Unter dem Legaten Tineius Rufus mit den Titeln 'ΠΡΕΣΒΕΥΤΗΣ' und 'ΑΝΤΙΣΤΡΑΤΗΓΟΣ'.

Gedrungener (Stadt-) Torbau, flankiert von zwei runden Türmen, auf einer gemeinsamen Bodenlinie; auf der Tormauer eine Quadriga nach rechts.
Die Fassade/ Tormauer zwischen den Türmen besteht aus zwei Etagen, getrennt mittels eines durchgehenden Geschoßgesimses. Die untere Etage nimmt etwa zwei Drittel der Gesamthöhe ein und wird durch ein auffallend schmales hohes Rundbogentor in zwei Hälften getrennt. Es ist nicht sicher zu erkennen, ob das Tor einen Sturz und/ oder eine geschlossene Tür besitzt. Das Tor ist in ein Mauerstück eingelassen, dessen linke Fläche etwas breiter als der rechte Anteil erscheint. Bds. davon ist ein Säulenpaar von gleicher Höhe, aber unterschiedlich plaziert, zu erkennen. Die Säulen ruhen links auf hohen Sockeln, die ihrerseits unmittelbar auf der Bodenlinie stehen; auf der rechten Seite bedingt eine Standlinie, welche die Sockel verbindet, deren geringere Höhe. Ob zwischen den Säulenpaaren Mauerwerk graviert wurde, ist auf keiner Abb. dieses Rs.Typs zu sichern oder auszuschließen.
Die obere Etage besteht aus einer Arkade/ Galerie von sieben Rundbögen, denen ein flacher Traufsims aufliegt. Auf diesem steht dezentral links eine flache Plattform aus zwei Perlschnurreihen; sie trägt, mit Blick auf die rechte Seite, ein überproportional großes Viergespann im Galopp mit einachsigem Wagen und Wagenlenker.
Die Rs. ist am Rand zT korrodiert, sodaß der rechte Rundturm zwar nicht sicher zu beschreiben ist, dem linken Turm jedoch, abgesehen von einer etwas geringeren Höhe, gleich zu sein scheint. Jedenfalls sind eine doppelwülstige Basis, Mauerwerk aus großen Quadern und Rundbogenfenster mit Sims gut zu erkennen. Die Türme sind flach gedeckt in Form von zwei Perlschnurreihen und von jeweils drei Zinnen in Form von drei bzw. zwei Strichen bekrönt.

Alle Ref. bds. von anderen Stempeln (mi unterschiedlicher Büste u. anderer Legende, einige zeigen wohl auch ein anderes Tor).

Ein zweites Tor aus späterer Zeit erscheint weniger gedrungen, besitzt aber auch Galerie und Quadriga (#a0768img, #a0887img).

Bei kritischer Betrachtung stellt sich natürlich die Frage (das auffällig schmale Tor bleibe unbeachtet), welchen fortifikatorischen Nutzen eine solche Mauer/ Fassade haben kann. Das Konzept wäre mehr als ungewöhnlich, selbst wenn die Säulen als Halbsäulen einer "richtigen" Mauer aufgesetzt wären. Deshalb erscheint das Problem elegant durch die Annahme gelöst, daß hier nicht die Außen-, sondern die stadtzugewandte Seite des Tores gezeigt werden soll (so schon Donaldson, S.314). M.Pensa meint dagegen, in dem Bau auch ein "monumento onorario" sehen zu können (Pensa/ città, S.114).

Es ist sehr unwahrscheinlich, daß eine monumentale Quadriga realiter einer Tormauer aufgesetzt gewesen sein sollte. Eher wird auch hier wieder die Konvention zugrundeliegen, derzufolge eine bedeutsame 'Information', eigentlich anderwärts plaziert, an markantem Ort sichtbar gemacht wird. Dazu paßt sehr gut, daß der Künstler das Gespann von seitwärts zeigen kann; eine frontale Abbildung wird meist wohl nur dort angewendet worden zu sein, wo es der tatsächlichen Gegebenheit entsprochen hat (zB Triumphbögen).

Stadtmauern und Tore waren für die Münzprägung Thrakiens und Mösiens (vgl. auch Bithynien ua #a0464img, #a0755img, s.Notiz zu #a0077img) über einhundert Jahre in den Zeiten innerer und äußerer Bedrohung (mittleres Drittel des 2. bis zur Mitte des 3. Jhdt.) ein bezeichnendes Motiv. Auch nach Ende der eigentlichen Städteprägungen lebte es in den 'Lagertoren' weiter. Dabei ist unerheblich, ob, wie manchmal vermutet ((s. ), generell rein militärische Wehrbauten (Kastelle, Brückenköpfe, Lagertore) und nicht städtische Anlagen dargestellt wurden. Im vorliegenden Fall ist es nahezu beweisbar, daß das Tor als ein Teil der Stadtmauer anzusehen ist (s.Notiz zu #a0868img). Die weniger detaillierten und eher idealtypischen Beispiele könnten dagegen tatsächlich kleine kompakte Anlagen vorstellen, mir scheint aber naheliegender, daß es sich in diesen Fällen, wie wohl allgemein angenommen, um Ausschnitte aus größeren Komplexen handelt; als eindrückliches Beispiel für diese Meinung könnten die Abb. von Mauerabschnitten ohne Tore und Türme dienen (vgl. ua #a0044img). Es soll auch betont werden, daß trotz aller münztechnisch notwendigen Vereinfachungen der ein oder andere Bau doch so realistisch und unverwechselbar ("più vicini alla realtà architettonica", M.Pensa, s.o.) wiedergegeben wurde, daß ihn der antike Betrachter identifizieren konnte; ein Beispiel ist die vorliegende Münze.
Unabhängig von solchen Vermutungen ist kaum zu bezweifeln, daß diese Ikonographie (Wehranlagen im weitesten Sinn) eine große politische Bedeutung besaß - insbes. im Vergleich mit anderen profanen Motiven (Brücken, Bäder, Häfen ua), die in dieser Region abgesehen von Triumphbögen (zB #a0101img, #a0176img, #a0881img) nur vereinzelt im Münzbild erscheinen, nämlich die Nymphäen von Hadrianopolis (#a0607img) und Nikopolis (#a0553img, dort auch ein nicht identifizierter Bau: #a0104img) bzw. die Brunnen von Nikopolis (#a0232img) und Serdika (zB #a0723img, #a0749img). Einerseits versprach das Münzbild 'Wehrbau' dem Betrachter den imperialen Schutz vor Feinden, andererseits brachte es auch das städtische Selbstvertrauen in die eigene Stärke zum Ausdruck. Wie stark diese Verteidigungsanlagen sein konnten, läßt sich leicht an dem bekannten Beispiel Byzantion sehen: die Stadt widerstand der Belagerung durch Septimius Severus drei Jahre lang.

Hefner meint (S.158), daß Stadttore "erstmals" unter Septimius Severus auf Münzen erscheinen, allerdings wurden von Hadrian an (*) durchgehend diese Motive geprägt (wie allein schon diese Sammlung, s. Monumente/ Tore/ Galerie, belegt).

(*) Sporadisch zuvor: Augustus und Tiberius (Emerita), Rheskouporis II. und Sauromates I. (Kgr. Bosporos)

Literatur:

Jurukova, J.: Die Münzprägung von Bizye, Griechisches Münzwerk, Berlin 1981