Oktogonale 'vogelperspektivisch' dargestellte Stadtmauer auf Bodenlinie mit zinnentragenden Rundtürmen in den Ecken und zwei sich gegenüberliegenden offenen Rundbogentoren. Über dem vorderen Tor sind 3 Bögen (besser: #a0071img, Arkaden?) zu sehen, ähnlich denen bei zB (#a0035img), deren Bedeutung unklar ist. Darüber eine zinnentragende Verbindung zwischen den Tortürmen. Die kugeligen Gebilde (bes. deutlich bei #a0071img; "spherical balls", ebenfalls mit unklarer Bedeutung, Donaldson, S.385), sind mE nur Äquivalente für Zinnen.
In diesem Fall kommt der 'perspektivische' Eindruck durch den schrägen Blick aus halber Höhe und durch die Höhenreduzierung der entfernten Türme und Mauern zustande.

Bds. stempelgleich: SNG Cop, vAulock, CNG e160.159 und RG (Abb.Rs.)., die übrigen Ref. von anderen Stempeln (ua Vs. "TIT").

Vgl. Valerian, Quietus (#a0071img), Gallienus (#a0643img), Salonina (#a0464img), unter andern Prägeherren kommt diese Rückseite nicht vor. Alle Rs. cum grano salis gleichartig, nur bei Gallienus sind Figuren (#a0643img, vgl. #k3007) bds. neben dem vorderen Tor, das durch einen Querbalken (Sturz) segmentiert ist, zu sehen.

Eine von zwei Münztypen der Stadt für Macrianus, in Kleinasien ist außerdem nur noch eine Prägung aus Antiochia/Pis. (Standarten) bekannt.

Stadtmauern mit Toren, teils als Stadtmauernrund, finden sich ua auf Münzen aus Ake-Ptolemais, Anazarbos, Athen, Bizye (#a0768img, #a0887img), Bura, Col. Philippensis (#a0625img), Emerita (ua #a0285img), Caesarea Germanica, Laodikeia (#a0896img), Markianopolis (#a0842img), Nikaia, Pautalia, Pella, Rom (#a0994img, Considia), Sardes.
Stadtmauern ohne Tore: Amaseia (#a1004img, #a0103img4), Anchialos (#a0044img, #a0417img), Augusta Traiana (A0419, #a0545img, #a0882img, #a0946img), Panormus (#a0710img), Pautalia (#a0915img), Serdika (#a0086img), Tarsos (981); vgl. Isaura (#a0102img5), Side (#a0997img).

Die Stadt, nach der Frau des Lysimachos benannt, wurde 258 von den Goten geplündert, die Mauern weitgehend geschleift. Es ist nicht vorstellbar, daß die riesige Anlage, wie sie heute noch zT. zu sehen ist, innerhalb von 2 Jahren hätte wiederaufgebaut werden können. Tatsächlich erfolgte die Fertigstellung erst Jahre später (*), sodaß diese Münzen, im Rahmen des Zugs von Macrianus in Richtung Rom 261, wohl eher einem propagandistischen Zweck (Ausdruck des Reichswillens zur Verteidigung gegen die angreifenden Stämme; s.Weiser, s.u., S.89-91). Dazu könnte passen, daß die Prägungen ausschließlich die Befestigungsanlage abbilden, nicht aber Bauten aus dem 'zivilen' und religiösen Bereich städtischen Lebens (vgl. die Stadtdarstellungen mit Ringmauern: Markianopolis, Bizye, Amaseia). In diesem historischen Zusammenhang ist die Ausgabe von Bildern noch nicht fertiggestellter Bauten besonders gut verständlich: die Münzprägung geht (im Dienste der Propaganda) in jedem Fall schneller vonstatten als der Bau einer Stadtmauer (A.Cheung, s.u., S.57), und das 'numismatische' Versprechen von Sicherheit geht (nicht anders als heute) sozusagen leichter über die Zunge als die Umsetzung im Gelände.

Zwischen Nikaia und Nikomedia gab es einen dauernden Wettstreit um die Führungsposition in der Region, wie auch vielfach andernorts (zB. Smyrna-Pergamon, Thessalonike-Beroia). Deshalb nannte sich Nikaia, obwohl ihm im Gegensatz zu Nikomedia nie eine Neokorie zugesprochen worden war, «ΠΡΩΤΗ ΠΟΛΙΣ» (in Bithynia) uä.

(*) Zu "Projektierte Bauten" (Rom und Westen) s. Prayon (1982) und Fishwick (1984).

Literatur:

Cheung, A.: The Political Significance of Roman Imperial Coin Types, Schweizer Münzblätter 48-49 (1998-9), S.53-61
Johne, K.-P. et al. (Hrsg.): Deleto Paene Imperio Romano: Transformationsprozesse des römischen Reiches ..., Berlin 2006
Krzyzanowska, A.: Macrianus, usurpateur du temps des guerres Perses, dans les èmissions monétaires; Revue Numismatiques 6/15 (1968), S.293-6
Weiser, W.: Katalog der Bithynischen Münzen der Sammlung ..., Bd 1 Nikaia, Köln 1983 (Papyrologica Coloniensia Bd.9)