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Nysa-Skythopolis (Samaria)
a0933 - Elagabalus
ΑΥΤ•ΚΑΙ•ΜΑ•Α•ΑΝΤΩΝΙΝΟϹ - ϹЄ
Kopf mit Krone rechts
•ΝΥϹ• - (•ϹΚΥ•) / •ΒΠϹ•
Tempel, 4-s., Tyche
AE | 24 mm | 10.41 g | 12 h Barkay 67a, Spijkerman 50, Rosenberger 50, SNG ANS 1051v, Lindgren I A2436Av
Jahr 282 (218/9 n.Chr.).

4-säuliger korinthischer Tempel mit 'syrischem Giebel' auf 2-stufiger Basis. In den Zwickeln ein Punkt. Unter dem Bogen steht Tyche mit Langszepter in der Rechten und mit Füllhorn in der Linken nach rechts, den linken Fuß auf Flußgott.

Rs. Spijkerman 49 gleicht Nr. 50, scheint jedoch falsch beschrieben ("Nike on column"; dieses Detail ist tatsächlich mE jedoch nur bei der Nr.33, Commodus, eindeutig erkennbar) und von Barkay (S.87 u.S.219, Nr.67 u. Tf. 9) so übernommen.

Barkay 67 (u. Sofaer 39) Vs.: belorbeert.

Die Abbildung paßt zu dem archäologischen Befund eines mutmaßlichen Tychaions in Form eines 4- säuligen Podiumtempels mit halbrunder Cella oder Apsis ((( ).

Nur ein einziges Mal kommt der (ältere) Stadtname 'Skythopolis' nicht in Verbindung mit 'Nysa' vor (unter Caligula: Barkay 8, RPC 4829). Der jüngere Name der Stadt, die als einzige der Dekapolis westlich des Jordans liegt, weist auf die Amme des Dionysos: Nysa (zur Namensgeschchte u. Mythologie s.Lichtenberger, S.129ff). Dionysos war offenbar die Hauptgottheit des Ortes - ohne numismatischen Hinweis auf einen ihm gewidmeten Tempel.

Es sind drei Architekturmotive der Stadt bekannt, nämlich zwei Bogenbauten, zwei- und viersäulig, sowie ein viersäuliger Tempel mit 'syrischem Bogen' und Giebeldach. In einem solchen sind eine stehende Tyche (etwas mißverständlich bei Lichtenberger, S.143: "Tempelfront mit Giebel") bzw. eine Sitzstatue des Zeus abgebildet, während unter den Bögen ausschließlich Tyche postiert ist. Die Münzen mit 'Zeus-Tempel' wurden nur unter Antoninus Pius und Lucius Verus (*) geprägt, die Bögen dagegen nur für Faustina II bzw. unter Commodus, die Stücke mit 'Tyche im Tetrastylos' schließlich von Caracalla (also deutlich später) bis zum Ende der Prägetätigkeit unter Gordianus. Ob diese Abfolge der Tempelmotive mehr als zufällig ist, scheint angesichts des spärlichen Materials nicht zu klären.

Dagegen ist auffällig und erwähnenswert, daß die beiden Prägungen mit Zeus im Tempel die einzigen Ausnahmen in der Region darstellen, welche die Gottheit mit einem 'syrischen Giebel' verbinden; üblich dagegen sind klassische Tempelfronten mit Dreiecksgiebel für Zeus und Tempel mit 'syrischem Bogen' für ua Tyche. R.Barkay (S.144), Überlegungen von Kadman (1962) und Trell aufnehmend, meint nicht wenig spekulativ, die Prägungen mit Zeus "can be related to a renovation of his temple, in the course of which the facade was furnished with a Syrian arched gable" - dafür gibt es unter den steinernen Relikten des Tempels keine Hinweise. Ebensowenig ist die Meinung der Autorin (S.145) gesichert, alle größeren Stücke seien "struck for festive occasions" und speziell "No.14 was issued in connection with renovations of the temple of Zeus". Darüberhinaus mutmaßt die Autorin (S.138 im Zusammenhang mit dem Fund eines Tyche-Torsos im Theater der Stadt (**), die Münzabbildungen von Bögen zeigten vermutlich "only a niche..., perhaps one of those in the theater". Das ist nicht unmöglich. Es wäre dann aber zu folgern, daß viele (oder gar alle?) Bögen mit Götterstatuen (anderer Prägestätten) beliebige Vorbilder im Figurenschmuck von Theatern, Bädern, öffentlichen und privaten Gebäuden haben könnten, anstatt streng auf den örtlichen (oder überörtlichen) zugehörigen Tempel hinzuweisen.

Nach meiner Meinung gibt es zwei nicht auszuschließende und zwei naheliegende Möglichkeiten, die Bögen auf Münzen zu deuten: einerseits könnten sie nur als Rahmen für ein Bild (ohne weitere 'Funktion') verwendet sein; eher ebenso selten werden die Bögen real existierende Bauten aus Bereichen wiedergeben, welche nicht dezidiert zu einem Tempel gehören (s.o., Barkay S.138).
Am häufigsten, so schon A.D.Alt, S.85, s.u. Lit.), werden die Bögen als Bauten aus dem Innenraum von Tempeln (zB Nischen, 'Kapellen', Naiskoi, Aedikulae; s. Notiz zu #a0659img) interpretiert (als Alternative auch von Barkay, s.o.); das würde wohl bedeuten, daß neben der Hauptstatue einer Gottheit im Innern eines Tempels dieselbe Gottheit an anderen Stellen des Tempels verehrt worden wäre oder daß sogar andere Götter einen Platz (gewissermaßen in einem fremden Haus) gefunden hätten. Darüberhinaus erscheint mir aber eine vierte Erklärungsmöglichkeit nicht abwegig: wenn man einem Tempel mit 'syrischem Bogen' die Giebelschrägen, die Stufen und die äußeren Säulen nimmt, bekommt man ein Bogenbauwerk als pars pro toto für den Tempel selbst (***). Es gilt heute ja allgemein als übliche Arbeitsweise der Graveure, im 'Bedarfsfall' nicht unbedingt erforderliche Informationen weglassen zu können; zum andern muß das Argument des Raumgewinns zum Zwecke besserer Darstellungsmöglichkeiten, welches kaum widersprochen zur Erklärung des 'syrischen Bogens' angeführt wird, auch hier greifen.

(*) Lichtenberger kennt nur die Prägung für L.Verus (S.144): "sonst fehlt Architekturdarstellung"; das ist nicht richtig und rührt vermutlich daher, daß er nur Spijkerman 13 beachtet. Unter dieser Nummer ist ein trotz mäßiger Erhaltung unverwechselbares Stück unter Lucius Verus (!) kopiert - mit dem Verweis auf Rosenberger (13), der es richtig Antoninus Pius zuordnet; das ist durch eine besser erhaltene und wohl stempelgleiche Münze (Barkay 14) bestätigt.
(**) nach Lichtenberger S.153 fehlen dem Torso die "Beine vom Oberschenkel aufwärts" (!).
(***) Die Tatsache, daß nur sehr spärliche archäologische Hinweise auf derartige Tempelfronten gefunden wurden, macht angesichts der hohen Zahl an Münzbildern mit Bögen ((s. ) nachdenklich . ((s.

Literatur:

Alt, A.D.: Verbreitung und Herkunft des syrischen Tempeltypus, Palästinajahrbuch des Dt. Evang. Inst. für Altertumswissenschaft 16 (1920), S.83-99 (nicht numismat.)
Barkay, R.: The Coinage of Nysa-Scythopolis (Beth-Shean), CNP 5, Jerusalem 2003

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23