Auf einer Bodenlinie ist auf 3/4 des Münzrunds eine Ansicht des (Berg-) Heiligtums, nicht der Stadt Pautalia, zu sehen.
Unten (in der Bildsprache: vorn) steht auf einem Sockel ohne erkennbaren Zugang ein 4-säuliger (wohl ionischer) Tempel (A) über Eck nach links. Der First des Daches ist nicht waagerecht, sondern nach rückwärts abgesenkt und zusätzlich senkrecht abgeschnitten, also gegenüber der Wirklichkeit verkürzt, wiedergegeben. Daraus erklären sich die (nur) zwei seitlichen Säulen (zusammen 6 Säulen erkennbar). Im Giebelfeld ein Punkt, im Tempelinnern der Haltung nach eine Asklepiosstatue.
Auf gleicher Höhe links neben diesem steht ein kleinerer Tempel (B, ca. 1/3 Höhe von A) in gleicher Perspektive und Dachdarstellung auf statisch fragwürdigen zwei Säulen (weitere sind, des fehlenden Platzes wegen, nicht dargestellt). Er ist nach rechts gerichtet und besitzt einen Punkt oder eine Statue im Interkolumnium. Rechts und ebenfalls auf gleicher Höhe zum großen Tempel steht auf eigener flacher Basis eine Figurengruppe, die einem Standbild der drei Grazien (als Münzbild: Ruzicka 503) entspricht.
Auf der linken Seite der Münze in Höhe des Giebels von Tempel (A) steht (als einziger) in Frontalansicht ein zweisäuliger Tempel (C) mit einer Statue und einem Punkt im Giebelfeld und ungefähr so groß wie (B). Die Giebelschrägen werden von den Füßen eines etwas unregelmäßig und breitwandig geformten Bogens berührt, der eine Grotte darstellen soll; der Punkt im Innern verweist auf eine dort aufgestellte Statue. Ob die enge Beziehung der Grotte zum Tempel (C) eine lokale Bedeutung hat, muß dahingestellt bleiben.
In der Mitte der Münze umfängt eine unregelmäßig geformte halbmondartige Kontur, die ein Bergmassiv abbilden soll, den großen Tempel (A) von oben, links (spitz zulaufend) bis zur Säulenbasis, rechts nur bis zum hinteren Firstende. An dieser Stelle scheint ein hochgewachsener Baum zu wurzeln. In gleicher Höhe zu dessen Wipfel ist links gegenüberliegend ebenfalls ein Baumwipfel zu erkennen, der zugehörige Stamm wird von dem Bergmassiv verdeckt. Auf dessen Scheitel und damit zwischen den Baumkronen steht ein Tempel (D), halb so groß wie Tempel (A) und in derselben Perspektive und Ausrichtung wie Tempel (B). Eine Dachbedeckung ist angedeutet, die Figur im Innern nicht zu definieren (Apollo?). Es sind (vier) Säulen abgebildet, deren Anzahl dem Graveur offenbar so unwichtig ist, daß er eine tragende Ecksäule gewissermaßen durch die ihm wichtiger erscheinende Statue 'ersetzt'.
Rechts neben dem Stamm des großen Baumes, bei 3 Uhr, ist letztlich noch (der kleinste) Tempel (E) mit einem zentralen Punkt (Statue) sehr verkürzt in der Ausrichtung wie Tempel (B) zu sehen. Hinter der kurzen Giebelschräge kommt ein Ast hervor, unterhalb der Basis und über den Köpfen der Figurengruppe ein Zweig.

Bds. stempelgleich: Ruzicka = SMB.
Rs. Imhoof-Bl./Nymphen und Price/Trell 29 (die dort nicht abgebildete Vs. soll Macrinus (!?) zeigen) sind ebenfalls stempelgleich.
Rs. wohl stempelgleich (#k1458, #k2024), sehr ähnliche Rs. (#k1178), ähnliche Rs. (#k1461, #k0678, #k2178).
Ähnliche Rs. für Geta (Ruzicka 908, #k1290, #k5311).
Vgl. die beiden Varianten (#a0823img und #a0883img) unter Septimius Severus.
Die Absichten, die mit den diversen Unterschieden in der Bildgebung verbunden sein könnten, bleiben leider im Verborgenen.

Es handelt sich hier um eine "Gartenanlage" (Ruzicka), in der verschiedene Kulte der Stadt "large cult complex", Szubert, S.35) vereint sind. Allerdings könnten die kleineren 'Tempel' durchaus auch Nischen für Figurenschmuck (zB für die üblichen Kopien bekannter Bildwerke wie die 3 Grazien) oder auch Trinkbrunnen sein (! Ruzicka, S.174). Auf besser erhaltenen Münzen ist im großen unteren Tempel eine Asklepios-Statue klar zu erkennen. Tatsächlich wurde schon vor Jahren am Fuß eines größeren Hügels ('Hisarlak') ein Tempel des Heilgottes entdeckt (Szubert, S.37). Auf der Höhe des Hügels, dem Münzbild entsprechend, wurden Relikte eines weiteren Tempels (Apollo?) gefunden. Ohne Zweifel wird mit dieser Rs. versucht, den Tempelbezirk mit seinen diversen Objekten so umfassend wie möglich wiederzugeben ("true reflections of reality", Szubert, S.38). Der damalige Betrachter wird jede Einzelheit zu identifizieren gewußt haben, auch wenn das Münzformat nur eine stark vereinfachte Ansicht zuließ.

Unscheinbar, aber doch von Bedeutung, ist auch hier das Nebeneinander von unterschiedlichen Sehweisen ('Perspektiven', bes. ausgeprägt s. #a0109img).

Literatur:

Ruzicka, L.: Die Münzen von Pautalia, Sofia 1932
Imhoof-Blumer, F.: Nymphen und Chariten auf griechischen Münzen, JIAN 11/ 1908, S.1-213, Tf.1-12
Szubert, W.: On the Depictions of Sacred Architecture on Coins from Lower Moesia and Thrace, Archeologia (Warschau) 29 (1978), S.35-45