Die rechte Hälfte der Münze nimmt ein von schräg oben gesehenes rautenförmiges Geviert (Trell:"in bad perspective", S.32) ein, in dessen Mitte ein hl.Stein/ Baetyl auf (oder hinter) einem Postament oder Altar steht. Auf gut erhaltenen Münzen sind die seitlichen und die obere Begrenzungen klar als Säulenumgänge zu erkennen. Die Vorderseite wird von einer Front aus zehn Säulen mit einem weiten zentralen Interkolumnium gebildet, zu dem eine hohe und steile Treppe führt. Trell (ebda.) erkennt darin den Unterbau eines Monumentalaltars (*) und außerdem in dem linksseitigen Anbau keinen eigenständigen Tempel, sondern einen (Seiten-) Eingang zum geheiligten Bezirk. Ihre Meinung fußt auf "another binding rule of Roman Syrian numismatics: a small altar when delineated on the façade of a building identifies the building as an entrance to a sanctuary. Of course the small altar did not actuallay stand in the entrance way; it was brought to the front..." (s.o.).
Die etwas ausführlicher zitierte Sichtweise ist tatsächlich mE häufig überzeugend; deren Anwendung auf die zehnsäulige Front (s.o.) erscheint mir jedoch zweifelhaft. Insbesondere ist der außergewöhnlich lange (und steile) Aufgang (von Trell überhaupt nicht erwähnt) kaum als Zugang zu einem Hofaltar zu erklären. Eher wird es sich um die (verkürzt dargestellte) Treppe zum Haupteingang des Heiligtums handeln; dieses könnte dann, wie von Münzen aus Heliopolis oder Neapolis bekannt, auf einem Hügel gelegen sein.


Rs. stempelgl. (#k3780 = CNG e79.676).<center>
<img src='/aeruginis/images/3780.jpg' width='400px' /></center>
Es handelt sich, unter der Voraussetzung, daß diese Münzen in Ordnung sind, um eine seltene Variante; alle anderen Beispiele (und #k0916, #k1069, #k3531) zeigen mit verschiedenen Stempeln Mauerwerk an der Längsseite des links vorgebauten 'Tempels' oder Zugangs (und auch unterschiedliche Draperie der Büste).
Trotz der unsachgemäßen Bearbeitung, im Katalog nicht beschrieben und auf den Photos nicht erkennbar, wurde die Münze von einem Münchner Auktionshaus wegen Überschreitung der Reklamationsfrist (3 Wochen) um wenige Tage nicht zurückgenommen.


(*) "brought forward by the die-maker who used the most common convention known...This convention consists of bringing to the front what stood behind or within. Examples are almost endlessly found on coin-temples where the cult images are delineated in the façades; we know beyond all reasonable doubt they stood in the cella."

Literatur:

Gaifman, M.: The Aniconic Image of the Roman Near East, in (ed. T.Kaizer) The Variety of Local Religious Life in the Near East in the Hellenistic and Roman Periods, Leiden u.Boston 2008, S.37-72
Trell, B.L.: Architectura numismatica orientalis. A short guide to the numismatic formulae of Roman Syrian die-makers, NC 10 (1970), S.29-50, 115 Abb. auf unpag.Taf.