40 v.Chr. (RPC S.152)

Prora nach rechts, links im Hintergrund (Hafen-) Gebäude.

Es handelt sich wohl um die erste römische Prägung im Zusammenhang mit einem Hafen, wohl nur kurz vor dem sehr ähnlichen Typos aus Vienna (s.u.). Allerdings wird bis heute in Standardwerken wie in Katalogen regelmäßig von "Prora mit Aufbauten" (zB RPC 517f: "prow with superstructure") gesprochen, wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Darstellung wenig realistisch erscheint (*). Daß durchaus aber auch Objekte, die nicht im eigentlichen Sinn einem Schiff zugehörig sind, abgebildet wurden, zeigen zeitgleiche Prägungen aus Lugdunum, zB meta sudans (RPC 514f) oder Siegessäule (Sydenham 715, Marcia).

Im Vergleich zu dem As aus Vienna (zB RPC 517, Price/Trell Abb. 62, im 2. Stockwerk ebenfalls zwei Bögen) erscheint die Rs.Abb. auf der vorliegenden Münze leicht verkürzt, aber strukturell verwandt; in beiden Fälle ist, abgesehen von den Masten, keine Ähnlichkeit mit anderen Bildern von Schiffsaufbauten festzustellen.

Im Gegensatz zu detaillierten und deshalb eindeutigen Münzbildern wird das eigentliche Hafenrund (Halbrund, Hexagon ua) nicht gezeigt, nicht einmal angedeutet. Ein solches 'großflächiges' Bild bleibt der späteren Ikonographie vorbehalten und ist dann typisch. Stattdessen wird der Hafen eher nur symbolisch, nach Meinung von M.Pensa in Analogie zu den frühen Prägungen aus Sidon und Zankle ("den Hafen andeutend", Franke/ Hirmer S. 43, Nr.48 u.49) dargestellt (M.Pensa/porti, S.116: "senza aver l'intenzione di riprodurla in qualche modo più specificamente"). Allerdings scheinen damit die Ausführungen der Autorin auf der Folgeseite nicht wirklich kompatibel (was erneut die Verlockungen von eher spekulativen Deutungen belegt): die untere Reihe der 'Aufbauten' nämlich könne den Kai, die darüberliegende Zeile die Stadtmauer mit zwei Torbögen repräsentieren; als dritte Etage seien eine Galerie mit drei Öffnungen und darüber abschließend drei Türme, die an die Stadtmauer von Emerita erinnerten, zu sehen. Damit könnte der Vienna-Typus den Übergang von einer symbolischen Hafendarstellung (Zankle) zu einem realistischen Bild wiedergeben.
Ähnlich (und dezidiert) äußern sich Price/Trell, S.40 (ebenfalls auf Vienna bezogen): "gate to the city...which actually stood on the shore behind."

Die Tatsache, daß wir auf den beiden Münzen prima vista nichts für einen Hafen Charakteristisches zu sehen bekommen, ist nicht schwierig zu klären: Einesteils gibt es in diesem Zeitraum überhaupt keine großen 'Landschaftsbilder' (auch nicht solche mit nichtmaritimen Sujets) auf römischen Münzen, wenn man von dem sehr schematisch ausgeführten republikanischen Denar mit dem Bild des Mons Eryx (Considia, #a0994img) absieht. Zum anderen sind Narbo und Vienna als 'Städte' erst wenige Jahre alt, der Warenumschlag kann noch nicht erheblich gewesen sein, und große bauliche Maßnahmen (zB Molen in künstlich angelegten Häfen) waren in den beiden Binnenhäfen (noch) nicht erforderlich und damit dem Stempelschneider nicht vor Augen; Lagergebäude und evtl. ein Zugang (Tor) zum Gelände waren dagegen wohl nahezu essentiell.

Die Deutung des vorliegenden Rs. ist, wie so oft, zwischen zwei Polen zu suchen: auf der einen Seite steht traditionell (und wohl nicht hinterfragt) die Vorstellung von Schiffsaufbauten, auf der anderen Seite das phantasievolle Bild von einem Komplex aus verschiedenen Gebäuden. Die eine Sicht scheint zu eng, die andere zu weit. Es genügt, wenn diese Rs. als eine frühe und noch detailarme Hafenszene gesehen wird.

Von archäologischer Seite sind bescheidene Hafen-Reste gefunden worden (Pensa/porti S.116f, Anm.119 "purtoppo non ci sono d'aiuto nell' interpretazione del tipo monetale").

Häfen: s. Notiz zu #a0861img.

((Prora/ Bögen: M.Censorinus, Loll. Palikanus

(*) ein Schiffsaufbau in dieser Höhe erscheint aber erst recht wenig realistisch.

Literatur:

Franke, P.R. und Hirmer, M.: Die griechische Münze, München 1964