Einbogige (Holz- ?) Brücke mit einem entfernten Brückenturm links und einem vorderen mit rundbogigem Eingang rechts, auf beiden Türmen eine Gruppe von 3 Statuen (Trophäe, Hercules, Adler; Hill, S.86). Zum vorderen Turmtor führt eine dreistufige Treppe. Der hintere Turm steht auf einem Pfeiler (Widerlager für den Brückenbogen), auf dem in einer Art perspektivischer Sicht die Unterseite der Brücke gezeigt wird (bes. deutlich ua #k2654). Auf gut erhaltenen Münzen sind die quer zur Brücke liegenden Bohlen leicht erkennbar. Die Brücke selbst besteht aus dem unteren Bogen, der den Gehweg trägt, durch 7 (Dupondius: 5) senkrechte Streben mit der Tragekonstruktion, dem 2. "Bogen", verbunden. Der 3. "Bogen", wohl nur scheinbar durch ebensolche Streben mit dem "mittleren Bogen" verbunden, stellt mE die andere, vom rechten Tor aus gesehen rechte Seite der Brücke dar (Prinzip "above instead of behind", dazu s. Notiz zu #a0104img); er überschneidet fälschlich den hinteren Torturm (vgl. ähnlich ungeschickte Darstellung einer Mauer mit Türmen, Denar Considia, s. Notiz zu #a0994img).
Das Bild wird durch einen spiegelbildlich verlaufenden Bogen von Wellen (Kette oder Tau ??), auf denen ein Nachen dümpelt, abgerundet - eine beeindruckend in das Münzrund eingepaßte Szene.

Das Münzbild vereint verschiedene Blickwinkel: der rechte Torturm ist über Eck nach vorn gedreht und wendet dadurch dem Betrachter seine Frontseite zu; gleichzeitig wird die Brücke von unten betrachtet mit Blick auf einen Teil der Unterkonstruktion des Gehwegs; weiters wird, wie häufig, ein rückwärtig gelegener Abschnitt oben aufgesetzt (s.o.); und letztlich wird der Gesamtkomplex auch teilweise aus schräger Vogelperspektive (das Boot) gesehen.

Vgl. Dupondius mit nahezu identischer Darstellung (#a0630img).

Weitere Brücken auf Münzen: Ake-Ptolemais (Sofaer 218, Tor?), Alexandria/Troas (#a0666img), Antiochia/Kar. (#a0638img), Buthrotum (Price/Trell Abb.80, Aquaedukt?), Constantinopel (#a0517img), Hadrianopolis/Thrak. (2 Varianten: #k3905, #k9411, #k7013 = CNG e277.105; Jurukova 227), Dorylaion (vAulock/Phryg. II.241), Mopsos (#a0636img, #a0648img); Rom: ua Septimius Severus, As (#a0911img), diverse Medaillons, vgl. die Rarität RIC 142 (Denar Augustus; Auktion Roma Numismatics XIII.753).

Insbesondere die oben angedeutete Interpretation der Bögen mag anfechtbar erscheinen; in der Literatur wird dagegen überwiegend von einer 'gedeckten' zweigeschossigen oder doppelstöckigen (ua Küthmann/Overbeck, S.63f bis ins Jahr 2017: Aukt. Lanz 164.171) Brücke gesprochen. Was aber bedeutet 'gedeckt' (dh wo ist das Dach?)? Inwiefern und wozu, in der Antike völlig unüblich, sollen zwei Etagen dargestellt sein? Davon abgesehen wäre zu erwarten, daß ein solcher Brückentypus auch andernorts im Bild erscheinen würde, das ist mW nicht der Fall. Andere Brücken auf Münzen (vgl.dazu #a0911img, As für Septimius Severus: Verdeutlichung durch Darstellung von Personen zwischen den Bögen bzw. #a0638img Antiochia: Torbau zwischen den Geländern) sind allesamt mit einfachen Geländern abgebildet. (*)

