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Anazarbos (Kilikia)
a0973 - Alexander Severus
ΑΥΤ Κ ΜΑ ϹЄΟΥ ΑΛЄΖΑΝΔΡΟϹ
Büste belorbeert rechts
ΑΝΑΖΑΡΒΟΥ
Propylon (sonstige Monumente, Aquaedukt)
AE | 33 mm | 17.86 g | 7 h vgl. Ziegler 546v = Price/Trell 81v, vgl. Ziegler 641v(Rs) = SNG Levante 1450v
Offenbar sind drei Rs.Stempel in verschiedenen Kombinationen mit drei Vs.Stempeln publiziert. Auch wenn sich die Bilder nicht unerheblich voneinander unterscheiden, ist wohl anzunehmen, daß es sich um denselben Bau handelt:
a) Ziegler 641 (Abb.Rs.) = SNG Levante 1450; Aukt. G&M 121.326 (#k4252) in exzellenter Erhaltung mit Vielzahl von Einzelheiten, aber Vs.Stempel Ziegler V6 (wie Ex. c)
ba) Ziegler 546 (V3) = Price/Trell 81 (Rs., = BM oh.Abb.) und bb) Ziegler s.u. (= Leypold 2255.1), Varianten ba mit Abb. eines Wassergottes, bb zusätzlich mit Niken.
c) der obige Rs.Stempel (nicht b.Ziegler) mit Vs. Ziegler V6; das einzige von mir im Netz gefundene hervorragend erhaltene weitere Ex. (#k0389) hat jedoch die Kombination dieser Rs. mit Vs. Ziegler V5.

Die vorliegende Rs. wird mittels des besser erhaltenen stempelgleichen Ex. #k0389 beschrieben:
Der Gesamtkomplex ruht auf durchgehender Bodenlinie und besteht aus (scheinbar) drei Stockwerken. Der untere Abschnitt besitzt vier wohl ionische Säulenpaare, jeweils auf einer doppelstufigen Basis. Jedes Säulenpaar trägt ein Epistyl. Die Räume zwischen den Säulenpaaren werden von fünf Bögen überspannt, von denen die äußeren durch den Münzperlkreis abgeschnitten sind (diese Bögen 'hängen in der Luft'); in der Bildsprache ist dies der Hinweis darauf, daß die Münze nur einen Ausschnitt des Bauwerks wiedergibt. Der zentrale Bogen ist etwa doppelt so hoch wie die untereinander gleich hohen anderen Bögen und scheint seinerseits von einem weiteren Bogen überwölbt zu werden (s.u.). Innerhalb der Säulenpaare sind, hier nur noch schemenhaft ganz rechts zu sehen, hohe Rechtecke graviert; sie bezeichnen Türen.
Das mittlere 'Stockwerk' besteht aus einer Perlschnurreihe, die mittig unterbrochen und bds. nach distal zu den Füßen des großen Bogens hin abgeknickt ist. Zusammen mit diesen Peerlschnur-Enden scheint der große Bogen den Balken über den mittleren Säulenpaaren aufzuliegen - das gut erhaltene Vergleichsexemplar #k0389 läßt jedoch erkennen, daß Bogen und abgeknickte Perlschnurreihe die Epistyle nicht wirklich berühren.
Das obere 'Stockwerk' besteht aus einem gemauerten Mittelbau, ebenfalls nur scheinbar dem Bogen der mittleren Ebene aufsitzend. Er wird bds. von je einem Säulenpaar mit flachem Bogen flankiert, und er überschneidet eine weitere Perlschnurreihe, die den Scheiteln der beiden Bögen aufliegt. Die Hälften dieser (der oberen) Perlschnurreihe und das Gesims des Mittelbaus tragen jeweils einen Kegel (Dächer?) und diverse Figuren.

Den Stempelvarianten b) scheint die mittlere 'Etage' zu fehlen. Ich denke aber, daß die beiden oberen 'Etagen' sozusagen zusammengedrückt sind und dadurch einige Komponenten fehlen. Insgesamt erscheint die Rs. technisch ansprechend, aber detailarm geschnitten, wogegen die oben beschriebene Variante c) unbeholfener, aber detailreicher wirkt.
Die Stempelvariante a), als Vergleichsexemplar dient die hervorragend erhaltene Rs. (#k4252), ist sicher am sorgfältigsten gearbeitet; daß damit auch eine engere Realitätsnähe verbunden ist, ist nicht zwingend. Die untere 'Etage' entspricht vollständig der Stempelvariante c). Das mittlere Stockwerk dupliziert ohne Verbindung die untere Bogenreihe und ersetzt dadurch die Perlschnurreihen. Die beiden bei Variante c) freistehenden Bögen sind hier überschnitten gezeichnet, sie gehören damit also eindeutig nicht in diese zweite Ebene.

Es ist keinesfalls denkbar, daß uns eine der Varianten die Front eines einzelnen Gebäudes zeigt, in diesem Format müßte es zusammenbrechen. Insbesondere legen die o.g. Überschneidungen nahe, daß die Stempelvarianten a) und c) jedenfalls drei Ebenen, die hintereinander plaziert vorzustellen sind, übereinander abbilden ("above instead of behind"). Darüberhinaus ist eindeutig, daß wir nur einen Ausschnitt aus einer breiteren Front sehen.

Der Figurenreichtum läßt ua an der überkommenen Deutung des Baues als Aquaedukt, bis heute in Auktionskatalogen wiederholt, zweifeln. Die Fehlinterpretation fußt vermutlich auf dem Bild des Wassergottes bei Variante b (Ziegler 546). Der Aufbau (mit Kegel, hier eben erkennbar) wird in dieser Ansicht zB von Price (Architecture, S.38) nicht ohne Phantasie als "sluice gate or settling tank" (sog. 'Schütz', d.i. ein Regulierungsschieber, oder 'Absetzbecken') erklärt.
Ziegler erwähnt kurz andere Deutungsmöglichkeiten, neigt jedoch zu einem monumentalen Vorbau (s.u. S.120f) ohne archäologisches Äquivalent am Ort.
Da dieser Baukomplex ausschließlich auf den o.a. aufgeführten Münzen Alexanders erscheint, wäre es denkbar, daß er unvollendet und deshalb spurenlos geblieben ist.

Literatur:

Ziegler, R.: Ergänzungen zum Münzcorpus der Stadt Anazarbos in Kilikien, JNG 48/9 (1998/9), S.101-132, 39 Abb.i.T.

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23