Lugdunum.

Aufsicht auf den Hafen (Claudius) von Ostia. Das Münzbild zeigt rechts und links jeweils einen Abschnitt von Kai (oder Mole), dem Münzrand angepaßt und damit das reale (eher dreieckige) Hafenrund andeutungsweise wiedergebend. Im oberen Münzsegment ist die Hafeneinfahrt (mit Wellenbrecher u. Leuchtturm) zu sehen, im unteren Segment ist die Hafenmauer unterbrochen und läßt Raum für die überlebensgroße Darstellung einer liegenden Figur (s.u.). In Einfahrt und Hafenbecken sind acht Schiffe und Boote unterschiedlichen Typs zu erkennen.
Der Kai auf der linken Münzhälfte trägt an seinem meerzugewandten äußersten Ende ein Gebäude mit Satteldach und seitlichen Säulen; mehrere Varianten lassen vor der Gebäudefront eine opfernde Figur erkennen, sodaß eine sakrale Deutung des Baus naheliegt.
Nach distal zu ist eine Reihe von Säulen zu sehen, die paarweise (Blick von der Münzmitte aus) jeweils den Eingang von Hafenbauten (Speicher, Verwaltung uä) wiedergeben. Der Stempelschneider zeigt klar, wie alle Bauten ganz sachgerecht auf dem Kai stehen.
Dagegen weist der Hafenabschnitt auf der rechten Münzseite überhaupt keine Gebäude auf. Es sind nur wasserseitige Anlagen zu sehen, die schwierig zu deuten sind. Das meerseitige Ende des Kais geht rechtwinklig in eine kurze aber massive Mole über; in deren Schutz folgen nach unten drei Paare von wasserseitig offenen U-förmigen Werken, unterbrochen von jeweils einem zum Hafenbecken hin spitzen Dreieck. Die Mole als Wasserbrecher ist einfach zu verstehen, ansonsten ist in der Literatur von Hellingen/ Werftanlagen, Piers, sogar Buhnen (im Hafenbecken?) und Duckdalben ua zu lesen.
Die Hafeneinfahrt wird bei zwölf Uhr von einer dem Meer abgewandten Statue mit Lanze (Dreizack?) und wohl Patera beherrscht; sie steht auf einer zweistöckigen nach oben abgestuften Basis von rundem Grundriß (vgl. Leuchtturm von Laodikea, #a0654img). Die große Figur im unteren Münzsegment liegt nach links in der Art eines Flußgottes, die Rechte auf ein Ruder gestützt, mit der Linken einen Delphin umfassend. Die Deutung beider Figuren ist umstritten (Giardina, S.150): zB oben Neptun (Cohen, RIC, Sydenham), Augustus (Richard), Claudius als Grundsteinleger (Banti/ Simonetti) - unten Tiber (Cohen, RIC, Sydenham), Neptun (Mattingly/ BMC), Oceanus oder Hafengott (Imhoof-Blumer/ Fluß-u.Meeresgötter).
Im Hafenbecken liegen vier Frachtschiffe mit gerefften Rahsegeln, sowie zwei kleinere Boote ohne Mast. Zwei Kriegsschiffe fahren in Richtung offenes Meer. Andere Varianten zeigen ein noch lebendigeres Bild: Schiffe unter vollem Segel, Löschen von Ladung, Auswerfen eines Netzes. Bei den Frachtschiffen scheint es sich um seegängige 'corbitae' zu handeln, das sind Einmaster mit einer Großrah und (hier nicht abgebildet) einem Vorsegel. Bei durchschnittlich 25 m Länge ü.A., 7 m Breite und 16 m Kiellänge ergab sich eine Ladungstragfähigkeit von 130 t (Standardfrachter des 2.Jhdts. waren mit mindestens 340 t bemessen). Eine 'corbita' ist somit einer etwas überdurchschnittlich großen Hansekogge mit 110-130 t vergleichbar. Ein Küstenfrachter ('oraria navis', um 70 t) ist dagegen deutlich flacher, gestreckter und ohne hochgezogenes Heck gebaut. Die Segelfläche von Groß- und Vorsegel betrug etwa 150 qm und ermöglichte - unter guten Bedingungen - eine Reisegeschwindigkeit von eben 5 Kn.

Das Münzbild gibt den tatsächlichen Baubestand zZt der Indienststellung des "Portus Romae" wieder (dazu s. Vierweg, S.265-7): der Leuchtturm wurde auf einer künstlichen Insel, entstanden durch Auffüllen (mit cementum) eines auf Grund gelegten Obeliskentransporters, errichtet; diese wurde später in Etappen durch eine Mole mit dem im Münzbild linksseitigen Kai verbunden. Nach 12 Jahren Bauzeit umschloß das Hafenbecken eine Fläche von fast 70 Hektar, zZt Neros wurden allein 500000 Tonnen Getreide umgeschlagen. Allerdings war ein totaler Schutz vor Unwettern infolge der immensen Fläche nicht wirklich gegeben, sodaß im Jahr 62 über 200 Schiffe im Hafen während eines Sturmes untergingen. Unter Traian wurde auch deshalb ein weiteres (sechseckiges) Hafenbecken angegliedert, erheblich kleiner und dadurch besser geschützt ("Portus Traiani", zB Sesterz Banti 82ff, #k7168, #k4022).

(( Prägejahr und Anlaß für die Prägungen: Propaganda, ein Hafen voller (Getreide-) Schiffe nach dem großen Brand (s.Boyce, S.75ff).

Vgl. #k09962.

Hafen auf Münzen: Aegina (Imhoof-Bl./Gardner Tf.L.1), Ake - Ptolemais (Price/Trell 480), Caesarea-Germanica (RG 5; BMC Tf.26.10; #k1409), Ephesos (BN, Pensa/porti Fig.16), Korinthos/ Kenchrai (Imhoof-Bl./Gardner Tf.D.LX.5, RPC IV temp 5098, BCD 667), Mothone (Imhoof-Bl./Gardner Tf.P.VIII.6), Narbo (RPC I.518, #a0992img), Pagai (SMB, Pensa/porti Fig.13), Patrai (MFA 64.153; Imhoof-Blumer/ Gardner Tf.Q.XXI.8, XXII.7, XXIII.9, RPC IV temp 5235), Pompeiopolis (ANS 1944.100.54319), Rom (Nero, s.o.; Traianus), Side (BMC Tf.28.19; vAulock 4857), Vienna (RPC I.517). ((

Zu Häfen auf nichtnumismatischen Bildträgern (Mosaiken, Gemmen, Malereien ua) Pensa s.u.

Literatur:

Boyce, A.A.: The Harbor of Pompeiopolis. A Study in Roman Imperial Ports and Dated Coins. AJA 62 (1958), S.67-78, Tf.10-15
Pensa, M.: Moli, fari e pescatori, Rivista archeologica 23 (1999), S.94-130
Rickman, G.E.: Portus in Perspective in (ed.) A.G.Zevi u. A.Claridge: Roman Ostia Revisited, Rome 1996, S.281-291
Viereck, H.: Die römische Flotte, Herford 1975