'Tempel' mit sechs Säulen von unklarer Ordnung auf einer durchgehenden Bodenlinie. Je drei Säulen stehen eng zusammen und lassen einen weiten überwölbten Zwischenraum frei. Darin steht Astarte nach links, in der Rechten eine Lanze, den linken Fuß auf einer Prora; mit der Linken rafft sie den Saum über das Knie (besser zu erkennen #a0107img, BMC 21). Sie wird von einer Nike, welche rechts vor ihr auf einer schlanken Säule steht, bekränzt.
Die Bogenkonstruktion ist untypisch: den Säulen liegt eine Art Epistyl auf, dessen zwei Balken jeweils durch drei senkrechte Streben/ Säulen weit auseinander gehalten werden; die äußeren Streben weisen betont schräg nach oben außen. Die beiden unteren Balken sind etwas länger als die oberen, ihren zentralen (mit den inneren Säulen abschließenden) Enden liegt ein schmaler hoher Bogen auf. Er wird umschlossen von einem breiteren Bogen (größeres Nominal BMC 48: "traces of shell-pattern" = Price/Trell Abb.375), welcher den (etwas kürzeren) Balken der 'Epistylia' aufliegt.
Rechts i.F., hier nur zu erahnen, ein Ruderblatt.

Dieses Rs.Bild des Astarte -Tempels steht, gewissermaßen als Bindeglied, zwischen den am häufigsten dargestellten Bögen (2-,4-,6- säulig, vgl. Notiz zu #a0107img) und wenigen Emissionen mit der vollständigen Abbildung eines orientalischen Flachdach-Tempels, zB BMC Tf. XLI.13 oder Rouvier, JIAN 56/ 1901. Tf.B.9). Bei diesen Münzen schließt ein Dachsims, dem Scheitel des Bogens aufliegend, den Bau nach oben waagerecht ab, darüber fehlt jede Art von Giebel; die seitliche Abschrägung des 'Epistyls' (s.o) ist auch hier stark betont.
Vermutlich handelt es sich ein und denselben Tempel, verkürzt dargestellt auf der vorliegenden Münze, und ganz auf das Wesentliche beschränkt bei den Prägungen mit lediglich einem Bogen (s.Notiz zu #a0107img).

Die 'Bedachung' wie hier vorliegend ist typisch für den Vorderen Orient, insbes. für die Dekapolis (zB Abila: ANS 1126, Anthedon, Caesarea ad Lib. #a0862img, Diokaisareia-Sepphoris #a0727img, Esbous #a0929img, Kapitolias: Spijkerman 19, Sofaer 11). In Kleinasien sind mir derartige Prägungen nur aus Amaseia (SNG France 989) und Mallos (s.Notiz zu #a1022img) bekannt; ein Stück aus Tarsos ist entfernt (#a0579img) ähnlich.

Hefner (S.50 und 56) ordnet die Prägung bei Tempeln mit klassischem Dreiecksgiebel ein und sieht die "Arkadenfront...außen vom Münzrand" beschnitten. "Dies bedeutet, sie geht links und rechts weiter"- ohne nähere Erläuterung. Das Münzbild zeige deshalb den "Haupteingang des Tempelschreines", der "offensichtlich in der Längsseite lag" (??). Die von ihm angegebenen (S.56) Ref. sind zT unrichtig zitiert (Trell 48 gehört zu Heliopolis, vgl. #a0445img; Trell 62 zeigt eine andere Rs. aus Byblos, nämlich BMC Supp Tf.41,13).