Ein rätselhafter Bau, dessen Darstellung dem antiken Betrachter natürlich unmittelbar verständlich war, uns jedoch vor einige Probleme stellt.

Auf einer noch eben erkennbaren gerundeten Grundlinie erhebt sich ein von schmucklosen Bögen bedachter (Rund-) Bau mit drei 'Etagen' ohne Architrave (also ohne Querverbindungen). Das Grundgerüst des Baues bilden je zwei aufeiander stehende (ionische??) Säulen (erste und zweite 'Etage'), wobei das zentrale Interkolumnium breiter ist als die beiden seitlichen Zwischenräume. Auf den vier das Grundgerüst bildenden Säulenpaaren stehen vier Karyatiden (oder Atlanten); sie tragen jeweils auf dem Kopf und mit einer Hand Bögen, welche die drei interkolumnalen Räume nach oben abschließen (dritte 'Etage'). Auf dem Scheitel des mittleren Bogens ist eine Spitze (apex), parallel zu allen Bögen verläuft eine unregelmäßig gewellte Linie (besser zu erkennen bei Price/Trell 329).
Zwischen den äußeren Säulenpaaren stehen von gleicher Höhe, jedoch ohne Verbindung zum Bau selbst, jeweils zwei aufeinander plazierte, wohl etwas schmalere Säulen; obenauf ist jeweils eine Figur zu erekennen, die mit einem Palmwedel die äußeren Karyatiden beschattet.
Im weiten mittleren Säulenzwischenraum steht auf der gemeinsamen Bodenlinie ein weiteres nicht zum eigentlichen Bau gehöriges Objekt, ebenfalls mit drei bzw. vier vertikalen Abschnitten. Zuunterst sieht man unter dem Rundbogen eines rechteckigen Torbaues (Schreines) eine unbestimmbare Figur. Die Variante (Price/Trell) zeigt nur den Bogen (mit Figur ohne Torbau) und, von diesem nach oben abgesetzt (!), eine Säule auf eigener flacher Basis. Diese Säule ist auf der hier vorliegenden Münze so abgebildet als stünde sie abstandslos auf dem Torbau. Sie trägt einen Globus, auf dem mit je einem Fuß, nun in der Höhe der anderen Figuren, zwei Niken einander zugewendet stehen. Gemeinsam halten sie einhändig eine Art Baldachin (Schirm ?), der an die Unterkante des Bogens (s.o.) stößt, in die Höhe.

Die Interpretation ist schwierig. Sicher ist, daß ein Bau in dieser Form/ Statik nicht lange gestanden hätte, auch nicht in einer erdbebenfreien Region. Daraus folgt, daß das Gebäude realiter nicht so gebaut worden ist, wie wir es jetzt auf der Münze sehen.

Ähnliche Rs. für Valerianus und Gallienus in zwei Varianten aus dem Netz: (#k0206, #k1870b - stempelgleich mit der vorliegenden Rs. #a0590img) bzw. (#k1870a - stempelgleich mit Price/Trell 329). Im Gegensatz zu den beiden letzteren Ex. lassen die anderen drei (bes. #k0206) gut durch den Verlauf der Bodenlinie erkennen, daß es sich um einen Rundbau handeln muß. ((

Trell (1970, S.36) erklärt den (architektonisch unmöglichen) Rundbau nicht, sondern äußert sich nur zu dem zentralen Arrangement von Schrein/ Torbau bis zum Globus: "...we can say that they stood one behind the other and all of them within the circle."

Ein ähnlicher, jedoch viel kleinerer Bau ( mit 4 Karyatiden), ist aus Patara bekannt: Price/Trell 424.

Karyatiden (Atlanten, Hermen) als tragende Stilelemente sind selten: ua Price/Trell Abb. 13f (Kyme, Caesarea ad Libanum #a0586img), Atlanten (Tanagra), Hermen ( Sesterz #a0502img).

Literatur:

Trell, B.L.: Architectura numismatica orientalis. A short guide to the numismatic formulae of Roman Syrian die-makers, NC 130 (1970), S.29-50, 115 Abb. auf unpag.Taf.