10-säuliger Tempel von vorn oben schräg (in Parallelperspektive) gesehen, 18 seitliche Säulen, auf hohem Podium. Zum Tempel führt, bds. eingefaßt von breiten Wangen, eine 5-stufige Monumentaltreppe. Plattengedecktes Satteldach.

Trotz mehrfachen Nachzählens bleibt es bei 18 Säulen seitlich und 10 Säulen in der Front. Eine seitliche Säule mehr, und diese Münze wäre ein weiterer Beleg für die gelegentliche sachgetreue Wiedergabe durch den Stempelschneider, in dessen Interesse anzunehmen ist, daß er sich bemüht, aber dennoch verzählt hat.

Ref. SMB und (#k2023) bds. stempelgleich.
Variante (#k2462, richtige Säulenzahl ?).
Unter Philipp I. gibt es eine Prägung mit 19 seitlichen (aber wohl 11 frontalen !) Säulen (#k2196). Vgl. (#a0476img).

Die in der Levante recht seltene (Damaskos: Price/Trell 413, Emesa: #a0523img, Tyros: #a0134img; vgl. Heliopolis #a0686img) perspektivische Darstellung eines Podiumstempels gibt den Befund vor Ort getreu wieder. Die Frontalansicht dieses Bautypus ist ebenfalls nicht oft auf Münzen der Region zu finden (zB Caesarea Panias: Price/Trell 358, Emesa: #a0760img, Heliopolis: #a0650img, Sidon: #a0031img).
Die generell spärlichen Münzbilder von Podiumstempeln (römische Tradition) überrascht, da in dieser Region des Reiches die Umgangstempel (griechische Tradition; im Münzbild: mehrere, nach aufwärts verkürzte Treppenstufen in ganzer Breite der Tempelfront, zB Tyros #a0188img) nur recht vereinzelt errichtet wurden. Deshalb nehme ich an, daß die Tempel auf einfacher Bodenlinie solche Podiumstempel in verkürzter Gestalt (dh ohne hohe Basis, gelegentlich aber mit schmalem Treppenaufgang und Wangen) repräsentieren sollen (zB Berytos #a0089img, #a0282img, #a0503img); es war offenbar nicht nötig, das Podium als bestimmendes Merkmal hervorzuheben, weil es als solches den Zeitgenossen vertraut war (*).

Der reale Tempel des Jupiter Heliopolitanus (IOMH, d.i. «Iovi optimo maximo Heliopolitano») hatte als Pseudodipteros je 10 (+ 8) Säulen in der frontalen und der rückwärtigen Reihe, je 19 Säulen an den Längsseiten. Trotz eines Diameters der Säulentrommeln von mehr als 2 m, aber dank einer hervorragenden Säulenhöhe (ca. 20 m) erscheint der Bau, der damit zu den größten Tempeln der Antike gehört, sehr schlank, was auch die Abbildung zum Ausdruck bringt. Zum massiven Fundament der Anlage gehören drei Quadern von 4x 4 m bei 19 m Länge und einem Gewicht von über 1000 Tonnen, herbeigeschafft aus einem einige Kilometer entfernten Steinbruch.

Generell koinzidiert die 'richtige' Säulenzahl des Münzbildes mit derjenigen des realen Tempels (soweit überhaupt bekannt) meist dann, wenn der Tempel ohne Kultobjekt dargestellt ist; dabei bleibt es gelegentlich, wie hier, beim Versuch der exakten Wiedergabe (s. aber die Frontalansicht aus Heliopolis #a0650img). Auch kleinere Formate geben eher exakte Tempelfronten wieder, da sie seltener zB Figuren oder Gegenstände 'im' Tempel abbilden (zB #a0043img).
Sobald die Stempelschneider mehr als nur die Säulenfront zeigen wollen, nutzen sie die Möglichkeit, die Säulenzahl im Vergleich zum realen Bau zu reduzieren. Dank der zusätzlichen Information durch das Kultbild ist die Erkennbarkeit für die Rezipienten in der Regel nicht geschmälert, sondern im Gegenteil verbessert.

Zur Verdeutlichung einige auf Frontalansichten aus Kleinasien bezogene Zahlen, entnommen aus vAulock/ aeruginis bis 2016/ SNG Cop (kleine Fehler in Zuordnung und Zählung möglich; Dubletten nicht berücksichtigt):

- alle Dekastyloi (7/7/2) sind ohne Kultobjekte gezeichnet (*)
- unter den Oktastyloi zählt man ohne Kultobjekte 42/60/8, mit Kultobjekten 7/12/6 Münztypen.
- Hexastyloi: 30/33/14 ohne bzw. 15/14/9 mit Kultobjekten.
- Tetrastyloi: 100/175/10 ohne bzw. 160/100/35 mit Kulktobjekten.
- Distyloi: 60/55/34 alle mit Kultobjekten (zwei Ausnahmen).

Die Zahlen für Fronten mit 'syrischem Giebel' sind ebenfalls recht deutlich:

- Tempel ohne Kultobjekt: nur eine einzige Prägung (s.Notiz zu #a1036img); alle übrigen mit Kultobjekt.
- Deka- und Oktastyloi: nicht vorhanden
- Hexastyloi 2/8/4
- Tetrastyloi 40/60/33
- Distyloi 2/8/4

Anm.: Tempelfronten ohne Kultfiguren sollen erstmals mit dem Volteius-Denar (s. #a0011img) erscheinen und mit dem Dekastylos aus Anazarbos (#a0145img) nicht mehr geschnitten worden sein (so Hefner S.22). Das ist massiv unrichtig. Solche Bauten wurden mW nach vielen derartigen Ausgaben zuletzt unter Gallienus geprägt (zB #a1024img, Kibyra).

(*) Chrétien-Happe, S.133: die Podien seien "sans doute" unterdrückt worde, um mehr Raum für die Darstellung des Kultbildes zu gewinnen.
(**) wohl einzige Ausnahme (nicht in Kleinasien!): s. Sesterz des Antoninus Pius (#a0569img; oh. Figur: #a0132img und #a0244img).