2-säuliger korinthischer Tempel auf einfacher Basis, kannelierte Säulen, Akrotere, im Dreiecksgiebel Adler. Im Innern Kultbild der Artemis Pergaia (s.Fleischer, S.233ff) zwischen Sphingen auf Podesten (Türsteher), darüber Mondsichel und Stern. Am Simulacrum selbst figuraler Schmuck auf zwei Friesen, von unten nach oben: drei tanzende Figuren, Querband, Rechteck mit bzw. ohne Querband (darin Halbmond, Scheibe, diverse Ornamente), Halsschmuck (Collier), Kopf mit Polos. 2 Kugeln auf den Schultern bei (#a0238img, #a0542img). Perlschnurartige Umhüllung (Schleier) von Kopf bis Fuß (Basis) auf den KB (#a0238img, #a0427img).

Variantenreiche Rückseiten von 2-säuligen und sporadisch 4-säuligen Tempeln teils mit ionischen, teils mit korinthischen Kapitellen : Domitian (#a0713img), Trajan (#a0261img, #a0373img, #a1065img), Marc Aurel (#a0472img), Elagabal (diese), Maximinus (#a0067img -ionisch, #a0542img -korinthisch), Tranquillina (#a0563img), Philipp sen. (#a0564img; #a0870img tetrastyl), Philipp jun. (#a0688img), Otacilia (#a0028img), Gallienus (#a0124img, #a0156img), Salonina (#a0480img, #a0695img), Aurelianus (#a0900img, #a0977img), vorrömisch (#a0238img, #a0427img). Ab Domitian wurde durchgehend, ausgenommen unter Traianus Decius und Claudius II., das Bild der pergeischen Artemis geprägt. Bis zu Antoninus Pius wurde das Idol mit der Rs.Legende "Artemidos Pergaias" unter der Autorität des Heiligtums ('Tempelstadt') geprägt, später wurde überwiegend die obige Umschrift "Pergaion") durch die Stadt (-verwaltung) selbst, insbesondere für weitere Kulte (zB Tyche #a0547img, #a1043img), verwendet (s. Nollé, S.294).

Bei dem Kultbild sebst wird es sich um ein 'Xoanon' (s. Notiz zu #a0152img), zB mit Goldblech belegt, gehandelt haben, so wie es von mehreren anderen Idolen bekannt ist (ua Artemis von Ephesos, Zeus von Labranda, Artemis von Magnesia). Das pergeische Idol wurde im Laufe der Jahrhunderte recht unterschiedlich ins Bild gesetzt, wie schon die Beispiele der Sammlung zeigen; ua lassen sich auf zwei bis fünf Friesen verschiedene Tanzszenen erkennen, die Darstellungen von begleitenden Figuren (Niken, Sphingen) können ebenso wie diejenigen von Mantel und Kopfbedeckung deutlich variieren.

Die viersäulige Tempelfront ist sehr selten (s.Notiz zu #a0870img).
Interessant ist eine seltene Variante unter Tacitus (2 Varianten: zB SNG France 622, SNG Pfalz 458, #k0801; eine der letzten provinzialen Architekturdarstellungen) wegen einer gitterartigen Absperrung, welche zwischen den beiden äußeren (!) Säulen verläuft und somit das innere Säulenpaar überschneidet. Diese beiden (mittleren) Säulen sind außerdem kleiner (die Kapitelle sind im Vergleich mit den äußeren Säulen tiefer gelegt) und schmaler. Das bedeutet, daß die Säulen, vom Graveur so gewollt, eindeutig nicht in einer Ebene stehen. Sensu strictu handelt es sich also offenbar nur scheinbar um einen Tetrastylos, stattdessen um einen (kleinen) Tempel mit Satteldach auf vier Säulen.
Auch die Darbietung des Kultbilds durch die sitzende Tyche (s.Notiz zu #a0866img) ist ausgesprochen selten. Das ist umso verwunderlicher, als andere Städte ihr Idol im Kleinformat doch immer wieder einmal von einer Gottheit darbieten lassen (zB auf Homonoia-Prägungen).

Zwar ist das so gestaltete Kultbild typisch für Perge und mit einigen Abweichungen auch für einige andere, wohl ausschließlich in Pamphylien und Pisidien gelegene Städte (*). Es wurden aber von vorrömischer Zeit an durchgehend bis Saloninus auch Münzen mit der klassisch griechischen Artemis als Jägerin in Perge geprägt, überwiegend auf kleinen und mittleren Nominalen (einige GB, zB SNG France 533, 561); ein anschauliches Paar sind die Stücke für Salonina (SNG vAulock 4740 und 4741) - Belege für das Bestreben, westliche und östliche Überlieferungen zu vereinen (**).
In der vorrömischen Zeit wurden die Tetradrachmen mit klassischem Artemiskopf für den Fernhandel verwendet, die Kleinbronzen (#a0238img, #a0427img) mit dem bodenständigen Kultbild hauptsächlich im lokalen Handel (so J.Nolle, in Stephanos nomismatikos, S.511).

Perge war die letzte provinzialrömische Münzstätte außerhalb Ägyptens (unter Tacitus, s.o.). Das Rs. Motiv wird vom 2.Jhdt. v. Chr. bis zu Tacitus fast durchgehend verwendet; es gehört damit zu den am längsten verwendeten Architekturabbildungen.

(*) zB Andeda, Aperlai, Ariassos, Attaleia, Isinda, Pednelissos, Pogla, Selge; vgl. #a0169img, #a0352img, #a0369img, #a0474img, #a0516img, #a0565img, #a0586img, #a0596img; Sibidunda ? #a1037img.
(**) Beide Artemis-Gestaltungen sind auch außerhalb der Numismatik zu finden (s. Zisa, S.40). Die Autorin (s. S.41) hält es für gut denkbar, daß das pergeische Simulacrum, wenn auch als archaisierend, so doch nicht wirklich als archaisch zu sehen ist.

Literatur:

Fleischer, R.: Artemis von Ephesos und verwandte Kultstatuen aus Anatolien und Syrien, Leiden 1973
Nollé, J.: "Panegyris Coinages" - Eine moderne Geisterprägung, Chiron 44 (2014), S.285-324