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Augusta Traiana (Thrakia)
a0021 - Lucius Verus
ΑΥ ΚΑΙ Λ ΑΥΡΗ - ΛΙΟϹ ΟΥΗΡΟϹ
Büste rechts
ΗΓΕ ΤΟΥΛ ΜΑΞΙΜΟΥ ΑΥΓΟΥϹΤΗϹ / ΤΡΑΙΑΝΗϹ
Tor, dahinter 3.Turm, Stadtmauer
AE | 29 mm | 22.13 g | 2 h = Varb.bulg. 96, Varb.engl. 919v, RPC temp 10337.2v = Schönert 79/1v, Yale 2004.6.927
Geschlossenes rundbogiges Stadttor mit zwei Rundtürmen; in der Mitte über dem Tor ein 3. Turm, welcher von der Tormauer überschnitten wird. Alle Türme weisen jeweils auf einer Brüstung drei Zinnen auf und haben im oberen Drittel ein Rundbogen"fenster". Der mittlere Turm hat keine strukturelle Verbindung zur Mauer, sodaß davon auszugehen ist, daß er im Hintergrund steht, zB als Andeutung einer Stadtmauer oder eines Zwingers.

Auch aus statischen Gründen ist es wohl unmöglich, daß ausgerechnet der höchste Turm auf dem Tor lasten sollte. Beispiele dafür aus der mittelalterlichen Burgenkunde sind sehr selten (nicht zu verwechseln mit Tortürmen, bei denen das Tor in den Turm integriert ist).

Die beiden seitlichen Türme stehen halbrund/rund (Schönert: quadratischer Grundriß) oder weiter vor der Fluchtlinie der Mauer; der Graveur deutet dies damit an, daß die einfache Basis der Türme die Tormauer überschneidet. Eckige Türme scheinen mE sonst mit durchgehenden senkrechten Linien seitlich abzuschließen.

Stempelgl. Au Lanz 117.806
Vs.stempelgl. Schönert 87/ V34 (R 69, nicht abgebildet); Vs.stempelgl., Rs. von geringfügig unterschiedl. Stempel (#k6455, #k6749).
Ref. u. RPC Ex.1-5 mit nackter und belorbeerter Büste (u. jeweils geringfügig unterschiedl. Rs.)
Vgl.Rs. Varianten Caracalla (#a0045img), Plautilla (#a0027img), Alexander Severus (#a0377img). Ähnliche Rs. auch aus Nikopolis (zB Macrinus, #a0098img).

Alle Münzen sollen dasselbe Tor ins Bild setzen, darüberhinaus lassen sich offenbar anhand der Torgestaltung nach Schönert-G. (S.44) drei Bauphasen unterscheiden: 1. Rundbogen, darin das eigentliche Tor mit geradem Sturz (Ant.Pius bis M.Aurel, #a0552img, Sturz leider kaum zu erkennen). 2. einfacher (#a0093img) oder doppelter Rundbogen (bis Anfangszeit des Sept.Severus, #a0023img). 3. einfache oder gedoppelte rechteckige Torrahmung (#a0027img, #a0045img, #a0377img, #a0748img). Die Autorin (1988, S.14f) vermutet eine "realistische" Abbildung verschiedener Tore der Stadt: " Keines dieser Stadttore ähnelt dem anderen, ...so verschieden voneinander, daß man absolut sicher gehen dürfte, in ihnen jeweils die Wiedergabe der Realität erkennen zu können" (S.15, Anm.39).

Ein Hof im Sinne eines mittelalterlichen Zwingers mit einem zweiten, ebenfalls mit Türmen versehenen Tor ist von griechischen oder hellenistischen Stadtzugängen bekannt, gut erhalten zB in Messene oder in Perge. Bogige Fenster, erheblich größer als echte Schießscharten, in den oberen Etagen von Stadttoren sind häufig (zB Porta Nigra); das mag überraschen, weil diese Fenster fortifikatorische Schwachstellen darstellen, ist jedoch offenbar abhängig von der Position des Tores im Gesamtverband der Abwehranlage. Eigentliche (Stadt-) Tore an exponierter Stelle haben diese Fensterbögen nur in sehr großer Höhe und vereinzelt (zB Porta Appia/ S.Sebastiano der aurelianischen Mauer in Rom). Tore in zweiter Reihe oder solche mit geringerer Abwehraufgabe (Tore von Landgütern, innerstädtisch als Zugänge zu einem Tempelbezirk wie zB in Sufetela/Sbeitla o.ä.) oder völlig freistehende (extra muros) Ehrentore/ -bögen (zB zur Begrüßung des Kaisers errichtet wie in Patara, Ariassos, Gadara) erscheinen viel weniger wehrhaft, manche besitzen sogar ganze Arkaden in/ auf der Tormauer (s. Notiz zu #a0122img).

Fast alle Münzen dieses dreitürmigen Stadtmauern-Typus (sonst nur in Nikopolis, s. #a0098img, #a0231img) haben auf der Tormauer im Gegensatz zu den zweitürmigen Toren keine Zinnen, wohl aber gelegentlich ein- oder zweistöckige Galerien (ua #a0552img). Es erscheint zweifelhaft, daß diese Galerien von der Innenseite der Stadtmauer aus gesehen sind (vgl. Schönert/ 1988, S.15, Anm. 40); der mittlere Turm wäre dann, einzeln stehend oder im Verbund mit einem Zwinger, dem eigentlich Tor vorgelagert - nicht undenkbar, aber bisher archäologisch nicht nachweisbar.

Ob die Tore geschlossen oder offen dargestellt sind, scheint ganz allgemein für keine Deutung signifikant; zumindest sind historische Bezüge nicht erkennbar (unsichere - sichere Zeiten; s. Blanchet, S.2).

Diese Münze mit dem auf der Tormauer aufsitzenden Turm ist ein Beispiel für die Möglichkeit in der antiken Bildgebung, ein Bauglied zu zeigen, welches sich in Wirklichkeit gestaffelt hinter oder neben dem im Vordergrund dargestellten Monument befindet (Beispiele ua #a0070img, #a0104img, #a0430img). Beispielsweise verwandelt sich, wenn es die Kunst verlangt, auf diese Weise eine Quadriga in Frontalsicht in eine vermeintliche Biga: die Köpfe der äußeren Pferde erscheinen über denen der mittleren (#k3388).
In nicht weiter verkürzbarer Weise wird hier also mehr als ein Tor, nämlich eine Stadtmauer gezeigt.

Die Stadtmauer wurde erst in den Jahren des Marc Aurel (#a0552img) errichtet.

Literatur:

Schönert-Geiß,E.: Die Münzprägung von Augusta Traiana und Traianopolis, Berlin 1991
Schönert-Geiß,E.: Die Befestigungsanlagen von Augusta Traiana.., Berliner Numismat. Forsch. 2 (1988), S.9-15, Tf.1

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Zuletzt geändert am: 2013-04-08 19:30:49