8-säulige Tempelfront in der Rechten der Stadtgöttin, in ihrer Linken das Füllhorn, zu ihren Füßen ein Altar.
Tempelmodell?

Varbanov: diese Münze (Abb. bearbeitet = 'gerundet'), Schönert (= Burrell, S. 237, Typ 3) von anderem Stempel (Tempel kleiner, Leg. verschieden, nicht bei Pick).

196 n.Chr. 1.Neokorie nach der Kapitulation von Byzanz, mit deren Vergabe wie gewohnt auch das Recht auf Festspiele (s.Notiz zu #a0534img: Severeia, Philadelpheia, Aktia, Pythia - alle 4 Jahre im Wechsel, s. Schönert, S.51f) verbunden war.
Da die 2.und 3. Neokorie unter Elagabal und Alex. Severus infolge der jeweiligen damnatio erloschen war, erscheint die 4.Neokorie unter Gordian auf dessen Münzen natürlich als 2.Neokorie.
Die Stadt erhielt das Recht auf einen Kaiserkulttempel für die Unterstützung, die sie Septimius Severus in seiner Auseinandersetzung mit Pescennius Niger gewährt hatte. Diese Protektion dauerte an, wie man leicht an der großen Zahl, an der Qualität und an dem Variantenreichtum (insbes. auch von großen Münzen, "Medaillons", zB Taten des Stadtgründers Herakles) der Prägungen erkennen kann.
Ob der Tempel tatsächlich in natura 8 Frontsäulen (so auf den meisten Münzen, s. #a0305img, #a0492img) besaß, ist, wie so oft, ungewiß. Auf einigen Münzen sind nur 6 Säulen, an den über Eck vis a vis dargestellten Tempeln (2.Neokorie) nur 4 Säulen (#a0534img) zu sehen, bei diesen aus technischen Gründen leicht verständlich.

Tempel, von Gottheiten gehalten oder dargeboten, erscheinen auch in Aigeai (SMB 18234458), Ankyra, Lesbos (#a0706img), Nikomedia (#a0390img, #a0646img, #a0780img), Philippopolis, Side (#a0471img, #a0805img), Smyrna (#a0347img, #a0899img, #a1007img), Tarsos (#a0612img). Vermutlich (?) handelt es sich bei der vorliegenden Abbildung um Tempelmodelle in Verbindung mit einem Götterstandbild, jedoch ohne den Gestus der Darreichung oder "Übergabe": ua Nikomedia (#a0496img), Tarsos (#a0691img).
Sehr selten (abgesehen von der ephesischen Artemis) ist die Präsentation des Kultbildes (anstelle des Tempels?), zB in Perge (s.Notiz zu #a0866img); vgl. auch Präsentation des M.Argaeus durch die personifizierte Cappadocia.

Weit überwiegend sind Tychen oder die Hauptgottheit der Stadt (Nikomedia: Demeter) als tempeltragende Gottheiten abgebildet; dennoch ist dieses Attribut im Vergleich mit den konventionellen Charakteristika ausgesprochen selten. Es ist deshalb naheliegend, für alle derartigen Emissionen besondere Anlässe anzunehmen, sei es, daß die Tempel nur projektiert oder versprochen waren (Modelle im eigentlichen Sinn), sei es, daß der Vorgang der Übereignung ins Bild gesetzt werden sollte (vgl. Pick, S.15f).

Im Unterschied zu diesen Tempelmodellen, die offenbar fast alle im Zusammenhang mit Neokorievergaben stehen (Ausnahme zB #a0706img), gibt es wohl auch Miniaturtempel oder modellartige Darstellungen von Tempelanlagen (zB Neapolis #a0306img, #a0342img ua), die beispielsweise bei Prozessionen mitgeführt wurden, vgl. tragbare Schreine (Notiz zu Paltos, #a0671img).

Literatur:

Pick, B.: Die tempeltragenden Gottheiten und die Darstellung der Neokorie auf den Münzen, in: Jahreshefte des österreichischen archäologischen Institutes Bd 7 (1904), S.1-41; Abdruck in B.Pick: Aufsätze zur Numismatik und Archäologie, Jena 1931, S.61-99 u. Tf.3 u.4
Schönert, E.: Die Münzprägung von Perinthos, Berlin 1965