Jahr 228 (226 n.Chr.)

Stadtansicht.
Blick über die auf einem Hügel gelegene und von einer Mauer umgebene Stadt. Die Stadtmauer wird links von 6, rechts von 5 zinnenbewehrten Türmen unterbrochen. Besser erhaltene Ex. (zB Ireland 232 oder Price/Trell 159) lassen sorgfältig gravierte Quadern erkennen. Im Zentrum der Rs. sieht man unregelmäßige Formationen, die Felsen entsprechen und damit den bergigen Charakter des Terrains andeuten sollen. Auf der Höhe ein 4-säuliger Tempel mit Dreiecksgiebel, rechts daneben ein entflammter Altar. Die Stadtmauer ist basal zwischen zwei Türmen unterbrochen und gibt so den Blick auf einen 5-säuligen (Variante: hexastylen) Tempel mit Giebel frei. Links neben diesem Tempel ein Bau mit rechteckiger Öffnung, der zu einem Felsengrab passen könnte.

Auf einer MB des Domitian (#a1034img, s.dort) ist die Stadtansicht in ähnlicher Weise zu sehen, außerdem in Kleinstformat in der Art einer Mauerkrone über (beachte Bodenlinie) dem Haupt der Stadttyche (Dalaison 8f, RPC 1633, ähnlich: Laodikea ad mare, #a0896img, #a0970img). Eine weitere Münze des Severus Alexander zeigt die Mauer im Bau (Dalaison 587a, bes. gut erhalten ein zweites Ex.: #k11875), ein Bild wie es aus Tyros bekannt ist (zB #a0649img, #a0813img).

Strabo, der hier geboren ist, beschreibt die Stadt sehr genau, insbesondere ihre bergige Lage. Dem entspricht die Münzdarstellung, indem sie den unregelmäßigen Verlauf des 'Mauerrings' durch die Staffelung der Türme betont - im Gegensatz zu den kreisrund gezeichneten Stadtmauern der Orte in eher ebenem Gelände (zB Nicaea, Bizye).
Der Tetrastylos in der Höhe ist Zeus (Stratios) gewidmet. Seinen Platz im Münzbild an höchster Stelle verdankt er seiner Bedeutung, in Wirklichkeit stand er wohl außerhalb des Mauerrings, nach Price/Trell (S.92) nämlich hinter dem Berg auf einem weiteren Plateau. Auf der MB unter Domitian (#a1034img) fehlt der Bau, stattdessen ist wohl der von Strabo beschriebene Doppelgipfel zu sehen (so Price/Trell, S.92).
Dalaison führt den Unterschied ("moins d'édifices") zwischen den beiden Prägungen "sans doute" (S.177, Anm.310) auf die Größendifferenz der Stempel zurück. Das ist nur bedingt nachzuvollziehen: mit Ausnahme des oberen Tempels sind alle Bauwerke, nämlich Mauern und 10-11 Türme, Felsengrab und zentraler Tempel, auf beiden Prägungen vorhanden; der Altar, für dessen Darstellung auf der MB anstelle der Jahreszahl genügend Platz gewesen wäre, ist auch nicht auf allen Ausgaben der GB zu sehen. Vorausgesetzt der obere Tempel repräsentiert das realiter mehrere Kilometer entfernt stehende Zeus-Heiligtum, scheint mir dagegen ziemlich klar, daß zZt Domitians die Idee, diesen Tempel in das Stadtbild zu integrieren, einfach nicht vorhanden war.
Der Tempel am Fuß des Berges wird der Kaiser-Tempel sein, das Rechteck/Grab steht für die ebenfalls von Strabo beschriebenen und noch heute zu besuchenden Felsengräber (zur Zuordnung der Tempel und des Grabrs s. Dalaison S.178).

Es gibt einige nur unwesentlich unterschiedliche Varianten (s.Dalaison), bes. gut erhalten: Aukt. MuM 41.331.

Die Prägung erlaubt eine Ansicht auf den Ort, "that is remarkably similar to that of today" (Price, Architecture, S.41).

Nach J.Dalaison (S.177, Anm.307) soll dieses Rs.Motiv einmalig in der Bildthematik sein ("ne se retrouvent pas sur le monnayage impérial et régional"), vgl. dagegen jedoch ua Markianopolis (#a0842img) oder Bizye (Jurukova 135 = SMB 18200684).
Hefner schreibt die Münze (S.169, 1.) Septimius Severus und (S.169, VI.1) Severus Alexander zu.