebracht, insbesondere aber das prächtige Tor (auch isoliert als GB, s. SMB 18200459 oder als MB, s.#a0768img ). Ähnlich und nicht weniger kunstvoll ist die Ansicht von Amaseia (s.Notiz #a1004img, vAulock 44), wenn sie auch sehr konkret die topographischen Verhältnisse realitätsnah wiedergibt.
Weitere Beispiele für Totalansichten von Stadtmauern: Ephesos (Price/ Trell 518), Pella/ Dium (AMNG III.25, RPC I.1530), Laodikea ad mare (#a0896img, #a0970img; Mauerkrone), die Argentei des 4.Jhdt.
Zu Mauerteilstücken und -abschnitten s. Notiz zu #a0961img.

Die vorliegende Münze zeigt natürlich in erster Linie die Fortifikation, im Gegensatz zu den anderen Beispielen ist jedoch auch das religiöse Element betont dargestellt: der Altar und der zugehörige Tempel stehen im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt.

Literatur:

Schönert-Geiß, E.: Stadtansichten auf antiken Münzen, Das Altertum 42 (1992), S.181-185

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Creative Commons License

Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23