22/3 n.Chr. unter Tiberius.
'Altar' mit hoher trapezförmiger Basis ohne Stufen, dazu spiegelbildlich das Kopfprofil, darauf bds. Altarhörner, dazwischen die Focusplatte. Zwischen den ungegliederten Seitenwänden in ganzer Höhe eine Doppel-Flügeltür (Scheintür).

Es ist jedoch nicht der eigentliche Altar abgebildet, sondern die Vorderseite der Umfassung eines unbedachten Heiligtums; in dessen Mitte ist der hier nur durch eine Platte angedeutete "Hofaltar" vorzustellen. Es liegt nahe, daß es sich bei dieser Baugestaltung um einen spezifischen Typus von Heiligtümern unter offenem Himmel handelt (vgl. "ara pacis" beim Grabmal des Augustus in Rom); nach Auskunft der Münzbilder waren Altäre dieser Art Salus, Pax, Virtus, Providentia, Pietas gewidmet. Diese Deutung ist schon seit weit über einem Jahrhundert veröffentlicht (zB. Kubitschek, S.156 u.164) und wohl auch unbestritten.

Vorbild für eine Reihe späterer Prägungen mit zT detailliert ausgearbeiteten Schauseiten (vgl. "Providentia": Emerita #a0099img, As Vespasian #a0256img; "Virtus": Asses Domitian #a0237img, #a0321img; "Pietas": Asses Faustina I #a0222img, #a0224img; "Consecratio": Sesterz Faustina II #a0141img), aber auch in reduzierter Form auf kleinen und/ oder späten Prägungen (zB. #a0146img, #a0154img). Davon sind diejenigen Altäre, auch auf größeren Münzen, zu unterscheiden, die anstelle der "Tür" zB eine Legende (#a0012img, #a0424img) tragen. Die überwiegend provinzialrömischen Kleinbronzen mit oft stereotyp dargestellten Altären (zB #a0022img, #a0580img) sind in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung, da sie keinerlei Zuweisung erlauben.

Es liegt nahe, daß Tiberius hier die Nachfolgeentscheidung (Providentia, kluge Voraussicht) des Augustus rühmen will. Die Münze als politisches Instrument soll insofern die Legitimation des neuen Kaisers stützen.

Literatur:

Kubitschek, W.: Die Münzen der Ara Pacis, Jahreshefte des österr. archäolog. Institutes 5(1902), S.153-164