Die Deutung des seltsamen Gebildes auf dem First eines 4-säuligen Tempels (Varianten: auf einer altarförmigen, mit einer 4-säuligen Tempelfront geschmückten Basis, #a0284img, #a0299img; 2- säuliger Tempel auf gemeinsamer Bodenlinie, #a0455img vor Objekt; Basis ohne Tempel, #k0301) scheint unverändert völlig offen: Baitylos, Bienenkorb, Schlägel, Schröpfkopf, Omphalos, "gedrungener Obelisk" ua, neuestens (Amandry, so auch Draganov, S.146-8) Fontäne oder Brunnen (Meta sudens). Bei genauer Betrachtung sind alle Vorschläge doch eher nicht überzeugend, insbes. auch die heute häufig zitierte Interpretation von Amandry: die von ihm herangezogenen Münzen aus Korinth (RPC II.160f; vgl. Nikopolis/ Epirus RPC III.523, SMB 18216044) lassen nämlich deutlich erkennen, daß dort der fragliche Gegenstand innerhalb (!) einer Umfassung ruht und insofern der Meta sudens (zB Price/Trell 113) ähnlich ist (vgl. auch Notiz zu #a0676img, Patras), während alle Beispiele aus Deultum auf (!) einem Stand (Tempel, Sockel) plaziert sind (*); darüberhinaus ist das Objekt dort kegelförmig, in Deultum imponiert aber besonders die rundbauchige Form.
Auch meine Meinung, darin eine Art Karaffe, ein Behältnis mit einem Stöpsel zu sehen (zB ein Salbgefäß als pars pro toto für kultische oder medizinische Vorgänge im Tempel), trifft nicht auf alle Varianten zu.
Die Variante Maximus (#a0455img) zeigt einen 2-s. Tempel 'vor' (!) einem Gebilde, welches einem modernen Schröpfkopf ähnlich sieht; davon unabhängig zeigen nur wenige antike Münzen überhaupt einen Schröpfkopf (Aigiale/Amorgos (BMC 2f, Weber 4615), Epidauros (BMC 12ff), Astakos (o.Abb.) - allerdings dem hier in Frage stehenden Objekt völlig unähnlich.

Keiner der zitierten Erklärungsvorschläge bietet letztlich eine Deutung für den offenbar nicht unwichtigen Zusammenhang mit den Tempelabbildungen ("...might be intended to represent a nymphaeum.", so K. Butcher, S.126 in Besprechung der ua aufgeführten Lit., mE nicht nachvollziehbar; s.Notiz zu #a0607img), geschweige denn eine solche für die bei genauer Betrachtung doch erheblichen Unterschiede. Diese Unterschiede verbieten anzunehmen, daß es sich um ein und dasselbe Objekt handelt. Es scheint mir wahrscheinlicher, daß die Münzbilder Varianten von (im Tempel verwendeten) Objekten einer 'Gattung' spiegeln.

Da dieses Münzbild ausschließlich auf Prägungen aus Deultum vorkommt, ist natürlich anzunehmen, daß ihm eine besondere (lokale) Bedeutung zukommt.

CFPD bedeutet Colonia Flavia Pacensis Deultum, Ansiedlung von Veteranen unter Vespasian, Standort für die Leg VII Augusta.

Bds. stempelgleich (#k0669), stempelgleiche Rs. kombiniert mit Vs. Philippus II (#k0359), ähnliche Rs. für Philippus II (belorbeert #k1455, bekront #k1454).

(*) m.a.W.: wohin fließt das Wasser?

Literatur:

SNG Bulgaria. Bobokov Collection. Thrace & Moesia Inferior. Vol. 1: Deultum, Ruse 2005
Draganov, D.: The Coinage of Deultum, Sofia 2007
Jurukova, J.: Die Münzprägung von Deultum (Griech.Münzwerk), Berlin 1973
Butcher, K.: Besprechungen der o.a. Lit. in Schweizer Münzblätter 240 82010), S.126-128