4-säuliger ionischer Tempel mit 'syrischem Giebel' unter einem Dreiecksgiebel auf 2-stufigem Grund. Alle Giebelteile (Epistyle, Giebelschrägen, Bogen) sind in doppelter Perlschnur ausgeführt. Firstakroterion. Auf dem Bogenscheitel ein Globus/ Schild, in den Giebelecken jeweils ein geflügeltes Tier (Pegasos?). Unter dem Bogen steht Apollon mit Strahlenkrone nach links, in der Rechten einen Raben, in der Linken einen Lorbeerzweig. Zwischen dem linken Säulenpaar wendet sich Artemis nach rechts, einen Köcher über der Schulter und einen Pfeil in der nach unten gestreckten rechten Hand; der Bogen in ihrer Linken ist durch die Säule verdeckt. Die nach links gewandte weibliche Figur zwischen dem rechten Säulenpaar ist nicht identifiziert. Sie trägt ein Szepter in deer Linken und eine Schale in der ausgestreckten Rechten.

Rs.: "Charmides, der Priester, hat (die Emission) gestiftet, Archon der Apollonier" ("N" in "ΑΝЄΘΗΚЄΝ" um 90° nach rechts gedreht).

Ref. bds. mit anderen Legenden.
Die Rs. von anderem Stempel ua auch unter M.Aurel (SNG Hunter 1920 (((

Die ebenfalls seltene Variante (Imhoof-Blumer, KM S. 121.9, Tf.IV.23), geprägt unter dem Strategen Nikostratos, ist sehr ähnlich; sie unterscheidet sich jedoch wesentlich durch die Darstellung eines Tempels korinthischer Ordnung.
Natürlich kann diese Tatsache wieder als ein weiterer Beleg für die Meinung dienen, die Architekturmünzen seien generell nicht als Spiegel der realen Tempelarchitektur zu gebrauchen. Es ist ja auch tatsächlich nicht anzunehmen, daß in der Stadt zwei ansonsten nahezu identische Tempel unterschiedlicher Ordnung im gleichen Zeitraum existierten. Solange kein archäologisches Korrelat bekannt ist, bleibt insofern die Säulenordnung ungewiß. Allerdings muß man den Stempelschneidern wohl zugute halten, daß in diesem Fall das darstellerische Interesse in erster Linie den drei Gottheiten galt, deren Bilder offenbar in demselben Tempelbau aufgestellt waren. Das Münzbild des Tempels, obwohl durchaus sorgfältig ausgeführt, diente hier nur als Rahmen für die eigentliche Absicht. Uns mag das verwunderlich erscheinen, insbesondere angesichts der Tatsache, daß mit dieser GB keine gewöhnliche Münze geschlagen wurde und daß deshalb eine größere Wiedergabegenauigkeit zu erwarten wäre. Es wird eben Künstler gegeben haben, die ein entspannteres Verhältnis zu den architektonischen Realitäten hatten, aber auch solche, denen viel an einer möglichst getreuen Wiedergabe lag.
Wir sollten deshalb primär nicht immer fragen, was die Münzbilder uns (!) sagen wollen (eher nichts). Stattdessen geht es in erster Linie darum, was der Emittent seinen Zeitgenossen zu vermitteln hatte. Diese Binsenweisheit kann nicht oft genug wiederholt werden.