Podiumstempel in (vermutlich) korinthischer Ordnung über Eck nach links mit sechs Säulen seitlich. Satteldach, Dachdeckung durch balkenartige Streben zwischen First und Traufe angedeutet. Dreistufiger Aufgang. In der Front Sitzstatue des Zeus (oder der Actia, so BMC nach dem Vergleichsexemplar der Plautilla, s.u.), welche - bei aufmerksamer Betrachtung - von einem Segmentbogen auf zwei Säulen und eigenem Boden gerahmt wird; die Basis der äußeren linken Säule stünde dann allerdings fälschlich eine Stufe zu tief. Deshalb könnte die schmale rechte Säule der von mir prima vista als Umrahmung verstandenen Komposition auch ein Langszepter (so BMC, s.o.) darstellen; in dem Fall jedoch hätte sich der Stempelschneider noch mehr vertan, insofern, als dann der Bogen nur links einer tragenden Säule aufliegen würde.

Nicht in den Corpora.

Wahrscheinlich handelt es sich bei Calomino Nr.258 (bzgl. des Porträts ua als commemorative Prägung für Augustus identifiziert) um ein noch schlechter erhaltenes (und deshalb falsch identifiziertes) Exemplar aus identischen Stempeln. Die vorliegende Münze jedenfalls steht der Annahme des Autors (S. 266f) entgegen, der Tempel sei im Zusammenhang mit seiner Fertigstellung unter den Severern (und im Zusammenhang mit der Hochzeit von Caracalla und Plautilla) erstmals abgebildet worden (*).

Ähnliche, aber doch strukturell unterschiedliche (Säulenzahl, Front, Kultbild, Umgangstempel) Rs. mit anders angeordneter Legende für Plautilla: BMC 39, Karamesine-Oikonomidou (Tf 42.176), Missere Tf.15.153, Price/Trell, Katalog-Nr.139 (oh.Abb.). Eine sehr ähnliche Prägung ("identical temple", Zachos, S. 272), jedoch mit Apoll statt mit Zeus/ Aktia, ist aus Korkyra bekannt; der Autor schließt daraus auf die Arbeiten eines Wander-Graveurs (s. auch Calomino, S.266).

Zu frontalen Bogen in über Eck dargestellten Tempeln s. Notiz zu #a0652img.

Sollte die Interpretation der Statuenumrandung im Sinne eines Schreins für das Zeus (?)-Bild zutreffen, könnte diese (sehr selten gewählte!) Problemlösung auch dazu dienen, die 'syrischen Bögen' besser zu verstehen: diese scheinen ja in den frontalen Ansichten, unter Unterbrechung des Architravs, reales Bauelement der Tempelfront zu sein; als solches aber wird der 'syrische Giebel' archäologisch nur vereinzelt gefunden. Deshalb ist, wie schon häufig geäußert, als sehr naheliegend anzunehmen, daß die Stempelschneider auf diese Weise das im Dunkel des Tempels verborgene Kultbild in den Vordergrund gehoben haben; der Bogen ist dann nichts anderes als die Reminiszenz an zB eine conchenartige Nische. M.E. hat der Künstler mit der vorliegenden Münze eine eindrucksvolle, wenn auch nicht ganz exakte Lösung gefunden; vgl. dazu die Darstellung eines Schreins innerhalb eines (tragbaren) 'Tempels' mit Dreiecksgiebel (! #a0763img).

Die Stadt wurde nach Actium von Augustus gegründet.
Hier fanden hier Schüler Epiktets Zuflucht, nachdem Philosophen von Domitian aus Rom 'verbannt' worden waren.

(*) auch andere ebda. fixierte Gedanken sind angesichts der früheren Prägung nicht zu halten.

Literatur:

Calomino, D.: Nicopolis d'Epiro. Nuovi studi sulla zecca e sulla produzione monetale. BAR Int.Studies 2214, Oxford 2011
Karamesine-Oikonomidou, M.: Η Νομισματοκοπια της Νικοπολεως, Athen 1975 (non vidi)
Kraay, C.: The Coinage of Nicopolis (Review), NC 136 (1976), S.235-247