Die gesamte Konstruktion ist typisch für eine Holzbrücke, allenfalls mit steinernen Tortürmen und Brückenpfeilern. Jedenfalls kann mit dieser Darstellung nicht, auch nicht symbolhaft ("symbol to represent the...bridges built over the Danube river", Tamaenko, S.206), die immer wieder bemühte "Donaubrücke" dargestellt sein. Die von Trajan nach 103 n.Chr. über die Donau (bei Drobeta) gebaute Brücke, wie sie auf der Trajanssäule abgebildet ist, besitzt eine hölzerne fast waagerechte Balken-Konstruktion auf 20 Steinpfeilern und keine Bögen. Andere im Rahmen von schnellen militärischen Aktionen errichtete Übergänge waren natürlich meist Pontonbrücken und werden ganz sachgerecht auch als solche dargestellt (auf Münzen ua KHM Wien 12186; s. Estiot, mehrere Abb.). Sollte es sich unabhängig davon um eine Steinbrücke an anderem Ort gehandelt haben, wäre sie selbstverständlich auch als solche geschnitten worden (vgl. #a0636img, #a0638img, #a0648img). Außerdem kann es sich nur um eine 'Fußgängerbrücke' gehandelt haben, ansonsten die bei allen Varianten vorhandenen Treppenstufen unsinnig wären; auch angesichts der insgesamt auffällig realistischen Darstellungen auf trajanischen (**) Architekturmünzen, die im übrigen ausschließlich (!) stadtrömische Bauten wiedergeben, können die Stufen nicht anders gedeutet werden. Dieses wäre ein Argument für die häufige Annahme, daß es sich um eine Reminiszenz an den Pons sublicius (i.e. "Brücke mit (Holz-) Pfählen unter Wasser") handeln könnte, der immer und gänzlich nach einem Orakelspruch aus Holz gebaut werden mußte (und auch immer hölzern war), jedoch nicht ausdrücklich als Fußgängerbrücke überliefert ist.

Sollte es sich tatsächlich um eine Tiberbrücke in Rom (zZt Trajans wohl insges. 6) handeln, kann sie nur erheblich verkürzt (ein Bogen als pars pro toto) dargestellt sein, weil trotz der geringen Breite des Tibers der Brückenschlag in einem Bogen nicht möglich war (der pons Fabricius hatte zwei Bögen à 24,50 m Spannweite). Angesichts der technischen Möglichkeiten wurden größere Spannweiten nur in exzeptionellen Fällen angestrebt und auch verwirklicht (zB Cendere, Alcantara mit 30 m, die Kuppel des Pantheon als Maximum überspannte ca. 40 m, Holzkonstruktionen kamen sicher nicht auf viel mehr als 20 m). Ich neige zu dieser Ansicht (verkürzt dargestellte Tiberbrücke), weil die Abbildung einer kleineren, eher wenig wichtigen Brücke (***) vermutlich nicht die Aufmerksamkeit, die zu einer Münzprägung führt, geweckt hätte. Einer gelegentlich vertretenen rein symbolischen Interpretation kann man nicht folgen, da Bilder von Brücken in der Ikonographie der Münzen nicht wirklich präsent sind; außerdem gibt es keinen belegbaren Hinweis auf das, was die Brücke denn symbolisieren sollte (vermutungsweise ua: die allgemeine Bautätigkeit Trajans, so Marzano, S.137 m.Lit.)

Nicht nur ist die Interpretation insgesamt strittig, auch für die Einzelaspekte gibt es teils mehrere Erklärungsversuche. Beispielhaft sei der Wellenbogen unter der Brücke angeführt: dabei könnte es sich auch um eine Kette handeln, an der sich der Fährmann mittels des rechts am Boot erkennbaren Hakens entlang hangelt (so Hefner, S.170 Anm.300); es könnte auch das Ufer (von Pfeiler zu Pfeiler ??) repräsentieren (s. Literaturliste: Schörner, S.112 ) uam.

Es scheint so, daß die Stempelschneider dieses Motivs gelegentlich in der numismatischen Literatur ungerecht beurteilt werden - die immer wieder vorgebrachte "Donaubrückentheorie" verkennt angesichts der überaus detailreichen Darstellung die Tatsache, daß die Graveure durchaus in der Lage waren, die Brücke wirklichkeitsnah (Trajanssäule!) darzustellen. Dabei steht es weniger zur Debatte, ob die (heute wohl nicht zu identifizierende) Brücke realistisch gezeichnet ist oder nicht; dem antiken Zeitgenossen muß angesichts der diversen individuellen Einzelheiten jedenfalls klar gewesen sein, welcher Bau in oder um Rom gemeint war.

Abschließend möchte man sich gern - generell auch auf andere fragliche Darstellungen bezogen - dem Resumee von Liegle (S.214) anschließen, es sei generell "kein entscheidender Gegengrund" gegen eine Interpretation, wenn man "auf Identifizierung und literarische Bestätigung verzichten muß" (s.Notiz zu #a0011img).

(*) Ganz unzutreffend ist die Deutung als gedeckte Brücke im Falle des As unter Septimius Severus (s.Notiz zu #a0911img).
(**) im kaiserzeitlichen Rom wurden überhaupt nur stadtrömische (incl. Ostia) Bauwerke auf Münzen wiedergegeben.
(***) "gedeckte Brücke für den Fußverkehr" außerhalb der Stadt (Liegle, S.214).

Literatur:

Estiot, S.: De l'or pour quels braves? Le type monétaire de la "Traversée de l'empereur" et la logistique fluviale et maritime des campagnes militaires impériales, in (ed.) Reddé, M. et al.: De l'or pour quels braves! Soldes, armées et circulation monétaire dans le monde romain, Actes de la table ronde 2013, Ausonius Scripta Antiqua 69, Bordeaux 2014, S.243-280, Abb. i.T.