6-säuliger korinthischer Tempel mit geweitetem mittleren Interkolumnium auf hohem Stylobat, welches anscheinend auf einer schmalen Bodenlinie steht. Von gleicher Stärke und ebenfalls ungegliedert liegt den Säulen der Architrav mit einem zentralen spitzwinkligen Giebel (Satteldach) auf. Etwas schmaler ausgeführt sitzen auf den äußeren Enden des Architravs spiegelbildlich zwei kleinere Giebel im Sinne von Pultdächern auf. Die Firste der beiden seitlichen Giebel erreichen ca. zwei Drittel der Zentralgiebelhöhe. Kanneluren sind noch soeben erkennbar. Im Innern Dionysosstatue mit Thyrsos nach links auf eigener flacher Basis.

Schönert 1716 = SMB bds. stempelgleich.

Ähnliche, dh mit durchgehendem Epistyl versehene "Sprenggiebel" sonst ausschließlich in Zela (zB #a0371img, #a0508img, s.dort), dort aber ist das mittlere Giebeldreieck niedriger als die seitlichen.

Die Dachform ist in dieser Ausgestaltung in anderen Medien nicht belegt und sicher unrealistisch; unrealistisch ist deshalb auch die Meinung, diese Münzdarstellungen seien die einzige nicht literarische "Möglichkeit, uns ein Bild vom Aussehen der Tempel zu machen" (Hefner, S.50, Anm.112). Da es eine solche Tempeldachform nicht gegeben hat, kann das Münzbild auch nicht einfach für bare Münze genommen werden, die Sprache des Bildes muß übersetzt werden: am ehesten überzeugt mich der Gedanke, daß hier in einfacher Machart und in absoluter Frontalansicht ein Flügelbau gezeigt werden soll, strukturell vergleichbar den Abbildungen aus Nikopolis (s. Notiz zu #a0430img) oder auch der fluchtperspektivisch gezeichneten Tempelanlage der Venus Genetrix (#a0179img).

Aus Maroneia sind nur wenige Rs. Typen von GB ("Fünfer") bekannt: dieser Tempel in zwei Varianten (für Caracalla, Macrinus u. Trebonianus Gallus #k0787) und das Bild des Kaisers. Außer diesem Typus wurde hier keine Architektur-Münze geprägt.