Strat. M.Caerelius Attalus.

Auf gemeinsamer Bodenlinie stehen sich, jeweils über Eck gesehen, zwei korinthische Tempel mit je fünf frontalen Säulen gegenüber. Beide Tempel ruhen auf je auf einem hohen (wohl mehrstufigen) Sockel und weisen an den Längsseiten ebenfalls fünf Säulen auf. Die Dächer werden durch zwei in etwa ortgangsgerechten Gittern mit 3x4 Feldern dargestellt. First und abgewandte Schräggiebel beitzen Punkt- und Strichdekor. Schilde in den Giebelfelder, Firstakrotere. Zwischen den beiden Tempeln das Ethnikon in 4 Reihen. Darüber ist ein 4-säuliger korinthischer Tempel auf 2-stufiger Basis in Frontalansicht mit First- und Eckakroteren abgebildet; im Giebeldreieck "AN", im weiten Interkolumnium eine Sitzstatue des Zeus Asklepios (?) nach links (auf besser erhaltenen Stücken: mit Schlange und Stab).

Vs.: Gegenstempel 'Kranz'.

Bds. stempelgleich: BMC 327 (= vFritze/Pergamon 8.16), SNG Cop 500 (= vFritze/Nomisma 2, Tf.3.21).
Alle übrigen Ref. von anderen Rs.Stempeln (Ethnikon nur zweireihig "ΠЄΡΓΑ - ΜΗΝΩΝ"): ua SNG Fr 2227-9 von drei differierenden Stempeln. Ein weiterer Rs.Stempel mit diesem Ethnikon weist den frontal dargestellten Tempel mit sechs Säulen aus (Aukt. Stack 192.11072, bearbeitet?); ANS 1944.100.43357 (= Burrell Typ 23k, Abb.57 = Trell, NNM 1945, Tf. 9.4).

Die beiden über Eck dargestellten Tempel sind, auch wenn kein unmittelbarer Hinweis auf dieser Münze vorliegt, als die ersten beiden Neokorie-Tempel zu identifizieren: einerseits die Synnaoi Roma und Augustus, gegenüber Zeus Philios und Trajan. Die frontalen Darstellungen der drei Tempel auf anderen pergamenischen GB (zB SNG vAulock 7513) identifizieren sie eindeutig mittels der Anfangsbuchstaben "AΥΓ", "AN", "TPA" (vgl. für Smyrna #a0697img). Damit scheint die Sitzfigur des mittleren Tempels (s.o.) jedoch nicht ganz sicher gedeutet (zu diversen Vorschlägen s. Burrell, S.31-34); am ehesten jedoch wird verständlicherweise Asklepios als Hauptgott der Stadt gemeint sein (s.Notiz zu #a0784img; Pick, S.36f; Weisser, S.72). Eindeutig ist jedenfalls die Zuordnung eines schon existenten Tempels zum imperialen Kult ("AN" = Antoninus = Caracalla), da ja kein neuer Tempel mit der Verleihung der 3. Neokoros-Auszeichnung 216 n.Chr. (im Zusammenhang mit der Heilkur Caracallas) errichtet wurde.

Nach Weisser (S.136f) sind einige Motive auf GB des M.Caerelius Attalus, geprägt im Zusammenhang mit dem kaiserlichen Besuch im Asklepieion, in drei Gruppen zu ordnen.
a) Caracalla grüßt (adventus) auf verschiedene Weise Asklepios (SNG Fitzw. 248), der die Stadt Pergamon repräsentiert (ohne Architektur-Motive i.e.Sinn). b) Caracalla erweist dem Gott Asklepios im Rahmen einer Opferhandlung seine Reverenz; der Gott ist in seinem Tempel als Statue (stehend oder sitzend) dargestellt (#a0784img, s.dort). Den Übergang zu der dritten Bildgruppe bildet eine Szene, in der sich Caracalla und Asklepios gegenüberstehen, zwischen sich einen Opferstier (Weisser Tf.11.3.21). c) Caracalla wohnt mit Asklepios, gewissermaßen gleichberechtigt, unter einem Dach; der gemeinsame Tempel kann einerseits unbezeichnet oder andererseits durch "AN" im Giebel und durch eine Asklepiosstatue im Innern definiert sein.

Literatur:

Fritze, H.von: Die Münzen von Pergamon, Abhandlungen der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1910, Anhang S. 1-108
Fritze, H.von: Asklepiosstatuen in Pergamon, Nomisma Heft 2, Berlin 1908, S.19-35 u. Tf.III
Pick, B.: Die Neokorie-Tempel von Pergamon..., in: Festschrift W.Judeich (ed. A.Cartellieri et al.), Weimar 1929, S.28-44 (1 Tf.)
Weisser, B.: Pergamum as Paradigm, in (ed.) Howgego, Heuchert, Burnett: Coinage and Identity in the Roman Provinces, Oxford 2005, S.135-14
Weisser, B.: Askkepios auf antiken Münzen in Epidauros, Athen und Pergamon, In: (ed.) T.Lehmann, Wunderheilungen in der Antike, Oberhausen 2006, S.62-81