Jahr 12 (148/9 n.Chr.).

Im rechten Münzdrittel ist der Pharos über Eck dargestellt mit rundbogigem Tor und 4-stufiger Freitreppe, die schräg von der Bodenlinie zum höherstehenden Leuchtturm führt. Bds. der Laterne, auf der eine Statue steht, blasen zwei Tritonen ihre Hörner (bucinae).
Im linken Münzdrittel schreitet Isis nach rechts und hält mit beiden Händen ein geblähtes Segel, in der Rechten zusätzlich ein Sistrum, auf durchgehender Bodenlinie.

Die Varianten unterscheiden sich nur unwesentlich: ua steht der Turm häufig ohne Treppe (die von Strabo beschrieben wird) unmittelbar auf der Bodenlinie (#a0766img); eine auf Bogen ruhende leicht ansteigende Rampe führt zum Eingang (Dattari 1932, #k7086); der Turm verjüngt sich nach oben und trägt (hier kaum erkennbare) rechteckige und runde Objekte (möglicherweise Fenster zur Innenbeleuchtung und Spiegel zwecks Reflexion zum Meer hin).

Der dreistöckige (oder zweistöckige) Plan wird auf fast allen Münzen wiedergegeben oder zumindest angedeutet; bis ins MA reichende Beschreibungen erzählen von einem quadratischen (mit Fenstern versehenen) Basisgeschoß und von dem darauf aufgesetzten oktogonalen Hauptstockwerk; obenauf befand sich ein trommelförmiges oder rundtempelartiges Obergeschoß (mit dem Leuchtfeuer). Bekrönt wurde das Ganze von einer Statue, die anfänglich wohl Poseidon, später vielleicht auch Helios, darstellte. Wenn einmal nur zwei Geschosse dargestellt wurden, dann wohl aus der Notwendigkeit heraus, Platz für das figurale Beiwerk und insbesondere für die bekrönende Statue zu schaffen. Diese ist anscheinend wohl ausnahmslos auf allen Münzen zu sehen, welche einen Leuchtturm als beherrschendes Motiv zeigen. Allerdings ist durchgehend strittig, wen die Statuen repräsentieren sollen - allein für Alexandria werden zumindest sechs Identitäten diskutiert (Auflistung und kurze Diskussion: Giardina, S.146-148 u. Anm.5-10).

Erbaut von Sostratos von Knidos für 800 Talente und bis ins 14. Jhdt. nach Chr. funktionstüchtig erhalten. Auf der Insel stand auch ein Tempel der Isis, daher Isis Pharia, Beschützerin des Leuchtturms; deren auf den Münzen abgebildetes Standbild befand sich nach wohl übereinstimmender Meinung nicht in unmittelbarer Nähe zum Leuchtturm.
Isis Pharia erscheint auch auf Münzen aus Amastris, Anchialos, Aspendos, Byblos, Ephesos, Korinth, Kyme, Nikomedia ua (s. Bricault, dort Auflistung von 17 Städten, welche diesen Typus, mit oder ohne Leuchtturm, geprägt haben).

Andere Leuchttürme sind wiedergegeben (55 Typen tabellarisch aufgeführt von Reddé, S.852-854, allerdings nicht ausschließlich Münzen) auf Münzen aus Aegeae/Kil. (#a0626img, vgl.#k0434, #k1126, #k3496), Ake-Ptolemais ? (s. Rosen et al., S.174f u. Abb.6: Kadman, Akko 175 u. Meshorer, City-coins 7: Abb., die vielleicht doch eher einen Turm in der Akropolisbefestigung zeigen), Caesarea Germanica (Hafen, BMC 2), Ephesos (SNG Cop 548f, SNG Hunter 1731), Erythrai, Heraklea Pontica (vAulock 459, RG 247 "bucher"), Istros (Ruzicka 516b, #k1146, #k1449, #k1457, #k2839), Korinthos (SNG Cop 357, Price/Trell 147, BCD 824f, #k1521), Laodikea/Sel. (#a0654img, #a0896img, BMC 24, #k0181, #k3064), Messina (#a0266img), Panormos ?? (#a0710img, #k2712), Pompeiopolis, Rom/ Ostia (RIC 181, Gnecchi 172/6 ua, s. Sesterz A.Pius RIC III, S.123.757), Sestos (#k2896).
Die Türme im Rahmen der Geschichte um Hero und Leander (Abydos und Sestos) sind als Symbole für Leuchttürme zu verstehen (vgl. Giardina, S.149f).
Die Ref. bzgl. Heraklea Pontika beschreiben verschiedene Bauwerke, von denen RG 247 untypisch und einem Rogus täuschend ähnlich ist (Bild nicht in RG, aber abgebildet bzw. kommentiert von Giardina auf Tf.III.11A bzw. S.153).
Aus der Reihe fallen ebenfalls die unrealistisch schlanken und hohen Türme von Istros (Giardina, S.156f: eher ein Obelisk oder ein Brunnen, weil "monolitica e assai differente dall'edificio a piani degradanti verso l'alto") und Ephesos, welche den Hintergrund ausfüllen; in beiden Fällen wird das Münzbild von einer im Vordergrund lagernden Wassergottheit bestimmt.

Die genaue Lage von mehr als 20 großen Leuchttürmen ist bekannt, ua in Dover (Dubris), Boulogne-sur-mer/Calais (Bononia, Gesoriacum), Frejus (Forum Julii), Taposiris Magna; der sehr ähnliche römische Leuchtturm von La Coruna/ Galicia wird nach wie vor genutzt.
Der alexandrinische Pharos war ein architektonisches Novum und Prototyp für eine große Zahl antiker Leuchttürme (s.o.), sicher, nach Verlust der oberen Stockwerke, wohl auch Vorbild für die späteren (im Grundriß viereckigen) Minarette in Nordafrika (Kairouan, Kairo, Marrakesch).

Lit.:
Bricault, L.: Un phare, une flotte, Isis, Faustine et l'annone, Chronique d'Egypte, 75(2000), S.136-149
Deppmeyer, K.: Der Leuchtturm von Pharos, Frankfurter elektron. Rundschau zur Altertumskunde 3(2006), S.1-13
Grimm, G.: Alexandria, Mainz 1998
McKenzie, J.: The Architecture of Alexandria and Egypt, New Haven u. London 2007
Pfrommer, M.: Alexandria, Mainz 1999
Reddé, M.: La représentation des phares à l'époque romaine, Mélanges de l'Ecole française de Rome. Antiquité 91 (1979), S.845-872 [neben Münzen auch Mosaike, Malereien, Reliefs ua]
Rosen, B. et al.: The Roman Lighthouse at Akko, Israel. The Intern Journal of Nautical Archaeology 41 (2012), S.171-178
Thiersch, H.: Pharos, Antike, Islam und Occident, Leipzig 1909