(Rund-)Tempel auf einfacher Basis mit ciboriumartiger Bedachung, welche bogenförmig vier korinthischen Säulen aufliegt. Die ungewöhnliche Darstellung der Kuppelwölbung zwingt den Künstler dazu, die seitlichen Bögen gedrungener erscheinen zu lassen. Über allen Dachecken sind Akrotere zu sehen, die beiden vorderen sind - eben noch erkennbar - von spezifischer Form. Dem Perlkranz des Schrötlings folgend bildet eine Perlschnur die Wölbung der Kuppel nach. Dabei handelt es sich nicht um Dachrippen, wie sie auf Bildern von anderen Rundtempeln (zB die stadtrömischen Tempel der Vesta und der Juno Martialis) zu finden sind. Unter dem größeren mittleren Bogen steht Amalthea nach rechts, auf dem linken Arm Zeus tragend und in der Rechten ein Langszepter haltend, zu ihren Füßen die Ziege. Oberhalb der Kuppelmitte und zwischen zwei Zweigen ist ein Quadrat mit einem zentralen Punkt zu sehen, dessen Bedeutung wohl unklar bleiben muß.

Die beiden dellenähnlichen Vertiefungen im Dach sind wohl Defekte (vielleicht aber Reste einer gitterartigen Dachstruktur).

Im Gegensatz zum Baldachin (i.e. horizontale Bedachung) ist das Dach eines Ciboriums (sog.'Kuppelbaldachin') flach gewölbt und schließt mit einem Knauf oder einer Kugel (zB #a0095img; s. Weber, Tf. 53-58). Es entspricht, meist über einem Altar oder einer Statue errichtet und wohl das Himmelsgewölbe symbolisierend, dem frei auf vier oder mehr Säulen ruhenden Monopteros (nach Vitruv). Ein typisches numismatisches Beispiel ist das Palaimonion (Rundtempel des Melikertes/Palaimon: Price/Trell Abb. 150, BMC Corinth Tf.20.22), vgl. Beispiele für einen Baldachin, typischerweise tragbar, sehen wir auf Prägungen ua aus Ake-Ptolemais bzw. Tyros (Sofaer 246, 280; vgl. Price/Trell 463 bzw. 464f).

Sehr ähnlich ist auch ein Rundtempel in Argos unter Hadrian (vgl. Byblos, #a0591img), der jedoch anstatt des 'Kuppeldaches' wohl ein 'Kegeldach' (wie oben über drei Bögen, kein Giebel im eigentlichen Sinn!) aufweist und in RPC III.345 unrichtig als "tripartite temple with arcuated lintels" (?) beschrieben wird (ähnlich: #a0591img, Byblos). Ebenfalls vier Säulen besitzt der Rundtempel in Sebaste (#a0798img), allerdings mit einem fast halbkugeligen Dach mit Traufen (dh ohne Bögen). Vereinfacht, nämlich nur zweisäulig, ist ein frappierend ähnlicher Schrein mit Kuppel in der Darstellung des Pergamon-Altars (s. #a0721img) wiedergegeben. Verwandt scheinen auch der Tetrastylos der Isis Thermoutis in Alexandria (s. #a0500img = RPC 4440: "canopy roof") und derjenige der Fortuna in Antiochia (#a0611img).
Dagegen sind die (kleinen?) Tempel auf hohem Podest (zB Serdika, #a0661img) sicher von quadratischem Grundriß, am ehesten mit einem Pyramidendach versehen.

Amalthea ist (ohne Tempel) in Synnada ein recht häufig verwendetes Motiv (sehr schönes Bild: Gordian, RPC 794).

Am Beispiel dieser Rs. kann man sich gut vorstellen, daß die so häufig dargestellten Bögen ("2-säulige Tempel") durchaus auch einmal nur den zentralen Ausschnitt aus einem ähnlichen Münzbild (unter Verzicht auf Dach und äußere Bögen bzw. Säulen) wiedergeben. Als Beleg dafür können solche Prägungen dienen, von denen einige die vollständigen Ansichten eines Tempels oder Schreins zeigen, andere aber nur den zentralen (Haupt-) Teil (s. Notizen zB zu Sagalossos #a0094img, Anazarbos #a0461img; vgl. die Notiz zu #a0933img).

Literatur:

Weber, M.: Baldachine und Statuenschreine, Archaeologica 87, Rom 1990