Wohl Jahr 188 (140/1 n.Chr.).

Büste der Tyche mit Mauerkrone.

Diese Variante einer Mauerkrone ist besonders bemerkenswert. Sie bildet nämlich auf denkbar kleinem Raum die Silhouette des antiken Laodikea wie eine Vedute nach (Pensa/città S.110: "un vero e proprio panorama della città"). Auch wenn auf besser erhaltenen Münzen (vgl. #a0970img) einige Details klarer zu erkennen sind, sind wesentliche Fixpunkte der Stadt auch auf dem vorliegenden Stück deutlich sichtbar.
Blickfang ist das Stadttor (ganz links) mit rundem Torbogen und flankierenden Türmen. Es überschneidet das in natura exakt gegenüberliegende (Seyrig) zweite Tor der Stadt, welches auf der Münze nach rechts versetzt ist und dessen linker Turm vom Torbogen zum größeren Teil verdeckt wird; sein rechter Turm ist zu zwei Dritteln hinter der Stadtmauer sichtbar. Die Türme tragen jeweils drei Zinnen, allerdings mit Ausnahme des rechten vorderen Turmes, über dem stattdessen ein Halbbogen erscheint. Dessen Bedeutung ist nur so zu erklären, als daß er den Torbogen des rückwärtigen Tores zeigt; ansonsten wäre dieses Tor nicht sichtbar. Nach rechts schließt sich ein weiterer hier zweistöckiger (diverse Varianten!) Turm an; er entspricht dem Leuchtturm, der auch auf anderen Münzen der Stadt erscheint (#a0654img). Zwischen dem rechten hinteren Turm und dem Leuchtturm ist ein kurzer breiter Strich erkennbar, der nicht zum Stadtbild, sondern zur Legende gehört (das Jota von "KAI"). Die Stadtmauer führt vom vorderen Stadttor nach einem Knick noch über den Leuchtturm hinaus nach rechts. Ihr Mauerwerk (hier wegen der Abnutzung nicht mehr erkennbar) ist vom Künstler ebenso deutlich gemacht wie dasjenige der Türme. Man kann das Bild auch auf andere Weise verstehen..: "la porta..fra due torri coperte da un tetto (sic: der Torbogen des rückwärtigen Tores), e alcuni alti edifici (sic: hintere Tortürme) fittamente finestrati (sic: Mauerwerk), uno (sic) dei quali merlato..." (Pensa, s.o., ohne Erwähnung des Leuchtturms, der schon von Seyrig hervorgehoben worden ist).

Diese Rs.Darstellung findet ihr Vorbild in einer Tetradrachme unter Hadrian (zB BMC 54).
Eine vergleichbar detaillierte und konzipierte (versetzte Tore ?) Prägung ist ansonsten anscheinend nur aus Amaseia (SNG France 883 = Dalaison 9a = RPC 1633) und Nikopolis/Epeiros (RPC III.527 und 535; s.Zachos, S.259f) bekannt, s. auch Notiz zu #a0915img. Die Tychebüste mit einem speziellen Bauwerk als Krone ist etwas häufiger, zB Anazarbos (RPC II.1754), Nikaia (BMC 45, Price/Trell Abb.496) oder Tios (RG 77); ungewöhnlich ist die Tyche von Kaisareia/ Kapp. mit dem (Modell des) M.Argaeus als Kopfbedeckung (#k9860).

Variante ohne Leuchtturm #a0970img.
Zu Leuchttürmen anderer Städte s. Notiz zu #a0570img, zu Häfen s. Notiz zu #a0869img.
Knapp zur Herkunft der Mauerkronen s. Metzler (s.u. Lit.), der (S.82) im übrigen den Polos als "mural crown" interpretiert.

Literatur:
Metzler, D.: Mural Crown in the ancient Near East and Greece, in Pollitt, J.J. (ed.) An Obsession with Fortune. Tyche in Greek and Roman Art, Yale 1994, S.76-85 (nicht numismat.)
Seyrig, H.: Le phare de Laodicée, Antiquités Syriennes 52, Syria 29 (1952), S.54-59, Tf.3f