6-säuliger ionischer Tempel mit 'syrischem Giebel' auf zwei Stufen. Das gesamte Gebälk ist als einreihige Perlschnur graviert. Ein Firstakroter ist eben erkennbar, unter dem Bogen ein Punkt.

Ref. (u.#k9528) bds. stempelgleich.
Rs. gleichartig von größerem Modul unter Commodus (RG 56).

Das Rs.Bild ist die einzige Darstellung eines Baus mit syrischem Bogen ohne Kultobjekt. Generell wurden solche 6-säuligen Tempelfronten mit Bogen sehr spärlich geprägt (vgl. Zahlen in Notiz zu #a0157img), aber ebenso wie die tetrastylen und (seltenen, nicht sensu strictu) distylen 'syrischen Bögen' ausnahmslos mit (!) Kultobjekt.
Die vorliegende Darstellung wird dennoch kein Zufall sein, sie wurde doch wohl mit Bedacht gewählt: Bekanntlich (s.Notiz zu (( sind drei mögliche Ursachen im wissenschaftlichen Umlauf, welche die Verwendung und Verbreitung des 'syrischen Bogens' auf Münzen erklären könnten. Einerseits können die Bilder real existierende Tempelfronten (oder auch kleinere Bauten im Tempelinnern im Sinne von 'Seitenkapellen') zeigen; andererseits können diese Bögen, meist unter zusätzlicher Reduktion der Säulenzahl, dazu dienen, den Platz für die prominente Präsentation des Kultobjekts zu vergrößern; schließlich können die Stempelschneider auch schierer Mode oder Konvention gefolgt sein. (*)
Wenn man diese Überlegungen auf die vorliegende Münze anwendet, ergibt sich (wie immer natürlich unter Vorbehalt) folgendes: Mode oder Konvention sind auszuschließen, da genau diese Konstruktion einmalig ist, also auf Vorbildern nicht erscheint. Zweitens wird der durch den Bogen gewonnene Platz nicht genutzt, um eine Kultfigur (an deren Stelle der Punkt!) darzustellen; auch die Möglichkeit, zu diesem Zweck die Säulenzahl zu verringern, bleibt unbeachtet.
Daraus ergibt sich, daß das Bild des Hexastylos exakt so mit Verstand gewählt wurde, zumal eine vergleichbare KB ebenfalls unter Septimius Severus einen Hexastylos mit klassischem Dreiecksgiebel zeigt (RG 82); der Stempelschneider kann es also. Wenn es auch nicht evident ist, so ist es aber doch in diesem Fall naheliegend, daß die vorliegende unscheinbare Münze die Hauptmerkmale eines realen Tempels wiedergibt, welcher dadurch für den damaligen lokalen Betrachter unmittelbar zu identifizieren war.

*Nebenbei sei bemerkt, daß es für alle diese vermuteten Ursachen ausreichend Argumente und Gegenargumente gibt.