Stadttor, von zwei leicht vorspringenden Rundtürmen ohne Bedachung flankiert. Das Mauerwerk besteht aus versetzten Quadern, im oberen Teil (noch eben erkennbar) von hohen Rundbögen (Galerie) unterbrochen. Trotz durchgehender Bodenlinie ist leicht zu sehen, daß die abgeschrägte flache Basis des linken Turms die untere Quaderreihe der Tormauer überschneidet; dadurch wird dem Betrachter verdeutlicht, daß die Türme aus der Flucht vorragen.
Das untere Drittel der Tormauer besteht ebenfalls aus versetzten Quadern und wird von einem offenen Tor mit Rundbogen und Schwelle durchbrochen; ein Fallgitter reicht bis zu halber Torhöhe. Bds. des Tores sind zwei Reliefs in die Mauer eingelassen, rechts die drei Grazien, links der thrakische Reiter.
Das mittlere Drittel der Tormauer wird von einem Band gebildet, dessen Struktur (auch nicht auf anderen Abb.) nicht zu deuten ist. Darüber liegen zwei Lagen nicht gegeneinander versetzter Quadern.
Die untere Lage des oberen Drittels ähnelt dem Gebälk eines klassischen Tempels mit angedeuteten Triglyphen und Metopen (?). Darauf ruht eine Arkade aus sieben hohen Bögen, jeweils von einer Figur besetzt. Das abschließende Gesims ist durch eine Perlschnurreihe angedeutet.
Unmittelbar auf dem Sims stehen außen je eine Figur: die linke scheint einen Speer zu schleudern, in der rechten erkennt Jurukova Artemis mit Köcher (S.93). Zwischen den Figuren steht - auf eigener Basis - das Standbild einer nach rechts galoppierenden Quadriga mit einem Wagenlenker (Nike?).

Von anderem Rs.Stempel: Imhoof-Blumer/Nymphen, Tf.11.23, Jurukova 94.

Bis in die Einzelheiten, inklusive der Figuren, ist dasselbe Stadttor (Varbanov: Triumphbogen!) abgebildet, wie es auf der Totalansicht der Stadt (SMB 18200684 = Jurukova 135 = Varbanov 2002.1721 = Liegle 34 = Price/NC 1971,Nr.3) zu sehen ist. Vgl. auch die anonyme (pseudoautonome) Darstellung (#a0768img) und das Ex. Pozzi 2682 (Septimius Severus).

Die Tatsache der wiederholten exakten Wiedergabe von Einzelheiten des Tores läßt vermuten, daß hier tatsächlich einmal mehr eine weitgehend (soweit vom Medium Münze zugelassen) detailgetreue Architekturdarstellung vorliegt. Wie schon in der Notiz zu (#a0768img) erwähnt, entspricht allerdings die Position der Quadriga wohl nicht der Realität: die vom oberen Sims abgesetzte Basis soll verdeutlichen, daß die Figurengruppe sicherlich nicht auf dem Tor, sondern realiter zB hinter dem Tor zu suchen ist (Grundsatz "above instead of behind").
Die Reliefs in der Torwand, Grazien und Reiter (s. Boteva), sind typische Bestandteile für die thrakische Ikonographie (auf Münzen, Votivtafeln ua) und könnten als Apotropäen gedacht sein (so Jurukova, S.8); sie sind jedoch nicht an dem (wohl) identischen Tor, ausgegeben unter Caracalla (Winterthur 1172), zu sehen.

Die Münze zeigt (ebenso #a0768img, #a0868img), daß Galerien / Arkaden nicht auf die Tore in Anchialos (so Elkins, S.160f) beschränkt sind.

Literatur:

Boteva, D.: Abbildende Darstellungen des thrakischen Reiters: Analyse einer Datenbank, in (ed.) L.F.Vagelinski «The Lower Danube in Antiquity, Okt.2005», Sofia 2007, S.201-215
Imhoof-Blumer, F.: Nymphen und Chariten auf griechischen Münzen, JIAN 11/ 1908, S.1-213, Tf.1-12
Jurukova, J.: Die Münzprägung von Bizye, Griechisches Münzwerk, Berlin 1981