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Mallos (Kilikia)
a1022 - Gallienus
IMP C LIC GALLIENUS AUG
Büste mit Krone rechts
MALLO - CO -LONI - A, S - C
Tempel, 4-s., Nemesis / Invidia
AE | 28 mm | 13.83 g | 6 h SNG France 1937,
4-säuliger korinthischer Tempel auf 3-stufiger Basis. Weit auseinander gerückten Säulenpaaren liegen kurze Epistyle auf, verbunden durch einen halbkreisförmigen Bogen, auf dessen Scheitel eine Kugel (Globus). Akrotere fehlen ebenso wie Giebelschrägen; der vorhandene Teil des Gebälks ist in drei Faszien angelegt.
Unter dem Bogen steht Nemesis mit Stab ihrem linken Arm und mit Waage in der Rechten (*), zu ihren Füßen das Rad. Es ist möglich, daß vor der zweiten Säule von links ein Altar steht (s. Aukt. Naumann 57.470, ebnefalls keine Waage zu sehen), hier infolge des Defektes nicht nachweisbar.

SNG France bds. stempelgleich (und ebenfalls ausgebrochen), jedoch als "distyle" (!) beschrieben.

Ähnliche (tetra- oder selten hexastyle) Darstellungen sind gehäuft im Vorderen Orient/ Levante, gelegentlich in Asia, aber auch in Europa zu finden, zB Abila (Sofaer 12), Amaseia (SNG France 989, Dalaison 463), Anthedon (Sofaer 1), Berytos (zB #a0070img), Diokaisareia-Sepphoris (#a0727img), Esbous (#a0929img), Gadara (Sofaer 95), Kapitolias (Sofaer 11), Korinthos (SNG Cop 361), Makedonia (AMNG III.2, S.15 u. Tf.V.2), Tarsos (#a0579img), Byblos (hexastyl, s. Notiz zu #a0905img).

Diese Prägungen erinnern natürlich an den 'syrischen Giebel' - ohne Dreiecksgiebel.
In diesem Zusammenhang ist eine frühe Prägung mit 'syrischem Bogen' aus Gaba (Antoninus Pius, Sofaer 29) hochinteressant: die Schräggiebel sind strichförmig (!) graviert und nur mit Mühe zwischen Münzrand und massiv gezeichneten Bogen gezwängt. Eine zweite derartige Prägung habe ich bisher nicht gesehen. Es ist offenbar, daß der Stempelschneider die Schrägen unbedingt ins Bild bringen wollte, auch wenn sie im Vergleich mit Bogen und Epistyl kaum noch zu erkennen sind. Wie konnte es zu dem Problem kommen? Es fällt auf, daß Basis und Epistyl bis an den Münzrand heranreichen und daß auch zwischen Bogenscheitel und Rand nur minimal Raum bleibt. Für eine umlaufende Legende ist demnach kein Platz, Ethnikon und Jahreszahl sind im Abschnitt untergebracht. Ebensowenig ist aber auch Platz für die Giebelschrägen, sodaß sie, gerade noch als dünne Striche, den Bogen bds. tangential berühren.
Mit etwas Phantasie kann man sich vorstellen, wie vielleicht ein kluger Kopf unter den Graveuren erkannt hat, daß man die beabsichtigte Botschaft (das prominente Götterbild) auch ohne Giebelschrägen ins Bild setzen konnte. Jedenfalls ist das Stück aus Gaba bemerkenswert, es könnte einen Zwischenschritt zwischen vollständigem 'syrischen Giebel' und einer seiner Schrägen beraubten Fassade dokumentieren.

Archäologische Belege für die Existenz von Tempelfassaden in dieser Gestalt gibt es mW nicht, wogegen das Auslassen von (uns wichtig erscheinenden) Einzelheiten zweifellos gang und gäbe war (s.Notiz zu ).
Interessant ist auch die Prägung aus Side (s. Notiz zu #a0457img), welche nicht einen Dreiecksgiebel über der gesamten Tempelbreite, sondern nur steile Giebelschrägen über dem mittleren Säulenpaar aufweist; diese Schrägen liegen einem Bogen an, der ebenfalls das zentrale Interkolumnium überspannt. Es ist möglich, daß damit die kegelförmige Bedachung eines Rundtempels gemeint sein soll (vgl. #a0804img, ebenfalls eine Kugel auf der Kegelspitze); es könnte aber auch sein, daß diese ungewöhnliche Darstellung eine weitere (**) Zwischenstufe in der 'Entwicklung' zwischen Dreiecksgiebel (mit 'syrischem Bogen') und letztlich dem zweisäuligen Bogen bildet.

Als letzter Ort erhielt Mallos den Status einer Kolonie unter Severus Alexander; die vorliegende Prägung ist die letzte der Stadt - mite ienm bis dahin nicht verwendeten Motiv.

(*) so RPC im Text, die Abb. läßt aber keine Waage erkennen.
(**) virtuelle Zwischenstufe, historische Belege gibt es wohl nicht.

Lit.: s.Notiz zu #a0559img

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Zuletzt geändert am: 2017-12-01 12:16:23