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Rom (Imperium)
a0911 - Septimius Severus
SEVERUS - PIUS AUG
Büste belorbeert rechts
PMTRP XVI / COS III PP - SC
Brücke
As | 24 mm | 9.80 g | 12 h Cohen 523, RIC 786c, BMC 857, Bauten 122, Niggeler 1386
Einbogige (Holz-)Brücke mit zwei gemauerten 'Tortürmen'. Beide (anscheinend dreigeschossige) Türme sind über Eck in die Front des vorderen Brückengeländers gedreht. Die unteren Geschosse ruhen jeweils auf einer einfachen Basis und bestehen aus je drei hohen und schlanken Rundbögen ohne Tore, Zugänge sind nicht erkennbar. Den Bogenscheiteln liegt beidseits ein Sims auf, der das erste vom zweiten Stockwerk trennt. Dieses scheint jeweils arkadenähnlich offen zu sein, es sind eindeutig Säulen mit Kapitellen zu erkennen. Die obersten Geschosse sind wiederum durch Zwischensimse abgesetzt, bds. ist ein flacher rechteckiger Rahmen (Reliefs?) sehr deutlich, aber ohne unmittelbar einsichtige Bedeutung, graviert. Auf der Höhe beider 'Tortürme' kann man wohl Quadrigen von vorn mit angedeutetem Wagenlenker sehen; auf beiden Seiten jedes Gespannes steht eine Figur.
Die Brücke selbst besteht aus einem hochgewölbten Bogen mit einem durch fünf senkrechte Streben getragenen Geländer. Die durch die Streben entstehenden sechs Felder weisen diagonal gekreuzte Balken als Hinweis auf die hölzerne Konstruktion auf. Das Geländer überschneidet fünf Figuren, sodaß nur deren Oberkörper sichtbar sind. Zwischen den Figuren sind weitere vier senkrechte Streben zu sehen, welche ('in der Luft hängend') das rückwärtige Geländer 'stützen'.
Unterhalb der Brücke sind in fast der gesamten Breite Wellen dargestellt, welche ein Schiff mit zwei eben erkennbaren Personen tragen; es handelt sich tatsächlich nicht um einen Kahn, da das Heck deutlich ein aplustre aufweist. Zwei (oder drei) Ruder sind auf anderen Münzen, hier zu erahnen, eindeutig (zB BMC 857, Bauten 122).

RIC 786b (#k8897-#k8900). Vgl. Aukt. NAC 88.293 (#k10818).

Als Anlaß der Prägung wird gern der Britannien-Feldzug der Severer ab 208 n.Chr. vermutet, und es werden verschiedene mögliche Flußübergänge in Betracht gezogen (s. Desnier, S.191f). Allerdings erscheint die Bauweise der severischen Brücke ebensowenig auf einen Brückenschlag im Rahmen eines Feldzugs hinzuweisen wie die sog. Donaubrücke unter Trajan (s.Notiz zu #a0109img). Es ist kaum vorzustellen, daß solche Bauten, rasch und mit einfachen Mitteln errichtet, Triumphbogen - ähnliche Zugänge aufweisen sollten. Stattdessen spricht mehr dafür, daß unter unsicheren Umständen eher Pontonbrücken genutzt wurden. Diese wurden denn auch unverkennbar als solche abgebildet (Caracalla, As ), ebenso wie die mehrbogigen Steinbrücken in gesicherter Umgebung (zB #a0636img, #a0638img, #a0648img). Dazu McKay, S.250: "the bridge seems overly elaborate for such an ephemeral celebration".

Im Bild ist mE eine stadtrömische Brücke, vielleicht eben diejenige unter Trajan. Auch unter Severus ist kein außerrömisches Monument auf stadtrömischen Münzen dargestellt. Daß durchaus gravierende Unterschiede auszumachen sind, kann nicht bestritten werden. Einen augenfälligen Unterschied machen die dreibogigen gegen die einbogigen Brückentore. Aber auch die Brückenbogen selbst scheinen verschieden: hier eine Brücke von geringer Spannweite ohne Tragekonstruktion nur mit beidseitigen niedrigen Geländern, dort eine weit ausladende Brücke mit einem Balkenwerk, welches sogar von manchen als Hinweis auf Bedachung oder gar Doppelstöckigkeit gewertet wurde und wird (s. Notiz zu #a0109img). Besonders wichtig für die Deutung des Bildes ist die geschicktere Ausführung: der Stempelschneider dreht nicht beide Brückentore im Uhrzeigersinn um 90 Grad, sondern nur das rechte Tor. Das linke Tor dagegen wird um einen Viertelkreis nach links geschwenkt. Dadurch werden beide Tore frontalansichtig, der Graveur entgeht dadurch der falschen Plazierung des Brückenbogens oder Geländers (s. Notiz zu #a0109img, vgl. auch #a0994img).
Dennoch weist der jeweilige Gesamteindruck, dazu gehört auch das dümpelnde Boot, auf ein und dasselbe Sujet hin: eine hölzerne ('Fußgänger'-) Brücke mit gemauerten Tortürmen. Die Unterschiede könnten leicht mit der ca. hundertjährigen Lebensdauer, während derer natürlich die ein oder andere Veränderung vorgenommen worden sein konnte, erklärt werden. Ob zB die triumphbogigen Tortürme der severischen Münze tatsächlich im Rahmen der Rückkehr von Caracalla und Geta nach Rom zu Ehren des Septimius errichtet wurden (s.Desnier, S.193: pons Milvius), kann nur vermutet werden.

Literatur:

McKay, A.G.: Art and architecture as Severan coin types, in Heckel, W. und Sullivan, R. (ed.) The Nickle numismatic papers (Nickle conference Calgary 1981), Waterloo(Ontario) 1984, S.241-260
Desnier, J.L.: On the Bridge on a Coin of Septimius Severus, NC 157 (1997), S.191-194, Tf.43

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23