zZt Hadrians.

Auf beiden Seiten der Münze je ein gleichartig gestalteter 4-säuliger Tempel mit klassischem Dreiecksgiebel auf 3-stufigem Unterbau. Beide Giebel tragen Eck- und Firstakrotere; im Giebeldreieck des Augustus-Tempels ein Steinbock ('Capricorn'), im Giebel des Trajaneums ein Punkt. Die Säulenschäfte sind wohl tordiert. Im geweiteten mittleren Interkolumnium des vorderseitigen Tempels steht Augustus mit Lanze in der Linken, auf der Münzrückseite Trajan ebenfalls mit Lanze in gleicher Pose.

ZZt Hadrians unter dem Strategen Pollio nach Fertigstellung des Trajaneums mit einer ganzen Reihe verschiedener Stempel geschlagen. Burell (S.25) erwähnt beiläufig, daß ein gewisser Julius Pollio auch unter Septimius Severus aktiv war.

Ein größeres Nominal (BMC 263-6, zZt Trajans) gibt etwas mehr Auskunft über die beiden Tempel. Die Vs. zeigt den ersten Neokorie-Tempel, gewidmet Augustus und Roma, wie er von Cistophoren (zB #a0957img) bekannt ist. Die Rs. präsentiert 'wirlichkeitsgetreu' einen typischen Podiums-Tempel in korinthischer Ordnung (ausweislich des archäologischen Befundes) mit Zeus Philios und Trajan. Bruchstücke der Statuen bestätigen das Münzbild ( s. Weisser, S.140). Das hier vorliegende kleinere Nominal reduziert die Ensembles, die Tempel zeigen vermutlich aus Platzmangel (so schon vFritze, S.84), "what the Pergamenes thought to be essential: the two emperors" (Burrell, S.25). Außerdem wird nicht mehr dezidiert zwischen Umlauf- und Podiums-Tempel unterschieden, stattdessen sind beide Bauten gleich mit drei sich trapezartig verjüngenden Stufen gezeichnet; die Ursache dafür mag zufällig oder auch der einfacheren Gravierung wegen bewußt gewählt worden sein. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß Hadrian eine solche Veränderung am Bau veranlaßt hat, auch wenn er das eine oder andere Detail im Rahmen der Fertigstellung des Tempels beeinflußt haben sollte.

Die erste Neokorie wurde der Stadt im Jahr 29 v.Chr. von Augustus/ Octavianus verliehen, und als erste Stadt überhaupt konnte sie sich des zweiten Neokoros-Titels dank Trajan rühmen, bezeugt durch Inschriften, während die Titulatur numismatisch erst unter Marcus Aurelius bekannt ist. Dagegen ist die Neokorie der Konkurrentin Ephesos schon auf zwei Prägungen (s. Notiz zu #a1028img) Neros bekannt, die zweite Neokorie erhielt Ephesos aber erst nach Trajan. Im Zusammenhang mit dem Titel wurde Pergamon von Trajan auch das Recht auf Spiele (Deiphileia Traianeia) zugestanden; für die Kosten durfte der Freund des Kaisers ('amicus clarissimus'), Aulus Julius Quadratus, aufkommen, wofür der sich mit dem Titel 'agonothetes' schmücken konnte.

Literatur:

Fritze, H.von: Die Münzen von Pergamon, Abhandlungen der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1910, Anhang S. 1-108
Kraft, K.: Zum Capticorn auf den Münzen des Augustus, JNG 17 (1967, S.17-27, Tf.2
Pick, B.: Die Neokorie-Tempel von Pergamon..., in: Festschrift W.Judeich (ed. A.Cartellieri et al.), Weimar 1929, S.28-44 (1 Tf.)
Weisser, B.: Pergamum as Paradigm, in (ed.) Howgego, Heuchert, Burnett: Coinage and Identity in the Roman Provinces, Oxford 2005, S.135-14
Weisser, B.: Der Capricornus des Augustus in Pergamon, in: (ed. Alfaro Asins, C. et al.) XIII Congreso internacional de Numismatica 2003, Madrid 2005, S.965-971