Monogramm alternativ Μ⁀Α⁀Ρ ?

4-säuliger Tempel mit abgesetztem Stylobat auf starkem Sockel. Durch Kehlen sind Architrav und Schräggiebel zweigeteilt. Keine Akroteren. Im gering geweiteten Säulenzwischenraum ein Altar (mit eigener Basis und Altarplatte), darüber Punkt (Flamme?).

Bds. stempelgleich: Weber 7014, BMC 33, Aukt. Aufhäuser 5 (1988, Nr.261); Varianten (s.RPC) von anderem Rs.Stempel (Legende und schlanker Tempel).

Ein zweiter Tempelbau wird unter Vespasian als Distylos mit einer Sitzstatue des Zeus geprägt (RPC 1422). Ausschließlich unter Caracalla erscheint als dritte Architekturdarstellung der Stadt ein Tempel mit sechs Säulen ohne Kultobjekt (zB vAulock 3412f). Die Motive Altar und Distylos werden nach Vespasian nicht wieder aufgenommen, alle übrigen Tempelbilder zeigen den Zeus-Tempel (s.o.) viersäulig (M. Aurelius, J. Domna, Geta).

Oft wird die Akkuratesse der Architekturdarstellungen (häufig in Anlehnung zB an Drew-Bear, im deutschen Sprachraum ua nach Fuchs) bezweifelt und nicht selten pauschal negiert. Ohne an dieser Stelle näher darauf einzugehen (s. zB Notizen zu #a0011img, #a0297img, #a0558img, #a0608img) sei in Kürze auf den Beitrag von C. Katsari (S.39, s.u.) hingewiesen: "As is normally the case...the representation of the temple ...does not depict accurately an actual building". Wenige Zeilen später resümiert die Autorin als möglich, "that all of the temples depicted on the coins of Amorium...represent, in fact, the same temple of Zeus". Hier empfinde ich ein Unbehagen: Wenn die Wiedergabe eines bestehenden Bauwerks nach der zitierten Ansicht zumindest weitgehend beliebig (*) war, ist schwer zu verstehen, daß zT substantiell unterschiedliche Abbildungen dasselbe Monument zeigen sollen. Mit Fug und Recht kann ebenso gut geschlossen werden, daß der Tetrastylos mit Altar (anstelle der Sitzstatue) und der Hexastylos (ohne Kultfigur) mit Absicht in dieser Weise geprägt wurden, um sie von dem durch die Statue indentifizierten (Zeus-) Tempel zu unterscheiden. Dagegen ist sicherlich zuzugestehen, daß die zwei- und viersäuligen Fassaden mit gleichartiger Statue im zeitgenössischen (!) Verständnis von 'Realität' denselben Tempel meinen.

Geburtsort des Aesop.

(*) die Autorin, ebda.: "whim of the numismatic artist", i.e. Gutdünken, Laune, Marotte. Für solche Regungen blieb mE angesichts der vermutlich strengen Aufsicht im gesamten Produktionsablauf der Münzen wohl kein Raum, was im übrigen auch das wohl komplette Fehlen von Ironie, Spaß, Augenzwinkern auf antiken Münzen erklärt. Jeder Schritt unterlag staatlicher Aufsicht, jeder Beamte war (wie überall in der Welt) bis zur obersten Ebene weisungsgebunden und vielleicht auch zusätzlich seinem (spezifischen Beamten-) Naturell folgend nicht geneigt, ohne Rückversicherung irgendwelche Planänderungen vorzunehmen. Nahezu zeitgleiche Abbildungen eines Tempels in erheblich verschiedener Gestalt (Tetrastylos mit Altar - Distylos mit Statue) erfordern demnach eine echte Entscheidung der Autorität. Wenn wir deren Beweggründe nicht nachvollziehen können, sollte die Lösung des Problems nicht darin bestehen, den Verantwortlichen Launen etc. zu unterstellen.
Ich meine dagegen, daß generell (im Rahmen der damaligen Möglichkeiten und Fähigkeiten) recht exakt gearbeitet wurde; zB sind die Versuche, Bauten in irgendeiner Form 'perspektivisch' darzustellen, meistens nicht gut gelungen - sie zeigen aber, so die mutmaßliche Absicht der Künstler, mehr als eine platte Frontansicht (vgl. zB Heliopolis: #a0170img mit #a0650img).

Literatur:

Katsari, C., C.S.Lightfoot u. A.Özme: The Amorium Mint and the Coin Finds, Berlin 2012
www.amoriumexcavations.org